Abschied

Bewegende Trauerfeier für Achim Stocker im SC-Stadion

Joachim Röderer, Alexandra Sillgitt

Von Joachim Röderer & Alexandra Sillgitt

Fr, 06. November 2009 um 13:42 Uhr

SC Freiburg

Der SC Freiburg, zahlreiche Fans und Fußballgrößen haben in einer bewegenden Trauerfeier Abschied vom verstorbenen Clubchef Achim Stocker genommen. Rund 4000 Menschen waren ins Stadion gekommen, um ihm das letzte Geleit zu geben.

Als die Winzerkapelle Oberbergen das Badnerlied anstimmte, erhoben sich die Trauergäste von der fast voll besetzten Haupttribühne. Als der Sarg zu den Klängen von "My Way" aus dem Stadion getragen wurde, war vielen die Trauer ins Gesicht geschrieben. In einer bewegenden Feier hat die Fußballwelt Abschied vom verstorbenen SC-Präsidenten Achim Stocker genommen.

Am vergangenen Sonntag war der dienstälteste Chef eines deutschen Fußballvereins im Alter von 74 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes in Freiburg gestorben. Seit 1972 hatte Stocker die Geschicke des Sportclubs geleitet. Der ehemalige Oberfinanzdirektor war der dienstälteste Clubchef im deutschen Profifußball. Es verwundert daher nicht, dass zahlreiche Wegbegleiter ins Stadion gekommen waren, um Abschied von Stocker zu nehmen. Neben dem früheren SC-Managern Andreas Bornemann und Andreas Rettig gaben auch eine Reihe von ehemaligen Freiburger Profis Stocker das letzte Geleit, unter anderem Jens Todt, Ralf Kohl, Jörg Schmadtke und Achim Sarstedt. Letzterer hatte am Tag zuvor die Witwe Hanne Stocker und die Kinder des Verstorbenen besucht.

Für die Trauerfeier wurde eigens die Bandenwerbung im Stadion mit schwarzen Tüchern verhüllt. Gegen 10 Uhr öffnete man den Eingang für die wartenden Fans. Vor der Haupttribüne auf der Mittellinie hatte der Verein ein Pavillon und ein Podest aufbauen lassen, wo der Sarg – geschmückt mit einer Fahne und Logo des SC Freiburg – aufgestellt war (zu den Fotos). Flankiert von Kränzen, lag davor eine Reihe Fußbälle. An der Anzeigetafel: ein Bild von Achim Stocker.

"Wir sind dann mal oben"

In einer Predigt gedachte Freiburgs Dompfarrer Claudius Stoffel Achim Stockers: "Wir wollen unsere Wertschätzung zeigen. Unsere Dankbarkeit: Sie wird vielen erst jetzt so richtig bewusst. Wir spüren – jetzt erst recht – mit dem Tod – wen wir da verlieren. Wen wir hergeben mussten", sagte Stoffel (die Predigt in einer Dokumentation). Was Stocker in Jahren und Jahrzehnten vorgelebt habe, sei ein kostbares Erbe, das verpflichte.

Der Dompfarrer hatte auch das rote Aufstiegs-T-Shirt mit dem Aufdruck "Wir sind dann mal oben" mitgebracht. 2009 werde das Jahr des Aufstiegs bleiben – und Jahr des Abschieds von Stocker. "Und wer hätte gedacht, dass der Spruch noch eine ganz andere Bedeutung bekommt?" fragte der Dompfarrer. Er bete, dass der, dem man so viel verdanke, "oben" im Himmel sei.

Liebevolle Worte

Eine sehr persönliche Rede hielt Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon: "Ich nehme Abschied von einem Mann, der mir über viele Jahre ein enger und persönlicher Freund geworden war. (...) Meine Frau und ich verdanken ihm schließlich etwas ganz Besonderes. Wir haben uns durch Achim und Hanne Stocker kennen gelernt. Deshalb empfinden wir auch ein besonderes Gefühl von Dankbarkeit, und um so schwerer ist die Vorstellung, dass er nicht mehr unter uns ist. Er hatte in unserem Leben und in unseren Herzen seinen Platz, und dieser Platz ist nun leer." (die komplette Rede in einer Dokumentation)

Neben Salomon nahm auch der Vorsitzende der Deutschen Fußballliga (DFL), Reinhard Rauball, in einer Rede Abschied: "Stockers persönliche Bescheidenheit war beispielhaft." Sein Name werde immer mit den Erfolgen dieses Vereins verbunden bleiben. Er habe für andere Maßstäbe gesetzt (Rauballs Rede in einer Dokumentation). Berührt zeigte sich Rauball von der Atmosphäre im Stadion: "So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt, das ging unter die Haut." Anklang fand vor allem, dass Stockers Lieblingslieder gespielt wurden, neben "My Way" auch "Island in the sun" von Harry Belafonte.

"Hinter einer manchmal rauen Schale steckte ein butterweiches Herz."Gundolf Fleischer
Gundolf Fleischer, langjähriger Wegbegleiter, sprach im Namen des SC Freiburg: "Er war der etwas andere Präsident eines etwas anderen Vereins". Der Verstorbene habe vorgelebt, dass Kameradschaft und Ehrlichkeit im Sport die zwei Seiten einer Medaille sind. Fleischer würdigte Stockers entwaffnendes Understatement, seine Selbstironie, seinen hintersinnigen Humor – und seine Hilfsbereitschaft: "Hinter einer manchmal rauen Schale steckte ein butterweiches Herz." (die Rede in einer Dokumentation)

Baden-Württembergs scheidender Ministerpräsident Günther Oettinger verneigte sich vor dem Sarg und würdigte sowohl Stockers Fähigkeiten als Funktionär wie auch seine menschlichen Qualitäten: "Mit Achim Stocker erweisen wir einem großen Sportsmann und einem sympathischen Menschen die letzte Ehre. (...) Er hinterlässt Spuren." (die Rede in einer Dokumentation) Noch während der Trauerfeier verließ Oettinger das Stadion und flog vom Trainingsplatz aus mit dem Hubschrauber davon – was bei einigen Anwesenden Unmut auslöste.

Ebenfalls Abschied nahmen Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Christian Nerlinger, Sportdirektor beim FC Bayern, Melanie Behringer, ehemalige Spielerin SC Freiburg, sowie der aktuelle SC-Kader mit Trainer Robin Dutt.

Bestattung im Kreis der Familie

Im Anschluss an die Trauerfeier fand die Beerdigung im engsten Familienkreis auf dem Bergäckerfriedhof in Littenweiler statt. Die Polizei hatte diesen zuvor abgeriegelt. Zwei Wagenladungen voll Kränze wurden zum Friedhof gebracht, unter anderem von Sarstedt, Rodolfo Esteban Cardoso und Familie sowie Volker Finke. Kränze mit Blumen in den jeweiligen Vereinsfarben kamen vom Hamburger SV, VfB Stuttgart, FSV Mainz 05 und Schalke 04.