Aus dem Winterschlaf ins Kulturleben

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Fr, 11. Januar 2019

Basel

36 Museen und Kultureinrichtungen präsentieren bei 19. Basler Museumsnacht die Vielfalt der Museumslandschaft am Rheinknie.

BASEL. Entdeckungen nackter und anderer Tatsachen, Nervenkitzel bei waghalsiger Akrobatik, Entspannung bei Musik von Rap bis Klassik und Reisen in Vergangenheit und Zukunft: Das Programm der 19. Basler Museumsnacht am Freitag, 18. Januar, 18 bis 2 Uhr, hält für alle Besuchergruppen attraktive Angebote bereit. Im Vordergrund steht in den 36 Museen und Kulturinstitutionen das direkte Erlebnis.

Mit HipHop-DJs zusammenarbeiten, zu Festmusik tanzen, erfahren, welche Reise das Ohr im Lauf der Evolution gemacht hat, den menschlichen Körper mit Virtual Reality näher kennenlernen, staunen, wie sich mit Licht und Schatten Dramatik erzeugen lässt, Exponate mit eigenen Händen anfassen oder in die Fantasiewelten von Pipi Langstrumpf und Harry Potter eintauchen: Das Programm mit Angeboten für alle Altersgruppen und in neun Sprachen – das meiste funktioniert aber sprachunabhängig – richtet sich an alle Sinne. Um in der Fülle von mehr als 200 Events den Überblick nicht zu verlieren und am Ende mehr Zeit in Tram und Bus als in Museen zu verbringen, empfiehlt sich, sich vorab eine individuelle Wunschtour zusammenzustellen, mit dem 100-seitigen Programmheft oder über die Homepage, die mit diversen Filterfunktionen bei der Auswahl hilft.

"Das Grundkonzept ist seit Beginn unverändert, weil überaus erfolgreich; im Kleinen gibt es aber stets Neues", weiß Eva Keller, Leiterin des Fachbereichs Museen und Kulturmarketing im baselstädtischen Präsidialdepartement. Der Leitgedanke ist und bleibt, an einem Abend die Vielfalt der Basler Museumslandschaft erleben zu können und die Schätze, die dort gesammelt und erforscht werden, einem breiten Publikum zu vermitteln.

Wichtig ist für Eva Keller dabei, dass die kulturelle Großveranstaltung mit stets rund 30 000 Besuchern und um die 100 000 Eintritten – im Schnitt besucht jeder Museumsnachtgänger drei bis vier Häuser – die trinationale Region einbezieht. So sind die Fondation Fernet Branca in Saint-Louis und das Vitra Design Museum in Weil am Rhein erneut mit von der Partie. Mindestens 15 Prozent der Besucher kommen aus den Nachbarländern. Tendenz steigend. Vor allem Südbaden habe zuletzt kräftig zugelegt. Eine räumliche Ausdehnung mit weiteren Museen sieht die für die Basler Museen zuständige Fachbereichsleiterin skeptisch. "Letztlich sind die Transportwege ausschlaggebend". Auch eine zweiten Museumsnacht im Sommer sieht sie angesichts der Terminfülle dort kritisch. "Im Januar sind wir konkurrenzlos."

Mit dem größten gemeinsamen Auftritt aller Basler Museum Jahr für Jahr 30 000 Menschen zu bewegen, findet Andrea Bignasca, Direktor des Antikenmuseums, allemal sensationell. "Diese Feststimmung hätten wir gerne jeden Tag." Punkten würden die Häuser an der Museumsnacht neben dem Spektakel mit ihrer Kernkompetenz: ihren großartigen Sammlungen, vom alten Ägypten bis zu zeitgenössischer Kunst. Auch der Museumsalltag biete so viel, dass man gar nicht auf außergewöhnliche Sonderausstellungen schielen müsse.

Nicht zuletzt werde in der Museumsnacht ein jüngeres Publikum als sonst erreicht. Im vergangenen Jahr waren rund 43 Prozent der Besucher Kinder und Jugendliche. Das ist untypisch, bestätigt Anette Gehrig, Direktorin des Cartoonmuseums, das ein vergleichsweise junges Stammpublikum hat – mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren.