BEG: Windkraft wird "ausgebremst"

Kurt Meier

Von Kurt Meier

Do, 19. Juli 2018

Biederbach

Bei der Bürger-Energiegenossenschaft Biederbach & Elztal stagnieren die Investitionen – wegen den politischen Rahmenbedingungen.

BIEDERBACH. Bei der Bürger-Energiegenossenschaft Biederbach & Elztal (BEG) stagniert’s – zumindest, was die Investitionen angeht. Was aber nicht an der BEG selbst, sondern an den politischen Rahmenbedingungen liegt, wie in der Genossenschaftsversammlung jetzt deutlich wurde.

"Die letzten Jahre waren nicht gerade förderlich für den Ausbau erneuerbarer Energien", stellte Frank Krause, gemeinsam mit Gernot Limberger Geschäftsführer der BEG, fest. Noch immer werde in Deutschland viel Strom aus Braun- und Steinkohle produziert. Was mit eine der Hauptursachen sei, dass die Klimaschutzziele nicht erreicht werden. "Von den weltweit 20 dreckigsten Kraftwerken der Welt stehen zehn in Deutschland", so Krause. Nachweislich würden weltweit jährlich etwa 10 000 Menschen an den Schadstoffen sterben, die in die Luft geblasen werden. "Und wir reden über Fledermäuse und ob Rotmilane gestört würden durch Windräder", stellte der BEG-Geschäftsführer dem entgegen. Notwendig seien diese Kraftwerke nicht, so Krause. Erstmals sei im ersten Halbjahr 2018 mehr Ökostrom ins Netz eingespeist worden als Kohlestrom. Paradox sei, dass Deutschland einer der größten Stromexporteure der Welt sei.

Die geänderten gesetzlichen Rahmenbedingungen seien verantwortlich dafür, dass der Ausbau der Windkraftanlage zumindest hierzulande nicht vorankomme. Die BEG hat sich zum Ziel gesetzt, verstärkt in die Windkraft zu investieren. Ein Projekt ist der geplante Windpark auf dem Rotzel auf Gemarkung Biederbach (die BZ berichtete). Dort sollen drei Windkrafträder gebaut werden. In eines davon will die BEG investieren. Das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz laufe. "Noch ist aber nichts genehmigt", so Frank Krause. Nach der Baugenehmigung müssen die Windkraftanlagen dann auch noch in die Vergütungsausschreibung der Bundesnetzagentur. Erst wenn diese Verfahren abgeschlossen sind und zu einem wirtschaftlich vertretbaren Ergebnis führen, werde die Investition auch wirklich getätigt, bekräftigte der BEG-Geschäftsführer. Den Ertrag schätzte Krause auf etwa sechs Millionen Kilowattstunden. Damit ließen sich 1600 Vier-Personen Haushalte versorgen.

Ganz untätig ist die BEG im Geschäftsjahr 2017 aber nicht gewesen, wie der Finanzbericht von Gernot Limberger zeigte. Die BEG hat überregional investiert, hält Anteile unter anderem am Windpark Prechtäler Schanze und an einem Windparkprojekt in Gerichtsstetten bei Heilbronn. Das Nahwärmeprojekt Biederbach wurde 2017 abgeschlossen. Seit einem Jahr ist die Anlage in Betrieb und laufe störungsfrei. Mittlerweile hat die "Nahwärme Biederbach GmbH", die je zur Hälfte der Gemeinde Biederbach und der BEG gehört, rund 520 000 Kilowattstunden Wärme produziert. Weiterhin wirtschaftlich erfolgreich arbeiten die Photovoltaikanlagen. "Die Sonne bereitet uns große Freude", so Frank Krause. Dieses Geschäftsfeld wolle die BEG weiterhin ausbauen. "Wir suchen neue Projekte. Interessenten können sich gerne mit uns in Verbindung setzen", sagte er.

Vorerst Aufnahmestopp für Mitglieder

Die BEG hat derzeit 285 Mitglieder. Aufsichtsrat und Vorstand seien übereingekommen, vorerst einen Aufnahmestopp zu erlassen, bis die neuen Investitionsprojekte realisiert werden können. Der Jahresumsatz belief sich für 2017 auf 167 276 Euro. Auf Vorschlag des Aufsichtsrates billigte die Genossenschaftsversammlung eine Gewinnausschüttung von drei Prozent, die zum 31. August ausgeschüttet werden. Eine Prüfung durch den baden-württembergischen Genossenschaftsverband für die Jahre 2015 bis 2017 ergab keine Beanstandungen.

Josef Ruf, der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Genossenschaft, berichtete über dessen Tätigkeit und dankte dem "nach wie vor sehr rührigen Vorstand". Bemerkenswert sei, dass beide Geschäftsführer diese Tätigkeit nach wie vor ehrenamtlich ausüben. Elzachs Bürgermeister Roland Tibi beantragte die Entlastung der Vorstände und des Aufsichtsrates, die jeweils einstimmig erfolgte. "Wir hätten hier viel mehr investieren können", stellte Roland Tibi fest. Gerade die Windkraft werde in Baden-Württemberg jedoch "voll ausgebremst".