Die Bäume schützen sich

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 30. August 2018

Basel

Eine Studie der Uni Basel legt nahe, dass der Wald mit dem trockenen Sommer gut klar kommt.

BASEL (sda/BZ). Der einheimische Wald kommt mit der extremen Trockenheit dieser Tage offenbar besser zurecht, als angenommen. Herausgefunden haben dies Forschende der Universität Basel, die bei ihren Untersuchungen auch erste Daten des Hitzesommers 2018 auswerteten. Doch für eine Entwarnung sei es noch zu früh, heißt es in einer Mitteilung der Universität weiter.

Herbstlich braungefärbte Bäume und Büsche sind dieser Tage allerorten in der Region zu sehen. Auch die Schweiz hat regenärmsten Sommer seit Messbeginn 1864 erlebt. Die Studie der Universität Basel deutet nun darauf hin, dass die heimischen Bäume besser als erwartet mit der Trockenheit umgehen können.

Bäume sind darauf angewiesen Photosynthese zu betreiben, um Zucker für ihren Stoffwechsel zu produzieren. Dazu müssen sie an den Blättern Kohlenstoffdioxid (CO2) aufnehmen. Dabei verdunsten erhebliche Mengen Wasser: Bei einer ausgewachsenen Buche können das täglich bis zu 400 Liter sein. Dieses Wasser muss der Baum jeden Tag ersetzen, indem er es über die Wurzeln aufnimmt und über Leitbahnen im Stamm in die Blätter führt. Für den Transport in die Höhe sorgt ein Unterdruck, der das Wasser aus dem Boden nach oben saugt. Trocknet der Boden aus, wird diese Saugspannung immer größer. Wird sie zu groß, können die Leitbahnen erheblichen Schaden nehmen, sodass der Baum vertrocknet.

Um dies zu verhindern, verschließen die Bäume bei Trockenheit ihre Poren. Doch das hat seinen Preis: Die Photosynthese wird dadurch eingeschränkt. Bleiben die Poren längere Zeit geschlossen, kann der Baum keinen Zucker mehr synthetisieren und droht zu verhungern.

Verfärbte Blätter sind eine Sicherheitsmaßnahme

Die Forscher der Universität Basel haben nun aber gezeigt, dass die wichtigsten heimischen Baumarten erstaunlich gut in der Lage sind, bei extremer Trockenheit durch den Verschluss der Poren Schäden an ihren Leitbahnen und damit ein Austrocknen zu verhindern. Dies berichten sie auf Basis einer dreijährigen Studie, die das Jahr 2015 einschließt, das ebenfalls durch einen extrem heißen und trockenen Sommer gekennzeichnet war.

Die Forscher schließen aus ihren Untersuchungen, dass die Bäume durch effizienten Porenschluss und durch ausreichende Zuckerreserven physiologisch erstaunlich gut gerüstet sind, um extreme Trockenheitsereignisse zu verkraften. Erste Daten aus dem aktuellen Sommer bestätigten diese Ergebnisse.

Dass sich der Wald dennoch gelb verfärbe und die Bäume die Blätter vorzeitig abwerfen, sei eine weitere Sicherheitsmaßnahme der Bäume, um sich vor Austrocknung zu schützen. "Es ist ein kontrollierter biologischer Prozess und ist zunächst nicht bedenklich", erläutert Studienleiter Professor Ansgar Kahmen vom Departement Umweltwissenschaften der Uni Basel. Die Zuckerspeicher seien zu dieser Jahreszeit bereits schon recht voll, sodass der Baum auch so gut über den Winter kommen sollte, erläutert der Pflanzenwissenschaftler. Entscheidend sei, dass die Blattknospen die Trockenheit ohne Schäden überdauern. Die Knospen seien bereits jetzt angelegt, um im nächsten Jahr neue Blätter austreiben zu lassen.

Trotz dieser Fähigkeit der Bäume, eine Dürreperiode zu überdauern, geben die Forscher keine Entwarnung. Zwar könnten die Bäume mit Einzelereignissen wie den Hitzesommern 2015 oder 2018 offensichtlich gut umgehen. Es sei jedoch unklar, ob ihre Sicherheitsmechanismen ausreichten, um auch Trockenperioden widerstehen zu können. Zudem könnten die Bäume zwar ein einzelnes Trockenheitsjahr überleben, daraus jedoch geschwächt hervorgehen und so zum Beispiel für Insektenbefall anfällig werden.