Bäume hängen voller Äpfel und Birnen

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Di, 11. September 2018

Binzen

Die Mostobstsaison im Landkreis Lörrach beginnt in dem sonnigen Sommer drei Wochen früher als üblich / Die Preise sind im Keller.

BINZEN. Drei Wochen früher als sonst beginnt in diesem scheinbar endlos langen, sonnigen Sommer 2018 die Mostobstsaison im Landkreis Lörrach: Sonnenschein und Wärme bringen jede Menge Obst – allerdings fallen die Früchte kleiner aus als sonst "und das ist auf die Trockenheit zurückzuführen", berichtete Kreisobstbauberater bei einem Pressetermin in der vom NABU Lörrach betreuten Streuobstwiese oberhalb von Binzen.

An verschiedenen Annahmestellen kann Mostobst abgegeben oder für den Eigenbedarf gepresst und abgefüllt werden. Wer mehr über selten gewordene Apfel- und Birnensorten erfahren will, sollte sich den Streuobsttag in Märkt am 30. September vormerken.

Die Streuobstwiese des NABU bei Binzen ist ein Kleinod. Eine Rarität, ein Speierling, wächst hier, dazu mehr als 20 Apfel- und mehrere alte Birnensorten. Vertreten ist alles, vom frühen Küchenapfel oder der Tafelbirne bis hin zu sehr späten Apfel- und Birnensorten, die länger gelagert werden können. In Körbchen liegen bläulich rote "Berner Rosenäpfel", "Berlepsch" und "Goldparmäne" – dazu "Alexander-Lucas"-Birnen, eine der wenigen heimischen lagerfähigen Birnen, zur Ansicht aus. Beim Rundgang über die Wiese, die auch Feldhasen und Steinkäuzen sowie anderen Tieren einen vielfältigen Lebensraum bietet, wie Regine Ounas-Kräusel für den NABU berichtet, gibt Klaus Nasilowski eine Übersicht über die alten Apfel- und Birnensorten. Der "Bittenfelder" etwa, mit hohem Zucker- und Säuregehalt, bestens geeignet für Gär- und Süßmost. Oder der säuerliche Herbstapfel "Jakob Lebel". Oder die Apfelsorte "Kaiser Wilhelm", dre Klassiker "für alles, für Saft und Gelee, zum frisch Essen, für Kuchen oder Apfelmus", zählt der Kreisobstbauberater auf.

12,5 Millionen Tonnen Mostobst wurden deutschlandweit für 2018 erwartet. Die Bäume hängen voll und damit sind die Preise im Keller. "Gerade mal sieben Cent pro Kilo sind drin, da bleibt viel Obst liegen", bedauern Nasilowski und Corinna Hengsberger, die für die Lörracher Streuobstinitiative vor Ort ist. Beim Sozialen Arbeitskreis Lörrach gibt es etwas mehr, mehr als zehn 10 Cent für das Kilo.

"Mostobst wird aus China und aus Polen eingeführt", konstatiert Nasilowski nüchtern. Umso wichtiger sei es, für heimische Initiativen, Vereine und Verbände sowie für die Mostobstverwerter (siehe Infobox) zu werben, die sich den Erhalt der Streuobstwiesen auf die Fahne geschrieben haben. Erfreulich ist dabei, dass das Abfüllen des Mostsaftes für den Hausgebrauch etwa im Bag-in-the-Box-Verfahren oder der Kauf von Streuobstsaft populärer wird. Die Vermarktung des Mostobstes im Landkreis ist aber noch sehr kleinteilig. "Langfristig möchten wir alle am Streuobst Interessierten zusammenbringen, um über eine gemeinsame Plattform alles Wissenswerte zu vermitteln", beschreibt Astrid Deek vom TRUZ.

Der starke Behang hat alte Streuobstbäume, die nicht zurückgeschnitten wurden, teilweise zusammenbrechen lassen, bedauert Nasilowski, der deshalb für die Fachwartausbildung des Landesverbandes wirbt. Neue Kurse, auch für Laien, beginnen im Oktober. Der Streuobsttag, veranstaltet von der Streuobstinitiative im Landkreis, ist ein weiterer Eckpfeiler in Sachen Werbung für Streuobst und Streuobstwiesen.

Streuobsttag: 30. September, 11 bis 17 Uhr, Altrheinhalle Weil am Rhein-Märkt