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10. August 2012

Bildungssystem

Bachelor und Master: Die Reform von oben

Bachelor und Master – von der Wirtschaft gefordert, von den Hochschulen wenig geliebt.

Diplom und Magister – das war gestern. Heute heißen Studienabschlüsse Bachelor und Master. Wie ihre englischsprachige Bezeichnung verheißt, steht dahinter internationaler Ehrgeiz: Das Studium soll europaweit vergleichbar werden – für Hochschulen, aber auch für die Wirtschaft. Vor zehn Jahren trat das entsprechende Gesetz in Kraft. Insgesamt eine Erfolgsgeschichte, meint Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU). Was haben die Studenten davon?

Ehrlichkeit kann man Schavan nicht absprechen. In der Pressemitteilung ihres Hauses werden als Auslöser für die Hochschulreform der vergangenen zehn Jahre benannt: die Forderung der Wirtschaft nach jüngeren und mobileren Absolventen und "ein Mehr an Beschäftigungsfähigkeit". In der Tat – die Hochschulen hatten, anders als die Wirtschaft, wenig Interesse am Umbau ihrer Studiengänge. Diese Selbstzufriedenheit trotz deutlicher Kritik – zu viele Abbrecher, zu lange Studienzeiten – führte dazu, dass die Reform ihnen von oben verordnet wurde.

Ausgebadet haben dies die Studenten der vergangenen zehn Jahre. Sie stießen auf Bachelorstudienangebote, in denen der Stoff der alten, acht bis zehn Semester dauernden Studien, oft wenig gekürzt und umorganisiert, in sechs Semester gepresst war; oder hochspezialisierte Studiengänge, deren Name schon der Dekan der Fakultät häufig nicht mehr verstand. Inzwischen arbeiten die Hochschulen an der Reform der Reform, um eine Überforderung der Studenten zu vermeiden und ihnen dennoch zugleich ein breiteres Grundwissen zu vermitteln.

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Darin liegt ein Zeichen, dass sich die Hochschulen ins Unvermeidliche schicken. Gewiss, es gibt auch viele Professoren, die dem neuen Studiensystem – hinter den Namen Bachelor und Master verbirgt sich eine grundlegend geänderte Studienorganisation – Positives abgewinnen können. Doch etwa in den Ingenieur- und Rechtswissenschaften gibt es noch Widerstand. Die Ursachen für das Unbehagen der Wissenschaft hat Schavan indirekt benannt, auch wenn sie das Unbehagen nicht teilt: Es sind vorrangig Ansprüche der Arbeitgeber, denen gemäß das Studium heute strukturiert wird. Es hat schnell und effizient zu sein, daher ist es verschult. Praxisbezug rangiert vor Theorie, soziale Kompetenzen vor kritischer Reflexion. Mit den Idealen akademischer Bildung hat das nur am Rande zu tun.

Dafür freut sich der Staat, dass das Erststudium deutlich kürzer ausfällt. Die wachsende Akademisierung treibt daher nicht die Kosten hoch. Wobei jedoch der Bachelor inhaltlich nicht vergleichbar ist mit Diplom oder Magister. Der Wirtschaft ist das aber egal, wie die recht einheitlichen Erstgehälter für Akademiker zeigen. Nur die jungen Leute selbst sind skeptisch. Insbesondere an den Universitäten studieren die meisten deshalb weiter bis zum Master: Ein richtiges Studium dauert eben doch mindestens fünf Jahre.

Autor: Wulf Rüskamp


6 Kommentare

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Ammar Ulabi™  

Ammar Ulabi™

Registriert seit: 08.05.2009

Kommentare: 3985

10. August 2012 - 09:59 Uhr

Natürlich hat "die Wirtschaft" ein Interesse, Studienzeiten zu verkürzen. Denn je jünger Jungakademiker werden, desto länger kann man sie dann unterbezahlt beschäftigen bei gleicher beruflicher Heran- und Weiterreife wie immer schon.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

10. August 2012 - 10:55 Uhr

Das Bologna-System schafft nur Fachidioten. Hohe Fachkompetenz bei sonstiger geistiger Unreife.

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Bert Pavel

Registriert seit: 19.07.2012

Kommentare: 328

10. August 2012 - 14:52 Uhr

Angefangen mit dem dualen Ausbildungsstand in Handwerk und Industrie
bis hin zu den akademischen Graden wie Dipl Ing. usw. wurden wir von
der fast ganzen Welt bewundert, aber auch beneidet.
Made in Germany wie z.B. im Maschinenbau zeigt es doch heute noch.

Was haben wir für die Zukunft? Einseitiges Fachwissen, dass nur dem jeweilgen Arbeitgeber nützt, aber die Ideenschmiede verkommen lässt.
Es gibt auch ein Vorteil: Das Ausland wird uns nicht mehr beneiden,
aber auch nicht mehr bewundern.

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Martin Rotzinger

Registriert seit: 19.11.2010

Kommentare: 589

10. August 2012 - 18:22 Uhr

Unis bilden(bildeten) für die Wissenschaft aus.
Das meiste, was in der freien Wirtschaft benötigt wird, ist trivialer. Entsprechend nachvollziehbar der ruf nach Absolventen, die ein kürzeres Studium haben.
Nur: dafür gab es eigentlich schon Fachhochschulen: Weniger Wissenschaft dafür mehr Praxis.
Heute muß man ja wirklich alles durch die Uni quetschen. Und viel zu oft heißt das dann auch pseudoakademisierung von früheren Ausbildungsberufen.

Man erreicht nur eines damit: Entwertung der Abschlüsse von Uni über Fachhochschule bis zu den Ausbildungsberufen.

nunja. Die Physik hat sich auch lange als Gallisches Dorf gehalten, ist aber leider auch dem Bolognadruck gefallen....

Was man dabei auch erreicht sind (Fh)Informatiker, die über mangelnde Programmierkenntnisse der Unikollegen lamentieren und wie unwichtig doch Theorie und Mathe ist, und dann wenn sie in einem Projekt mal ne schnöde Matrix invertieren müssen, voll auf die Schnauze fallen..

nunja...

mfg

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Joshua Knarz

Registriert seit: 12.01.2011

Kommentare: 367

12. August 2012 - 11:08 Uhr

Entscheidend ist das "Können" und nicht der Abschluss auf dem Papier. Ende.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

15. August 2012 - 13:44 Uhr

Der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz ist der gleichen Meinung wie ich: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/bologna-reform-hrk-chef-hippler-kritisiert-bachelor-und-master-a-849933.html

Die Bologna Reform ist nie demokratisch legitimiert worden. Es wird Zeit, wieder zurück zu kehren zu den ordentlichen Studiengängen.

Die selbst gesteckten Ziele hat der Bologna Prozess jedenfalls nicht erreicht, wozu also noch länger die Nachteile in Kauf nehmen?

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