Anschlag

Brandsatz-Attrappe auf Rickenbachs Bürgermeister

Katja Mielcarek, aktualisiert um 20.45 Uhr

Von Katja Mielcarek & aktualisiert um 20.45 Uhr

Mo, 04. Juli 2011 um 12:23 Uhr

Rickenbach

Schon wieder ein Anschlag auf Rickenbachs Bürgermeister Norbert Moosmann: Am Sonntagabend flog nach Auskunft der Polizei eine Brandsatz-Attrappe durch ein geöffnetes Fenster ins Rathaus, wo Moosmann arbeitete.

Auf Rickenbachs Bürgermeister Norbert Moosmann ist am Sonntagabend ein fingierter Anschlag verübt worden. Gerade einen Tag war Moosmann nach rund einjähriger krankheitsbedingter Auszeit wieder im Rathaus, als bisher unbekannte Täter eine Molotowcocktail-Attrappe durch ein geöffnetes Fenster in das Zimmer warfen, in dem Moosmann arbeitete. Die Rathaustür und damit der Fluchtweg hatte man durch einen Holzkeil von außen versperrt.

Die Kriminalpolizei ermittelt

Moosmann musste aus dem Rathaus befreit werden. In der Nähe der Tür lag ein Drohbrief, in dem der Bürgermeister zur Amtsaufgabe aufgefordert wird.

Moosmann wurde körperlich nicht verletzt. Dennoch kam er noch am Sonntagabend in die Bad Säckinger Klinik und befindet sich nach Informationen der BZ nun in einem Krankenhaus in Bad Krozingen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Damit ist die Geschichte des Konflikts des Rickenbacher Bürgermeisters mit seiner Gemeinde und vor allem mit dem Gemeinderat um ein unschönes Kapitel reicher. Immer wieder hatte es seit seinem Amtsantritt im Mai 2007 Spannungen gegeben. Im Rathaus, wo sowohl der Hauptamtsleiter vorzeitig das Handtuch warf und der Rechnungsamtsleiter gehen musste; im Gemeinderat, wo die Räte zum Teil so hart und ausdauernd mit Moosmann ins Gericht gingen, dass dieser kurzerhand – und rechtswidrig – den Punkt "Fragen aus dem Gemeinderat" von der Tagesordnung strich.

Mitte Juli des vergangenen Jahres sei es zu ersten anonymen Drohanrufen und -briefen gekommen, hatte vor einem knappen Jahr Moosmann selber berichtet. Sein Auto sei beschmiert worden, außerdem sei ihm ins Rathaus ein Paket mit einer toten Maus in roter Soße geschickt worden. Unter anderem mit den Belastungen durch die Anschläge hatte er auch eine längere krankheitsbedingte Auszeit begründet. Die medizinische Behandlung dauerte ein knappes Jahr, auch weil ihm das Landratsamt im März einen Wiedereinstieg mit 15 Wochenstunden (rund einem Drittel der normalen Arbeitszeit) verwehrte.

Schon vor einem Jahr waren erste Stimmen laut geworden, Moosmann habe die Anschläge inszeniert. Einen ähnlichen Verdacht äußerte jetzt Peter Kermisch, einer seiner Stellvertreter. Gleichzeitig wurden in der Gemeinde auch mäßigende Stimmen laut: Gerade jetzt sollten die Rickenbacher ihrem Bürgermeister den Rücken stärken, forderte der ehemalige Amtsverweser der Gemeinde, Roland Baumgartner. Moosmann selbst war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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