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03. Juli 2012 20:40 Uhr

Umstrittenes AKW

Atomaufsicht mit Fessenheim zufrieden – Nachrüstung nötig

Zufriedenstellend seien Sicherheit und Strahlenschutz des AKW Fessenheim. Zu diesem Schluss kommt die französische Atomaufsicht. Gleichzeitig drängt sie auf Verbesserungen.

  1. Das Atomkraftwerk Fessenheim direkt am Rheinseitenkanal Foto: dapd

STRASSBURG. Unter dem Eindruck der von Staatspräsident François Hollande angekündigten Stilllegung des Atomkraftwerks in Fessenheim hat die französische Atomaufsicht (ASN) ihre Forderungen nach zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen für die ältesten französischen Reaktoren bekräftigt. Insgesamt bewertet die unabhängige Kontrollbehörde Strahlenschutz und Sicherheit der seit 1977 produzierenden Anlage als zufriedenstellend.

Gleiches gilt für das AKW im lothringischen Cattenom, das wie Fessenheim in den Kontrollbereich der ASN Straßburg fällt. In Fessenheim habe man insbesondere bei der Kontrolle der Subunternehmer für die Wartungsarbeiten Fortschritte gemacht.

Als Reaktion auf den nuklearen Unfall im japanischen Fukushima 2011 hatte die ASN alle 58 Atommeiler des Landes einer Sicherheitsprüfung unterzogen.

Heikle Konstellation

Vergangene Woche erst legte sie dazu einen 300 Seiten starken Bericht vor. Die Kontrolleure der ASN halten Frankreichs AKW für sicher und listen dennoch pro Anlage im Durchschnitt 40 Schwachstellen auf, die es auszumerzen gilt. Der Stromkonzern Electricité de France (EdF) muss nach bisheriger Einschätzung insgesamt 10 Milliarden Euro investieren, wenn er seine Anlagen auf den von der ASN geforderten Sicherheitsstand bringen will. Zu den zentralen Forderungen gehören die Schaffung einer mobilen Expertengruppe, die im Notfall binnen kürzester Zeit am Ort sein kann, sowie ein elektrisches Notsystem für jedes AKW. Will die EdF ihre Betriebsgenehmigungen nicht verspielen, muss sie sich fügen. Zumindest geben sich die Verantwortlichen der Straßburger ASN sehr streng.

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Besonders im Falle von Fessenheim ist die Konstellation heikel. Seit der Ankündigung Hollandes im Wahlkampf, er wolle Fessenheim stilllegen, gibt es aus Paris keine weiteren Signale, wie und wann eine solche Stilllegung ablaufen soll. Trotz dieser Ungewissheit muss die EdF bis Jahresende ein Notkühlsystem einbauen, das mit Grundwasser versorgt werden soll. Weit höhere Kosten verursacht aber die zweite zentrale Forderung der ASN: die Verstärkung der Bodenplatten beider Reaktoren als Schutz nach einer Kernschmelze.

Florien Kraft, in der ASN zuständig für Fessenheim, sagte am Dienstag, der Betreiber habe Ende 2011 Ideen für die technische Umsetzung vorgelegt. Inspektoren der ASN hätten auch an Modellversuchen teilgenommen. Die Einhaltung der gesetzten Frist von einem Jahr liege aber in der Verantwortung der EdF. Andernfalls könne die Atomaufsicht die Genehmigung zurückziehen. "Wir machen keinen Businessplan für die Betreiber", betonte Kraft. "Eine Atomsicherheit light gibt es nicht." Die EdF könne durchaus zum Ergebnis kommen, dass der Weiterbetrieb wegen der hohen Kosten nicht rentabel ist. 30 Millionen Euro sind für die Verstärkung veranschlagt.

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Autor: Bärbel Nückles