Der Ton wird rauer und schriller

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Di, 18. Juli 2017

Computer & Medien

Der Grüne Salon Freiburg diskutierte das Thema "Zwischen Fake News und Populismus".

Immer wieder sei von einer sogenannten schweigenden Mehrheit zu hören und zu lesen, die – symbolisiert durch den Brexit und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten – nach langem Schweigen wieder ihre Stimme erhebe. Und Werte wie die politische Korrektheit oder die Teilhabe der Frau in Frage stelle. So leitete Maria Viethen, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Freiburger Stadtrat, den Grünen Salon mit dem Titel "Zwischen Fake News und Populismus" im Freiburger Jazzhaus ein, zu dem rund 60 Zuhörer gekommen waren. Von ihren Podiumsgästen, Muhterem Aras, Landtagspräsidentin in Stuttgart und Grünen-Abgeordnete, BZ-Chefredakteur Thomas Fricker und dem Kabarettisten Matthias Deutschmann, wollte sie wissen, wie sich Populismus und Fake News in ihrem Arbeitsalltag abzeichnen.

Aras konstatierte, dass der Ton, in dem politische Diskussionen geführt werden, rauer geworden sei. Im Landtag, in dem sie seit 2011 Abgeordnete sei, habe sich die Diskussion seit der Landtagswahl 2016 deutlich verändert. Neu sei auch, dass über Themen wie Antisemitismus, vor zwei Jahren noch undenkbar, wieder diskutiert werde. Damit spielte sie auf den AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon und seine antisemitischen Schriften an.

Fricker veranschaulichte die Frage unter anderem daran, ob die Nationalität von Straftätern veröffentlicht oder verschwiegen werden sollte. Der Pressekodex sehe eigentlich vor, die Nationalität nur zu nennen, wenn diese für das Verständnis eines Verbrechens wichtig sei. Jegliche Diskriminierung sei zu vermeiden. Da sich die politische Stimmung im Land aber im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 aufgeheizt habe, müsse nun auch diese Stimmung in den Abwägungsprozess mit einbezogen werden. Eine Zeitung, die im Zeitalter der Digitalisierung ohnehin kein Informationsmonopol mehr besitzt, laufe Gefahr, bei Verschweigen der Nationalität Ressentiments erst recht zu schüren.

Kabarettist Deutschmann kritisierte, dass auch in der Satire die Töne immer schriller würden und zielte damit auf das Böhmermann-Gedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan vom März 2016 ab. Obwohl er dem Journalismus e eine gewisse Schlafmützigkeit bescheinigte, attestierte er ihm doch, dieser bringe irgendwann "die Wahrheit immer ans Licht". Auch Fricker verwies darauf, wie wichtig es für Journalisten in ihrer täglichen Arbeit sei, Sachverhalte zu überprüfen. Über das Internet und die sozialen Medien würden sich schließlich auch Fehler viel zu schnell verbreiten.

Bei allen Problemfeldern war es Landtagspräsidentin Aras wichtig zu betonen, dass sich bei der letzten Landtagswahl 85 Prozent der Wähler für eine pluralistische Gesellschaft ausgesprochen haben – und nicht dagegen. Sie forderte eine Rückbesinnung auf das Grundgesetz.

Bei der anschließenden Fragerunde zeichnete sich im Publikum der Wunsch nach Entschleunigung der Medien und mehr Besinnung ab. Dafür zeigten zumindest Aras und Fricker Verständnis und Sympathie, betonten jedoch, dass die Digitalisierung nicht zurückgedreht werden könne.