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21. November 2012 20:36 Uhr

Umfrage

Caligiuri und die Nationalelf – was sagen Experten?

Er strotzt vor Dynamik und Selbstvertrauen. Momentan ist Daniel Caligiuri einer der Besten beim SC Freiburg. Hat er das Zeug zum Nationalspieler? Eine Umfrage unter Szenekennern.

  1. Daniel Caligiuri im Spiel gegen Hannover 96 Foto: dpa

Beim Sieg gegen Hannover am zwölften Spieltag der laufenden Saison hat Daniel Caligiuri einmal mehr seine Extraklasse gezeigt. Es war sein bisher bester Auftritt für den Sportclub, einer der typisch ist für seine Spielweise und seine Rolle, die er bei den Freiburgern erfüllt: Torhungrig, zweikampfstark, unverfroren macht der 24-jährige Mittelfeldspieler Dampf auf der linken Seite. Immer für eine Überraschung gut, unermüdlich den Gegner mit Vorstößen traktierend.

Seit der Leistungsexplosion in der vergangenen Rückrunde zählt Caligiuri (drei Tore, zwei Vorlagen in der laufenden Saison) zu den Auffälligsten in der Streich-Elf. Da ist Spekulieren erlaubt. Sollte sich Bundestrainer Jogi Löw den SC-Profi mal genauer anschauen? Hat Daniel Caligiuri (schon) das Zeug zum Nationalspieler? Wir baten Sportclub-Veteranen um eine spontane Einschätzung.

Thomas Schweizer (45) stürmte zwischen 1986 und 1991 für den SC Freiburg und erzielte in dem Zeitraum 30 Tore. Er gehört zum engen Freundeskreis von Joachim Löw. Über einen möglichen Nationalspieler Caligiuri sagt Schweizer: "Der Junge ist eine richtige Rakete. Mir ist schon vor zwei Jahren aufgefallen, wie zielstrebig er ist und mit welch hohem Tempo er in die Dribblings geht. Er hat eine sehr gute Entwicklung durchgemacht. Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch Jogi nicht entgangen ist. Aber für die Nationalelf fehlt ihm meines Erachtens noch die Beständigkeit. Außerdem ist die Konkurrenz im linken Mittelfeld mit Reus, Schürle oder Podolski enorm. Trotzdem will ich nicht ausschließen, dass wir Caligiuri in zwei Jahren in Brasilien auflaufen sehen."

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Karl-Heinz Wöhrlin (55) verteidigte unter anderem für den SC Freiburg und Bayer Uerdingen. Er ist Daniel Caligiuris Onkel und war nicht ganz unbeteiligt daran, dass sein Neffe von den Freiburger Scouts einst entdeckt wurde. Auch Wöhrlin meint, der Sprung in die Nationalelf käme noch zu früh und sagt weiter: "Noch fehlt ihm die Konstanz, seine Leistungen schwanken zu sehr. Aber das Potential ist schon vorhanden. Was mir besonders gefällt: Egal, wie schnell er drauf losstürmt, er hat den Kopf immer oben. Und statt den Ball hin- und herzuschieben, sucht er fast immer den Zweikampf. Es gibt nicht viele Spieler in der Bundesliga, die Eins-zu-Eins-Situationen so beherrschen wie er", sagt Wöhrlin und fügt lachend an: "Wer so viel Talent vom Onkel mitbekam, muss ja was werden".

Lutz Hangartner (69) doziert an der Freiburger Universität seit Jahrzehnten über Fußball und ist neuerdings Präsident des Bundes Deutscher Fußballlehrer (BDFL). In der Saison 1981/82 trainierte er den SC Freiburg in der Zweiten Liga. Auch er ist von Caligiuris Leistungen beeindruckt: "Im letzten Halbjahr ist aus ihm eine echte Führungsfigur geworden, der die jüngeren Spieler mitzieht. Das hätte ich ihm vorher nicht unbedingt zugetraut." Also ab in den DFB-Kader? "Da sage ich: Vorsicht! Man sollte junge Spieler nach ein paar starken Spielen nicht gleich hoch puschen. Das halte ich geradezu für gefährlich. Man kennt genügend Beispiele, die jäh verblüht sind. Trotzdem wäre es natürlich schön, wenn mal wieder einer aus Freiburg das Nationaltrikot überstreifen dürfte."

Jens Todt ist einer der Spieler, die es nach dem Bundesligaaufstieg des SC in die Nationalmannschaft schafften. (Der erste Natonialspieler des Vereins war übrigens Oskar Müller 1923). Der Mittelfeldmann brachte es auf drei Länderspiele. 1996 wurde er von Berti Vogts sogar für die EM in England nachnominiert und feierte – wenn auch ohne Einsätze – später den Titel. Zu Daniel Caligiuri traut sich Todt, der heute den VfL Bochum managt, kein Urteil zu. Er kenne ihn zu wenig, um eine seriöse Einschätzung abzugeben, räumt der Ex-Freiburger ein. Aber Jens Todt ist überzeugt davon, dass es noch etliche Freiburger nach ihm in die A-Nationalmannschaft schaffen werden. "Das zeichnet sich ja bereits in den U-Mannschaften des DFB ab", so Todt.

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Autor: Florian Kech