Fanclubs in Italien und im Elsass

Hrvoje Miloslavic

Von Hrvoje Miloslavic

Mo, 12. Dezember 2016

Bad Säckingen

Die "Spielleute Skadefryd" aus Bad Säckingen haben sich mit ihrer Musik schon einen Namen weit über die Grenzen gemacht.

BAD SÄCKINGEN. Als Projekt des 2013 gegründeten Mittelalterstammtisch Hochrhein entstanden, haben sich die Spielleute Skadefryd als feste musikalische Größe in der Region etabliert. Davon zeugen nicht nur die zahlreichen Auftritte der sieben, stets in mittelalterlicher "Gewandung" auftretenden Musiker auf zahlreichen Veranstaltungen. 2015 erschien ihrer erstes Album "Cantus Vagus" (Das Lied des fahrenden Spielmanns). Mit "Westwind" zieht Skadefryd nun eine zweite CD nach, die Im Frühjahr 2017 erscheinen wird.

Natürlich führen die sieben Mittelalterfans ihre stilgerechten mittelalterliche Namen: Gründungsmitglieder sind Günter Butz (Gunnar, der Trobador/Gesang und Percussion), Andrea Griesser (Nephilim, das Goldkehlchen/Gesang, Flöte, Percussion) und Thomas Reinacher (Gevatter, der schwarze Barde/Gitarre, Cister, Dulcister, Gesang). Komplettiert wird die Formation von Frank Hausin (Franck, der Trumeler/Davul), Patrizia Pauciello (Akami, die Nachtigall/Gesang, Flöte), Meike Thaten (Dorell, die Fidlerin/Geige) und Markus Schlienger (Graf Markus, der Fähnrich) als Bannerträger.

An das originelle Erscheinungsbild und die nicht alltäglichen Klängen der Formation hat sich die Gegend nicht nur längst gewöhnt: Inzwischen zählen die Skadefryds, was übersetzt Schadenfreude bedeutet, zu gerne gesehen Gästen, die etwa die Märchentage in Bad Säckingen, den Enkendorfmarkt sowie Lesungen in der Mediathek in Wehr, die 750-Jahrfeier in Öflingen oder den Klausenhofer Kunstmarkt in Herrischried mit ihrer extravaganten musikalischen und visuellen Präsenz bereichern und unterhalten.

Doch auch überregional sind die sieben Mittelalterfans inzwischen gut bekannt, wie Günther Butz im Gespräch mit der BZ stolz erzählt. An so prominenten Mittelalterfestivaladressen wie Reichsburg Trifels in Annweiler und Burg Falkenstein (Rheinland-Pfalz), Citadelle de Bitche (Lothringen) und beim Pfifferday in Ribeauvillè (Elsass) war Skadefryd bereits zu Gast. Die sehr guten Rückmeldungen, an denen sich die Formation seit drei Jahren erfreuen kann, hätten ihn anfangs selbst etwas überrascht, gesteht Butz. Es mag auch an dem sehr breit gefächerten Repertoire liegen, das stimmungsvolle Rauf- und Sauflieder, Piraten- und Liebeslieder sowie traditionelle Volkslieder unter anderem in deutscher, lateinischer, bretonischer, okzidentalischer, schwedischer oder finnischer Sprache umfasst. "Wir verstehen uns als mittelalterliche Marktmusiker", versucht Butz eine Erklärung. Ziel von Skadefryd sei es nicht, Auftritte abzuspulen, sondern mit dem Publikum direkt auf Tuchfühlung zu gehen. Nicht musikalisch "bedienen", sondern unterhalten – mit Späßen sowie der Aufforderung an das Publikum mitzusingen, mit zu klatschen, zu schunkeln und zu tanzen, so Butz: "Das gefällt den Leuten einfach."

Songs wie "Drunken sailer", "Scarborough fair", "Loch Lemond" oder "Meerseburger Zauberspruch" werde stets ein ganz eigener Stil verliehen, der auch zur jeweiligen Veranstaltung und zur dortigen Atmosphäre passe. Ganz so streng mittelalterlich sei das Repertoire freilich nicht, wie Butz eingesteht. Anleihen bei der Renaissance sowie der frühen Neuzeit seien durchaus erlaubt.

Zwei Auszeichnungen auf Festivals bekommen

Auch die mediale Präsenz von Skadefryd kann sich sehen lassen. Elf Webradios haben die Songs der Spielleute bereits in ihr Programm aufgenommen. Im August erfolgte die Fertigstellung des ersten Musikvideos unter dem Titel "Alle meine Lebetag", das im Internetportal Youtube aufgerufen werden kann. Besonders stolz ist Butz auf zwei Auszeichnungen, die Skadefryd in Rahmen des Besuchs zweier prominenter Mittelalterfeste einheimsen konnte.

Als Newcomer erreichte die Formation beim Straßenmusikerfestival in Emmendingen 2014 die "Emmendinger Flöte", im September dieses Jahres gewannen sie den Publikumspreis "Das goldene Huhn" beim Wettbewerbes für Barden und Spielleute im Rahmen der bekannten "Zeitreise" in Staufen.

Sehr ernst nimmt Skadefryd die Proben sowie die Arbeit am Liedrepertoire. Einmal die Woche steht eine mindestens zweistündige Probe an. Nach Bedarf werden zusätzliche Treffen angesetzt. Immer wieder stehen auch Open-Air-Übungen auf dem Plan, um sich mit der Akustik für Auftritte im Freien vertraut zu machen. Zur Erarbeitung des Repertoires stöbern die Mitglieder im Internet, im deutschen Volksliedarchiv oder sie lassen sich bei ihren zahlreichen Besuchen auf mittelalterlichen Märkten in der Region und im Ausland von anderen Musikgruppen inspirieren.

Freuen dürfen sich die Fans von Skadefry, die sich inzwischen in vier Fanclubs in Bad Säckingen, Fenegro (Italien), Annweiler und Bischwiller (Elsass) organisiert haben, auf das zweite Album von Skadefry, das im Frühjahr unter dem Titel "Westwind" erscheinen wird.