Augenmerk auf Solarstromanlagen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 29. Juni 2018

Schliengen

Generalversammlung der Genossenschaft Bürgerwindrad Blauen zeigt, dass Windkraftpläne auf dem Blauen derzeit auf Eis liegen.

KANDERN/SCHLIENGEN (BZ). Die Genossenschaft Bürgerwindrad Blauen Erneuerbare Energien eG (BwB EE) setzt auf Solarstrom. Dies wurde bei der jüngsten Generalversammlung der Genossenschaft – nicht zu verwechseln mit dem Verein Bürgerwindrad Blauen – in Kandern deutlich. Ein Grund dafür ist, dass es nach sechs Jahren Bemühungen noch keine Windkraftanlagen auf dem Hochblauen gibt, wofür Genossenschaft und Verein einst gegründet wurden, wie aus einer Pressemitteilung der Genossenschaft hervorgeht.

Demnach berichtete Vorstandssprecher Peter Schalajda zunächst über die laufenden Projekte und den Jahresabschluss für 2017. Zudem gab er einen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2018. Schalajdas Fazit: "Diese Zahlen zeigen, dass wir unseren Auftrag erfüllen, mit dem Geld unserer Mitglieder die Energiewende voranzubringen." Und: "Ich bin froh und ein wenig stolz darauf, dass wir nun so weit sind."

Die BwB EE wurde, so die Pressemitteilung weiter, Ende 2011 mit dem Ziel gegründet, Windkraftanlagen auf eine der windhöffigsten Stellen Baden-Württembergs, dem Hochblauen, zu errichten und CO2-freien Strom aus der Region für die Region zu erzeugen und damit einen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu liefern. Die Gesellschaftsform einer Genossenschaft soll es jedem Bürger erlauben, sich an diesem Projekt zu beteiligen, unabhängig von der Höhe seiner Einlage.

Zwar stehen nach mehr als sechs Jahren immer noch keine Windkraftanlagen auf dem Hochblauen, weil fast alle Gemeinden, die sich den Hochblauen teilen, das Projekt blockieren, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Eine Ausnahme sei die Gemeinde Malsburg-Marzell. Doch dort blockiere die Eigentümerin des Waldes, die Forst-BW mit Landwirtschaftsminister Hauck an der Spitze, indem er sich weigere, die Waldfläche für die Verpachtung auszuschreiben. Trotzdem habe die Genossenschaft wirtschaftlich aktiv werden müssen und konzentriere sich – als eine Art kleine Zwischenlösung – auf die Errichtung von Solarstromanlagen.

Eigenen Angaben zufolge betreibt die Genossenschaft eine Solaranlage auf dem Dach einer Schreinerei in Kandern mit 33 Kilowatt peake (kWp; peake heißt Spitzenleistung) und ist mit 25 Prozent am größten Solarpark Südbadens auf der ehemaligen Deponie in Herten beteiligt (767 kWp von 3000 kWp). Und in wenigen Wochen soll eine dritte Solarstromanlage auf dem Dach des Recyclinghofes in Herten (83 kWp) ans Netz gehen.

Mit diesen Anlagen produziere die Genossenschaft jährlich 880 000 Kilowattstunden (kWh) sauberen Solarstrom, heißt es weiter. Bei 139 Mitgliedern entspreche das 6300 kWh an sauberen Strom pro Jahr und Mitglied. Dafür hätten die Genossenschaftsmitglieder 267 100 Euro angelegt, mit denen die Genossenschaft wiederum Investitionen von 717 600 Euro habe tätigen können. Das heißt, pro Euro Einlage seien 2,60 Euro investiert worden. Jedes Mitglied habe damit im Durchschnitt 40,8 Quadratmeter Modulfläche ermöglicht. Mit der Mindesteinlage eines Genossenschaftsmitglieds von 500 Euro würden pro Jahr 1600 kWh Strom erzeugt. Weiter Solarprojekte stünden in Aussicht.

Doch will die Genossenschaft nicht den Fokus auf Windenergie verlieren, weil sie die effektivste Quelle regenerativen Stroms sei. Zum Vergleich: Der Solarpark in Herten mit vier Hektar Fläche und 11 319 Modulen produziere pro Jahr drei Millionen kWh. Eine Windkraftanlage mit einer Leistung von 3 Megawatt (MW) auf dem Rohrenkopf produziere pro Jahr sieben bis neun Millionen kWh Strom und benötige eine Fundamentfläche von 0,05 Hektar.

Auch bei der CO2-Bilanz sei die Windkraft vorbildlich, so die Mitteilung weiter. Beim Betrieb von Wind- und Sonnenkraftwerken entstehe kein CO2. Für die Bilanz müsse man jedoch den Energieaufwand bei Bau, Transport und Abbau der Anlagen berücksichtigen, genauso wie beim Bau, Betrieb und Rückbau fossiler Energieerzeuger wie ein Kohlekraftwerk. So gesehen fielen bei einer kWh Strom aus Windenergie elf Gramm CO2 an. Bei Solarenergie seien es 68 Gramm, beim Strommix (bezogen auf das Jahr 2016) 527 Gramm und bei einem Braunkohlekraftwerk über 1000 Gramm.

Die Generalversammlung bekannte sich dazu, regional aktiv zu bleiben und sich nicht bei Projekten etwa in Norddeutschland zu engagieren. Ein Mitglied brachte es auf den Punkt: "Wir wollen, dass sauberer Strom regional erzeugt und verbraucht wird. Dann braucht es keine dicken Stromtrassen, die den Strom von Nord nach Süd transportieren". Zudem zeigte sich die Generalversammlung offen für den Vertrieb von Kleinst-Solarstromanlagen, die jedermann ohne jegliche Genehmigung auf seinen Balkon montieren kann.