"Ich lasse mich von niemandem instrumentalisieren"

Nicolai Kapitz

Von Nicolai Kapitz

Di, 03. Juli 2018

Kleines Wiesental

BZ-INTERVIEW mit Historiker Werner Störk zum Zusammenhang zwischen Bodendenkmälern und Windpark-Verhinderung.

KLEINES WIESENTAL. Die Arbeit von Heimatforscher Werner Störk aus Schopfheim wird seit Jahrzehnten von höchsten Stellen gewürdigt. Sein Anteil am Erhalt archäologischer Denkmäler in der Region ist unbestritten. Nun kämpft Werner Störk für den Erhalt von Denkmälern auf dem Zeller Blauen – und damit teilweise gegen den Bau eines Windparks. Über diese Problematik hat BZ-Redakteur Nicolai Kapitz mit ihm gesprochen.

BZ: Herr Störk, sind Sie Windkraftgegner?

Werner Störk: Ich befürworte die angestrebte Energiewende und die Favorisierung regenerativer Energieformen. In dem damit verbundenen komplexen Mix von Konditionen haben jedoch auch die Faktoren Natur-, Landschafts- und Denkmalschutz einen sehr hohen Stellenwert, da auch sie ebenfalls nachhaltig sein müssen.

BZ: Haben Sie keine Sorge, dass Sie von einigen Windkraftgegnern nun sprichwörtlich vor den Karren gespannt werden?

Störk: Sie könnten genauso gut fragen, ob mich nicht auch die Investoren der EWS vor den Karren spannen wollen. Ich lasse mich grundsätzlich nicht instrumentalisieren und vertrete in dieser Diskussion meinen eigenen Standpunkt, der geprägt ist vom Schutz rechtlich anerkannter Kultur- und Bodendenkmale. Dabei ist jeder willkommen, der dieses Ziel uneigennützig mitträgt.

BZ: Der Zeller Blauen ist offensichtlich ein Gebiet mit sehr vielen Bodendenkmälern. Sie haben bereits zahlreiche dieser Denkmäler – speziell Barockschanzen – entdeckt, bewertet, vermessen und archiviert. Es gibt am Hau zwei gut erhaltene historische Beispiele, in Gersbach einen Schanzen-Nachbau. Reicht das denn nicht? Ist denn nun wirklich jeder dieser Gräben, jede dieser Schanzen, jeder Wall auf dem Blauen so schützenswert?

Störk: Sie sprechen hier zwei Aspekte an. Der eine ist der rechtliche: Kultur- und Bodendenkmale genießen gemeinsam einen berechtigten und rechtsverbindlichen Schutz. Dieser Schutz als Rechtsgrundlage ist nicht beliebig zu filetieren oder je nach persönlicher beziehungsweise wirtschaftlicher Interessenslage auszusetzen. Da die Planungskulisse der EWS nachweislich unter anderem für ein inventarisiertes Bodendenkmal – in diesem Fall die Holder-Schanze – eine konkrete Gefährdung beinhaltet, ist es meine Aufgabe, die Investoren und auch die Öffentlichkeit darauf hinzuweisen, mit dem Ziel, dass die Pläne korrigiert werden. Der andere Aspekt: Stände hier eine mittelalterliche Burg oder gar ein Schloss oder Kirche – niemand käme auf die Idee, hier eine Windenergieanlage zu errichten. Erdwerke haben keine Lobby – und dazu zählen auch die Schanzen. Obwohl sie mit genauso viel Blut und Tränen und genauso viel in mühseligster und entbehrungsreichster Hand- und Fuhrfron errichtet wurden wie andere Bauwerke jener Epoche. Gerade deshalb sollte man ihnen mit demselben Respekt begegnen und ihnen denselben Schutz gewähren.

Zur Person: Werner Störk (68) ist seit vielen Jahren mit der Untersuchung von Bodendenkmälern in der ganzen Region beschäftigt. Sein Hauptaugenmerk gilt sogenannten Barockschanzen, die aus dem 17. Jahrhundert stammen.