"Frauen dürfen böse sein"

epd

Von epd

Fr, 19. Oktober 2018

Computer & Medien

Regisseurin Nina Grosse über Emanzipation im Fernsehen.

Die TV-Regisseurin Nina Grosse kritisiert, dass große Prestigeprojekte nach wie vor hauptsächlich an männliche Kollegen vergeben würden. Serien wie "Babylon Berlin" (ARD/Sky), "Das Boot" (Sky) oder "Bad Banks" (ZDF) seien "immer noch fest in Männerhand", sagte die Mitgründerin der Initiative Pro Quote Film. Für die neue ZDF-Serie "Die Protokollantin", die am Samstag startet, schrieb Grosse (60) das Drehbuch und führte Regie. "Es bewegt sich was, aber wir sind noch lange nicht bei 50 Prozent", sagte Grosse.

Bei den Frauenrollen habe es in den vergangenen Jahren einen großen Emanzipationsschub gegeben. "Interessant finde ich, dass jetzt die bösen Frauen kommen", sagte Grosse. "Das ist auch eine Form der Emanzipation, dass Frauen böse sein dürfen." "Die Protokollantin" ist die erste Fernsehserie der Regisseurin. Iris Berben spielt darin eine zwiespältige Figur, die die Gerechtigkeit in die eigenen Hände nimmt.

Beim ZDF habe es zunächst Bedenken gegeben, eine ambivalente Heldin unterzubringen, sagte Grosse. Unter anderem habe es Befürchtungen gegeben, Berbens Image zu beschädigen. "Das ZDF ist hier ins Risiko gegangen, das rechne ich der Redaktion hoch an", sagte die Regisseurin.