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23. Oktober 2009

Der schlafende Hochschulriese

Eucor, der Verbund der Universitäten am Oberrhein, besteht seit 20 Jahren / Künftig mehr gemeinsame Doktorandenausbildungen

  1. Die Tour Eucor, alljährlich von Studenten organisiert, bietet die regionale Mobilität, die sich die Eucor-Universitäten von ihren Studenten insgesamt wünschen. Foto: Arne Bensiek

FREIBURG. Ein schlummernder Riese – das ist Eucor, der Zusammenschluss der fünf Universitäten am Oberrhein zwischen Basel und Karlsruhe auch noch 20 Jahre nach seiner Gründung. Die Ursachen liegen in dem, was ihn auszeichnet, nämlich seiner Trinationalität: Die unterschiedlichen Hochschulpolitiken in Paris, Stuttgart und Basel lassen zwischen den Universitäten vieles nicht zusammenpassen. Doch im 20. Jahr will man sich nicht beklagen, sondern Visionen pflegen – etwa die vom grenzüberschreitenden Hochschulcampus Oberrhein.

Eucor ist selbst im weltweiten Vergleich ein Riese: mehr als 100 000 Studenten, 11 000 Lehrende und Forschende, 8000 Doktoranden, ein Budget von 1,5 Milliarden Euro jährlich. Doch seine Größe hat er in der Vergangenheit wenig ausspielen können – weder nach außen in der internationalen Wissenschaftskonkurrenz noch nach innen als Hochschule mit einem Riesenangebot. Zwar gibt es für alle Studenten, die in Basel, Freiburg, Mulhouse/Colmar, Straßburg und Karlsruhe eingeschrieben sind, die Möglichkeit, an einer oder mehreren anderen Universitäten der Region Lehrveranstaltungen zu besuchen, ohne zusätzliche Gebühren zahlen zu müssen. Nur nutzen das bisher wenige – deutlich weniger als 1000 im Jahr.

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Kein Wunder also, dass der mittelgroße Hörsaal, in dem Freiburg die Festlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen mit einem "Eucor-Forum" startete, nicht überlaufen, sondern allenfalls zu zwei Dritteln besetzt war. Dieses Forum war gleichsam eine Einladung zum gegenseitigen Kennenlernen: Studenten schwärmten in zehnminütigen Präsentationen von ihrer Universität (wobei die Elsässer sich medientechnisch als überlegen erwiesen), nur für Basel übernahm dies der Rektor Antonio Loprieno.

Das Wort Eucor fiel in diesen Darstellungen kein einziges Mal – die Hochschulen, so der Eindruck, sind in erster Linie mit sich selbst beschäftigt. Diesen Eindruck bestätigten die Rektoren und Präsidenten der beteiligten Universitäten. Die Bolognareform, also die Umstellung der akademischen Abschlüsse auf die europaeinheitlichen Bachelor und Master, habe die Anstrengungen für Eucor gebremst: "Die Universitäten haben in dieser Umstellungsphase erst einmal ihr eigenes Lehrpotenzial gesichtet", sagte Loprieno.

Immerhin wurden in den vergangenen 20 Jahren 18 grenzüberschreitende Studiengänge begründet – mit zum Teil niedriger Studentenzahl. Das Besondere ist dabei der trinationale Abschluss, der laut dem Straßburger Universitätspräsidenten Alain Beretz beste Arbeitsplatzchancen eröffnet. Denn in der Regel sind die Absolventen dreisprachig ausgebildet – Französisch und Deutsch als Alltagskommunikation an den wechselnden Studienorten, Englisch als Wissenschaftssprache.

Geht es nach dem Freiburger Rektor Hans-Jochen Schiewer, sollte sich Eucor verstärkt um eine gemeinsame Doktorandenausbildung in Graduiertenkollegs, Sommerakademien oder Kolloquien bemühen. Zumal das formal der wohl einfachere Weg ist: Bisher bedurfte es für jeden Studiengang komplizierter Vereinbarungen, um Prüfungsordnungen, Semesterzeiten und Erwartungen an die Studenten abzustimmen. Denn die Hochschulkulturen sind auch nach 20 Jahren immer noch sehr unterschiedlich.

Zudem, so die übereinstimmende Meinung der fünf Uni-Chefs, soll das Eucor-Programm nicht den Studienangeboten der einzelnen Universitäten Konkurrenz machen, sondern die vorhandenen Kapazitäten zu anspruchsvollen und attraktiven Studiengängen zusammenfassen. Deshalb liegt die künftige Aufgabe nicht im grundständigen Studium, sondern dort, wo es um Exzellenz geht: Master und Doktorat. Auf dieser Ebene sollen Lehre und Forschung unter dem Dach von Eucor zusammenarbeiten – im Sinne der Vision eines trinationalen Campus, der seine numerische Größe und die Vielfalt der hier beheimateten Wissenschaftszweige in Qualität umzusetzen versteht. Will heißen: Der Riese soll endlich erwachen.

Autor: Wulf Rüskamp