BALLALAIKA: Aufgepasst, Adlerauge!

Stefan Zahler

Von Stefan Zahler

Mi, 20. Juni 2018

Fußball-WM

Wenn Laufbalken in der Glotze zur Herausforderung werden /.

Hörtests sind eine schöne Sache, vor allem dann, wenn man noch was hört. Wer hört nicht gerne den wohl klingenden Satz: "Du hast ja Ohren wie ein Luchs." Ähnlich verhält es sich mit Sehtests. Auch die sind durchaus beliebt, wenn denn das Ergebnis entsprechend ist – Stichwort "Adlerauge!" Seh- und Hörtests werden von Betriebsärzten in größeren Unternehmen immer wieder gerne angeboten. Das hat Vorteile für Arzt und Arbeitnehmer. Der Mediziner muss nicht stupide seine Zeit absitzen, der Mitarbeiter spart sich den Gang zum Augen- oder Ohrenarzt und damit die Langeweile bei schlechtem Internetempfang und alten Zeitschriftenheftchen im Wartezimmer.

Wer das Pech hat, dass kein Arbeitsmediziner zur Hand ist und/oder die Zeit im Wartezimmer in keiner Relation zum erhofften Ergebnis steht, dem sei die Fußball-Weltmeisterschaft ans Herz gelegt. Wer sich derzeit die Spiele im heimischen Fernseher ansieht, hat zwar nicht zwangsläufig die Garantie auf hochklassigen (deutschen) Sport; er hat aber sicher die Möglichkeit, sich unauffällig einem Sehtest zu unterziehen. Im Laufe der Begegnung werden nämlich am unteren Bildrand in einem roten Balken die Kicker der beiden Teams aufgezählt. Und das ist eine echte Prüfung – auch für junge Augen.

Zwei mögliche Erklärungen fallen an dieser Stelle dem kurzsichtigen Autor dieser Zeilen ein:
1. Die deutschen Augenärzte und -optiker sind Teil der großen Sponsorenfamilie der Fifa. Mit der Aktion sollen die Geschäftsfelder Augenlasern und Sehhilfen aller Art befeuert werden.

2. Der chinesische Fernsehhersteller und Fifa-WM-Großsponsor Hisense (Motto: "Bei uns stehen Sie im Mittelpunkt") hat darauf bestanden, die Einblendung klein zu halten, um dem begriffsstutzigen Fußballkunden klarzumachen, dass es allerhöchste Zeit wird für einen ultrascharfen ULED-Fernseher.
Drei wirksame Gegenmaßnahmen stechen auf den ersten Blick ins klare Auge:
1. Den Fernsehsessel näher an die Glotze rücken. Das hätte neben der Chance, dass aus Hieroglyphen echte Buchstaben werden, den Vorteil, dass eventuell auch der Kühlschrank in Sichtweite kommt.

2. Die Namen der Spieler bequem über eine Smartphone-App recherchieren.

3. Die Glotze ausmachen, ein Buch lesen (zum Beispiel: "Die Schärfe des Augenblicks – Ein Intensivmediziner erzählt von seinen Erfahrungen") und Ergebnis samt gestochen scharfer Analyse aus der heimischen Zeitung erfahren.