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21. Juli 2012
Olympische Spiele
Chinesen in Hochform - so lockt London kulinarisch
Authentische asiatische Küche in London: Nicht erst für die Olympischen Spiele hat Großbritanniens Hauptstadt kulinarisch gewaltig aufgerüstet.
Zu Anfang sei diese These gewagt: In Europa kann man nirgendwo authentischer asiatisch essen als in London. Das gilt vor allem für die chinesische Küche. In vielen China-Restaurants und -Schnellimbissen hierzulande wird eine derart eingedeutschte und dem westlichen Geschmack angepasste Küche geboten, dass viele Liebhaber gar keine wirkliche Vorstellung von dieser unglaublich vielseitigen, sehr gesunden und extrem schmackhaften Hochküche haben. Wer nun das Glück hat, sich während der Olympischen Spiele in London aufzuhalten, dem sei der Besuch von Chinatown im Herzen Londons empfohlen; wer feinste filigrane Kochkunst erleben möchte, muss in London ein chinesisches Sternelokal aufsuchen. Man sollte dabei immer alle Gerichte teilen, so ist die chinesische Küche aufgebaut, Mahlzeiten sind auch immer ein großes Kommunikationsfest und so kann jeder alle Köstlichkeiten versuchen.
CHINATOWN
Im Süden des Stadtteils Soho, gerade unterhalb der Shaftesbury Avenue, liegt Chinatown. Hier reiht sich Lokal an Lokal, und es gilt generell eine Faustregel: Je voller das Lokal und je mehr chinesische Bürger dort speisen, desto besser ist es. In Chinatown kann man sehr preiswert und ausgezeichnet essen – wenn man die richtigen Lokale kennt. Man darf sich auch weder an dem meist etwas rustikalen Verhalten der Servicekräfte stören ( es ist in den letzten Jahrzehnten sehr viel besser geworden), noch an den beengten Platzverhältnissen – die sind in London üblich.
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Wer die beste geröstete kantonesische Ente, mit oder ohne Knochen serviert, genießen will, dem sei das "Four Seasons Chinese Restaurant" in der Gerrard Street ans Herz gelegt. Auch das BBQ-Schwein, der großartig geröstete Schweinebauch, die BBQ-Spareribs oder das in Salz gebackene Huhn sind ausgezeichnet. Dazu noch etwas frisches Gemüse und Pilze aus dem Wok und eine Portion gebratene Nudeln – und das Mahl ist perfekt. Wie immer bei einfachen guten Chinesen in London, können hier auch Hummer, Krabbe, King Prawns und andere Meerestiere sehr empfohlen werden.
DIM SUM
Zur Mittagszeit essen Chinesen sehr gerne viele verschiedene, kleine warme und kalte Gerichte, die Dim Sum – kleine Köstlichkeiten. Sie sind sehr preiswert und immer frisch zubereitet. Sie kommen meist gedämpft, gegrillt, gebraten, frittiert oder gebacken oder auch kalt. Gedämpfte Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen, aber auch in Blätter eingepackter gegarter Reis, knackige Rollen oder frittierte Muscheln und Tintenfische, geräucherte kalte Ente in der Teigrolle sowie viele vegetarische Besonderheiten und E-Fu-Nudeln sind hier zu empfehlen. Im Chinatown-Klassiker, dem "New World Restaurant", werden auf drei riesigen Etagen, die Dim Sum-Wägelchen an Hunderten, meist chinesischen Mittagsgästen vorbeigefahren. Man schaut sich alles genau an, wählt aus und wird dann mit den unterschiedlichsten Gaumenkitzlern beglückt. Mehr Hong Kong-Feeling ist in Europa nicht zu bekommen. STERNEKÜCHE
Wer Dim Sum in Vollendung erleben will, und das nicht nur mittags sondern auch abends, der sollte das ausgezeichnete Restaurant "Yauatcha" in Soho aufsuchen. In einem herrlich gestalteten Kellergewölbe sitzt man und sieht zu, was sich in der Küche tut. Scallop Shui Mai, King Crab Dumpling, Spinach Ball with Prawn and Cuttlefish, Poached Peking Chicken Dumpling, Chicken Feet in Chilli Black Bean Sauce, Jasmine Tea smoked Ribs, Rice Paper Prawn Mango Roll, Spicy Soft Shell Crab, Braised Brill in Clay Pot, Stir-Fry Scallop with Lotus Root, Baby Pak Choi, Singapore Vermicelli. Wem hier nicht das Wasser im Mund zusammen läuft, um nur einige Gerichte dieser außergewöhnlichen Speisenkarte zu nennen, dem ist wahrlich nicht zu helfen. Hier muss reserviert werden, und das "Yauatcha" hat natürlich seinen Preis.
Den ersten Stern erkochte sich das versteckt liegende "Hakkasan" am östlichen Ende der Oxford Road. In einem grandios eingerichteten Keller, der nicht nur fantastisch ausgeleuchtet ist, sondern auch bestens belüftet, kann man 20 Köchen bei der Arbeit zusehen. Hier wird kantonesische Küche auf höchstem Niveau zelebriert. Der meist freundliche Service hilft bei der Auswahl der Köstlichkeiten und verhindert zu große Bestellungen, die man beim Studium der innovativen Speisenkarte schnell zusammengestellt hat. Auch im "Hakkasan" ist es nicht billig, aber als Gesamterlebnis seinen Preis wert.
Noch keinen Stern hat das Restaurant "Hunan" am Sloane Square. Aber es ist ein Geheimtipp. Hier gibt es wunderbar aromatische und auch scharfe Gerichte aus der Provinz Hunan und aus Taiwan, völlig neu interpretiert und immer in Tapas-Größe serviert. Ein Geschmackserlebnis der besonderen Art, auch wenn hier wieder sehr eng bestuhlt wird.
Man muss also nicht nach Hong Kong, Peking oder Shanghai reisen, London bietet für alle Preisklassen höchst erlebenswerte authentische Küche. Natürlich sollte man sich mit einem Restaurantführer wie dem Michelin Guide oder dem Zagat-Führer ausstatten, bevor man die zahlreichen Tempel der chinesischen Küche besucht. Auch hier kann man ohne Führer, wie in allen Großstädten, böse Überraschungen erleben. Wer sich aber vorher informiert, dem winken unvergessliche kulinarische Erlebnisse, die man hierzulande nicht findet. Guten Appetit.
»"Four Seasons Chinese", 12 Gerrard Street, Chinatown, Tel. 020/7494 0870
»"New World Chinese", 2 Gerrard Place,
Chinatown, Tel. 020/7434 2508
»"Yauatcha", 15 Broadwick Street,
Soho, Tel. 020/7494 8888
»"Hakkasan", 8 Hanway Place,
Bloomsbury, Tel. 020/7927 7000
»"Hunan", 51 Pimlico Road,
Pimlico, Tel. 020/ 7730 5712
Autor: Christian Hodeige





