Endstation Miami

Martin Weber

Von Martin Weber

Mo, 15. Oktober 2018

Computer & Medien

ARD-Dokudrama über den Baulöwen Jürgen Schneider.

Er war bei 50 Banken mit mehr als fünf Milliarden Mark verschuldet und ging als größter Pleitier in die Geschichte der Bundesrepublik ein: Jürgen Schneider, der 1995 festgenommen und der unter anderem wegen Kreditbetrugs zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Das Dokudrama "Der Auf-Schneider" erzählt die Geschichte des Bauunternehmers, der sich mit gigantischen Projekten in Frankfurt, München, Leipzig und anderen Städten einen Namen machte, als Mischung aus Wirtschaftskrimi und Eulenspiegelei: Jürgen Schneider, so die Botschaft des Films, konnte es nur so weit bringen, weil Verantwortliche sämtliche Warnsignale in fahrlässiger Weise ignorierten.

Als Rahmenhandlung für ihr Dokudrama haben sich die Regisseure Benjamin Quabeck und Christian Hans Schulz für die letzten Monate Jürgen Schneiders und seiner Frau Claudia in Freiheit entschieden: Die beiden verbrachten diese Zeit auf der Flucht vor den Behörden in Miami, wo sie mit diversen Tricks und unterstützt von obskuren Gestalten versuchten, Reste aus der Konkursmasse des untergegangenen Firmenimperiums abzuzweigen. Reiner Schöne spielt den gescheiterten Baulöwen und Milliardenbetrüger, Gesine Cukrowski dessen Gattin, die zunehmend Trost im Alkohol sucht. Gemeinsam erinnern sich die beiden an bessere Zeiten in ihrem Schlösschen im Taunus, wo Schneider die Banker um den Finger wickelte. Während das Ehepaar in Erinnerungen an glorreiche Zeiten schwelgt, ziehen Zielfahnder des BKA den Kreis um die beiden immer enger.

Archivaufnahmen und Interviews mit Zeitzeugen, darunter der Vorsitzende Richter im Schneider-Prozess und geprellte Handwerker, runden die Spielhandlung ab und geben dem Zuschauer einen umfassenden Einblick in einen der größten Betrugsskandale der Bundesrepublik, an dem vor allem die Deutsche Bank zu knabbern hatte: Das Unternehmen verlor nicht nur eine Menge Geld, sondern hatte auch mit einem gewaltigen Imageschaden zu kämpfen – dazu trug auch der damalige Vorstandsvorsitzende Hilmar Kopper bei, indem er offene Handwerkerrechnungen in Höhe von etwa 50 Millionen Mark, für die das Kreditinstitut aufkommen sollte, als "Peanuts" bezeichnete.

"Der Auf-Schneider": ARD, Montag, 15. Oktober, 20.15 Uhr.