Furcht vor Eskalation mit Nordkorea

USA und China rücken im Atomkonflikt zusammen

Johannes Schmitt-Tegge

Von Johannes Schmitt-Tegge

Mo, 07. August 2017

Ausland

Peking will einen wirtschaftlichen Zusammenbruch Nordkoreas verhindern, auch weil es eine Flüchtlingswelle befürchtet.

NEW YORK/PEKING. Als engste Partner gelten Washington und Peking nicht, doch aus Angst vor einer Eskalation mit Nordkorea näherten sich die Großmächte an. In der jüngsten Sitzung des UN-Sicherheitsrats zogen sie nun an einem Strang und verschärften die Sanktionen gegen Nordkorea. China gilt als Schlüssel in dem Atomkonflikt. Das Land muss abwägen zwischen der nuklearen Gefahr und Spannungen an der eigenen Grenze.

China ist wichtigster Verbündeter und Handelspartner des ansonsten weitgehend isolierten, kommunistisch geführten Staates. Auch für den Import von Lebensmitteln und Energie ist Nordkorea auf sein Nachbarland angewiesen. Pekings Rolle ist entscheidend beim Versuch, Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un vom Bau einer nuklear bestückten Interkontinentalrakete abzuhalten, die das amerikanische Festland treffen kann.

Es ist die achte UN-Resolution im Zusammenhang mit Nordkoreas Atom- und Raketentests seit dem Jahr 2006. Wirkung gezeigt hat bisher keine von ihnen. Pjöngjang setzte seine Tests und sein Atomprogramm trotz aller Warnungen bisher fort.

Mit den neuen Sanktionen würden die ohnehin schon mageren Exporterlöse Nordkoreas nach US-Angaben um eine Milliarde Dollar (850 Millionen Euro) und so mindestens um ein Drittel gekürzt. Die USA hatten auf noch härtere Schritte gedrängt. Ob Pjöngjang durch den wirtschaftlichen Druck an den Verhandlungstisch gebracht wird, ist offen. US-Präsident Donald Trump schien die Abstimmung, bei der Russland ebenfalls kein Veto einlegte, auch als eigenen Erfolg zu feiern.

China befindet sich im Nordkorea-Konflikt in einer misslichen Lage. "Chinesische Anführer empfinden keine Liebe für Kim Jong-uns Regime oder dessen Nuklearwaffen, aber die Aussicht auf den Kollaps Nordkoreas und die Vereinigung der Koreanischen Halbinsel mit Seoul als Hauptstadt missfällt ihnen noch mehr", so Richard Haass, Präsident des Council on Foreign Relations in New York.

Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch Nordkoreas könnte Hunderttausende Flüchtlinge über die Grenze nach China treiben, wo sie schon jetzt ein wachsendes Problem darstellen. Schätzungen zufolge leben bis zu 200 000 nordkoreanische Flüchtlinge heimlich in China.

Hinzu kommt, dass ein Kollaps Nordkoreas den Einfluss der USA in der Region deutlich vergrößern würde. In Südkorea sind 29 000 US-Soldaten stationiert, die mit südkoreanischen Truppen regelmäßig Militärübungen abhalten. Das um Stabilität in der Region bemühte China betrachtet diese Übungen als Provokation.

Bisher war Nordkorea in der Lage, sein Atom- und Raketenprogramm trotz bestehender Sanktionen zu finanzieren. Neben dem Handel mit China verdient Nordkorea vor allem am Verkauf von Waffen in Asien, Afrika und dem Nahen Osten sowie dem Bau militärischer Anlagen in Afrika, heißt es in einem Expertenbericht des UN-Sicherheitsrats.

Zudem hat das 25 Millionen Einwohner zählende Land UN-Angaben zufolge 50 000 Zwangsarbeiter ins Ausland geschickt, um Geld für ihren Heimatstaat zu verdienen. Berichten zufolge arbeiten sie vor allem in China und Russland, aber auch in Afrika und den Golfstaaten. Laut UN-Zahlen von 2015 erzielt Nordkorea durch diese Arbeiter jedes Jahr Einnahmen von bis zu 2,3 Milliarden Dollar.