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20. Juli 2015

Tschechow und andere illustre Namen

Das literarische Museum Tschechow-Salon wird nach seinem Umzug in das Rathaus von Badenweiler neu eröffnet.

  1. Eine umlaufende Zeitleiste informiert über das Leben Anton Tschechows. Foto: Beatrice Ehrlich

  2. Bürgermeister Karl-Eugen Engler, Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen und Museumsleiter Heinz Setzer durchschneiden das rote Band. Foto: Beatrice Ehrlich

Ein großer Tag für Badenweiler: Genau 17 Jahre nach seiner Eröffnung ist das Literarische Museum Tschechow-Salon ins Rathaus Badenweiler gezogen, wo es sich in völlig neuer Aufmachung präsentiert. Zahlreiche Festredner äußerten ihre Freude darüber beim Festakt am Freitag im Kurhaus Badenweiler.

Nach einer dramatischen Tenorarie von Wladimir Kuzmenko als musikalischem Auftakt und der Begrüßung durch Bürgermeister Karl-Eugen Engler gab Sergei Maguta, Botschaftsrat und Kulturattaché der Russischen Förderation, seiner Freude über das neue Museum in "einer der russischsten Städte Deutschlands" Ausdruck. Als weiterer Gast aus Russland sprach Wladimir Prasolow, Bürgermeister von Tschechows Geburtsstadt Taganrog, die zugleich Kulturpartnerstadt Badenweilers ist. Er erinnerte daran, dass 2015 in Russland das "Jahr der Literatur" ist. An der Spitze einer mehrköpfigen Delegation ist er eigens zur Eröffnung nach Badenweiler gereist.

Im Gepäck hat er viele Geschenke für das Museum im Gepäck, die er später dem Museumsleiter Heinz Setzer überreichen wird, dem schon seit vielen Jahren das Tschechow-Gedenken in Badenweiler. Setzer übernimmt an diesem Festabend auch die Rolle des Übersetzers aus dem Russischen. Mit einem Bonmot Tschechows über die Beamten überraschte Johannes Dreier vom Regierungspräsidium Freiburg. Rolf-Dieter Kluge, Vorsitzender der Deutschen Tschechow-Gesellschaft, betonte, wie wichtig es sei die Erinnerung an Literatur an einem öffentlichen Ort wie eben im Rathaus weiterzugeben, nicht nur um ein Bedürfnis nach Information zu erfüllen, sondern gerade auch um dieses Bedürfnis überhaupt erst einmal zu wecken.

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Dmitri Bak, Generaldirektor des Literarischen Museums der Russischen Föderation, ließ die langjährigen Kontakte seiner Institution mit Badenweiler – entstanden schon lange vor seiner Zeit an deren Spitze – Revue passieren und stellte Badenweiler als Sterbeort Anton Tschechows ganz selbstverständlich in eine Reihe mit Städten wie Moskau, Petersburg, Sachalin, Nizza und Jalta, in denen der Schriftsteller wichtige Jahre verbrachte. Den Reigen der Festredner schloss Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg im Deutschen Literaturarchiv Marbach, der das neue Museum in Badenweiler finanziell aber auch ideell unterstützt. "Was für illustre Namen!", rief er aus. Damit bezog er sich darauf, dass sich von nun an nicht mehr alles nur um Tschechow dreht, sondern auch um andere namhafte Autoren, die sich in Badenweiler aufgehalten haben: Johann Peter Hebel, Hermann Hesse, Gabriele Wohmann, aber auch Heinrich Hoffmann, der Erfinder des Struwwelpeters und der Theatermacher Konstantin Stanislawski, um nur einige zu nennen.

Sogar das letzte Sektglas wird gezeigt

Im Anschluss zog die Festgemeinschaft durch den Kurpark zum Rathaus, wo Karl-Eugen Engler, Heinz Setzer und Thomas Schmidt das rote Band zum neuen Museum durchschnitten. Sein prägnanter Eingang öffnet sich repräsentativ zur gegenüberliegenden Cassiopeia-Therme. Dann hieß es Tür auf für die erste Besichtigung – das dichte Gedränge wirkte wie ein Vorgeschmack auf die "Millionen von Besuchern", die Prasolow kurz zuvor dem Literarischen Museum verheißen hatte. Das neue Museum wurde von Ausstellungsgestalter Kurt Ranger entworfen, um künftig über die Fachleute hinaus ein breiteres Publikum anzusprechen. Mit vielen, fast auf Lebensgröße vergrößerten Aufnahmen und Bildern Tschechows, einer die Wände umlaufenden, orientierenden Zeitleiste und interaktiven Stationen mit Experteninterviews und "Hörbildern" werden alle Sinne angesprochen. Wer sich für Originaldokumente interessiert, findet diese in verschiedenen Vitrinen.

Neben Devotionalien – sogar das Sektglas ist zu sehen, aus dem der todkranke Tschechow seinen letzten Schluck genommen haben soll – haben in eigens angebrachten Nischen auch die Werke aller Schriftsteller Platz gefunden – als Taschenbuchversionen. Eine mediale Inszenierung, der auch Humor und Ironie nicht fremd sind, lobte sichtlich begeistert Museumsleiter Setzer, der den Tschechow-Salon als Kernstück einer neuen Museumsachse sieht, die vom neu gestalteten Inhalatorium bis hinab zu den Ruinen des römischen Thermalbades reicht. Auch beim anschließenden Apéro waren sich alle einig, dass dies ein großer Tag für Badenweiler ist.

Autor: Beatrice Ehrlich