Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
16. Februar 2011 16:58 Uhr
Alternative Energien
Biogas – Bund gegen weitere Mais- und Rapsfelder
Der Biogasboom in Baden-Württemberg hat Schattenkreisen, kritisiert der Bund für Natur und Umweltschutz: Er führe zu immer mehr Monokulturen. Deshalb dürfen es keine neuen Anbauflächen für Mais und Raps geben.
"De facto haben wir in Baden-Württemberg bereits Monokulturen in erheblichem Ausmaß", sagte Christine Fabricius vom Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) am Mittwoch in Karlsruhe bei einer Tagung des Technologiezentrums Augustenberg zum Thema "Energiepflanzen".
Rund zehn Prozent der Ackerbaufläche sei mit Raps, 22 Prozent mit Maispflanzen bedeckt. Beim Rapsanbau würden 50 Prozent der Pflanzen für Biodiesel verwendet, beim Mais seien es sechs bis sieben Prozent. Der Rest der Ackerflächen des Landes werde überwiegend für Weizen und Gerste gebraucht. Insgesamt sei bei der Mais- und Rapsanbaufläche die Obergrenze erreicht. "Es darf nicht mehr mehr werden", sagte die Bund-Expertin.
Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle kritisierte das Gesetz zur Förderung von erneuerbaren Energien. Es führe dazu, dass Energie-Mais bezuschusst und auf immer mehr Flächen angebaut werde. Dadurch verändere sich in manchen Regionen das Landschaftsbild ungünstig.
Köberle forderte eine nachhaltigere und effizientere Bioenergieerzeugung. In den vergangenen sechs Jahren habe sich die Zahl der Biogasanlagen im Land auf 700 Anlagen mehr als verdoppelt. Kleine Biogasanlagen sollten aber stärker gefördert werden als große. Nur so lasse sich verhindern, dass in manchen Regionen riesige Anlagen entstünden und überproportional viel Mais angebaut werde.
Werbung
Das EEG führe dazu, dass es lukrativer sei, Mais für Biogas statt für Futter anzubauen – das sei der falsche Weg, sagte die Bund-Expertin Fabricius. Außerdem müsse die Beimischungspflicht von zehn Prozent Raps in Biodiesel wieder zurückgenommen werden. Sie führe neben einem verstärkten Anbau von Raps auch zu Importen aus anderen Bundesländern und dem Ausland.
Umweltministerin Tanja Gönner lehnte eine Absenkung der EEG-Förderung ab. Sie sehe die Entwicklung zwar mit gewisser Sorge. Aber: Für den Ausbau der erneuerbaren Energien "braucht es auch künftig eine attraktive Förderung."
Christine Fabricius vom Bund plädierte dafür, bislang vernachlässigten Energiepflanzen wie Wildpflanzenmischungen oder dem afrikanischen Schilfgras Miscanthus mehr Platz einzuräumen. "Wir brauchen mehr Vielfalt", sagte sie. Nach Angaben von Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle soll noch in diesem Jahr am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Karlsruhe ein Versuch mit Wildpflanzen starten. Er solle zeigen, ob sie sich für Biogasanlagen eignen.
Autor: dpa
