"Biene Maja mit ganz anderen Augen sehen"

Tamara Keller

Von Tamara Keller

Fr, 11. Mai 2018

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

BZ-INTERVIEW mit Peter Geißler über die Bienenausstellung im Freiburger Museum Natur und Mensch / BZ-Veranstaltung am 15. Mai.

FREIBURG. Um das Brummen und Summen dreht sich alles am kommenden Dienstag: Bei der Hautnah-Veranstaltung im Museum Natur und Mensch in Freiburg geht es um die Biene. Zuerst gibt es eine Lesung, danach gibt Kurator Peter Geißler einen Einblick in die neue Ausstellung

"Mensch Biene". Tamara Keller hat mit ihm darüber gesprochen, warum Wildbienen für die Region ein wichtiges Thema sind.

BZ: Wie viel Biene Maja steckt denn in Ihrer Ausstellung?
Geißler: Wer hier bei uns in der Ausstellung war und ein bisschen von dem natürlichen Leben von Honig- und Wildbienen miterlebt hat, kann Biene Maja mit ganz anderen Augen sehen. Viele Dinge sind bei Biene Maja stark vereinfacht. Aber Spaß machen Majas Abenteuer trotzdem. Und sie haben auch uns als Ausstellungsteam inspiriert.
BZ: Sie sind der Kurator der Ausstellung. Wie entscheiden Sie, was von der Biene in die Ausstellung kommt?
Geißler: Einmal ist wichtig, was das Museum in seiner Sammlung bereits besitzt. Für die Region Freiburg sind Wildbienen ein wichtiges Thema, weil wir davon im Schwarzwald, Kaiserstuhl und in der Rheinebene eine große Vielfalt haben. Wir zeigen zum Beispiel eine Insektensammlung, die in den 30er Jahren im Kaiserstuhl angelegt wurde und viele Arten enthält, die heute in Deutschland ausgestorben sind. Dann ist es wichtig, nach den Interessen des Zielpublikums zu schauen. Das sind in unserem Fall vorrangig Familien mit Kindern. Unsere Ausstellung soll Emotionen wecken. Viele Besucher finden Bienen sympathisch, aber viele haben auch Angst vor ihnen und ihrem Stich. Die Angst wollen wir nehmen.
BZ: Die Ausstellung heißt ja auch "Mensch Biene". Wer hat denn für wen die größere Bedeutung: Der Mensch für die Biene oder umgekehrt?
Geißler: Tja, vielleicht kann ich es so sagen: Im positiven Sinne hat die Biene mehr Bedeutung für uns Menschen als umgekehrt. Ganz viele unserer Grundnahrungsmittel sind von ihr abhängig. Andererseits ist unser Handeln für das Überleben von Wild- und Honigbienen von großer Bedeutung. Durch unsere industrielle Landwirtschaft verbrauchen wir einfach sehr viel Fläche. Diese wird dann großteils mit Insektengiften oder Unkrautvernichtern behandelt. Das hat einen zweifachen Effekt: Wir vergiften, ohne es zu wollen, viele Insekten – darunter Bienen. Zum Anderen nehmen wir durch große Monokulturen, zum Beispiel Rapsäcker, den Wild- und Honigbienen die Nahrungsgrundlage. Raps ist hervorragend für die Bienen, wenn er blüht. Wenn er aber verblüht ist, wird das Feld für Bienen zu einer Wüste.
BZ: Was erwartet denn die Besucher bei der BZ-Hautnah-Veranstaltung? Stehen die Honigbrote schon bereit?
Geißler: Honigbrote oder Honigkuchen, das müssen wir mal schauen. Alle Themen, die im Buch "Die Geschichte der Bienen" und somit auch bei der Lesung behandelt werden, bekommt der Hautnah-Besucher direkt vor Ort zu sehen. Denn viele Themen wie zum Beispiel das Bienensterben oder die Situation der Bienen in China, die das Buch aufgreift, haben wir auch in der Ausstellung. In die gebe ich dann nach der Lesung von Renate Obermaier einen exklusiven Einblick. Das ist eine tolle Kombination.

Peter Geißler (34) ist Museumspädagoge und Kurator im Museum "Natur und Mensch".