True Warriors

Beeindruckende Doku über das Leben nach der Explosion

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 15. November 2017 um 10:28 Uhr

Computer & Medien

Wie kann man im Angesicht des Terrors leben – und Kunst machen? Diese Fragen stellt die Dokumentation "True Warriors" über Menschen, die ein Selbstmordattentat in Kabul überlebt haben.

Auch die Journalistin Ronja von Wurmb-Seibel (31) und ihr Mann und Kollege Niklas Schenck (34) waren eingeladen: Zur Premiere eines Theaterstücks über Selbstmordanschläge im französischen Kulturinstitut IFA in Kabul am 11. Dezember 2014. Doch sie kehrten am Tag davor nach Hamburg zurück. Und dann sprengte sich während des Stücks ein 17-Jähriger in die Luft, tötete zwei Menschen und verletzte viele. Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck flogen wieder nach Kabul und drehten den beeindruckenden Film "True Warriors" über die Künstler.

"Zu behaupten, Afghanistan sei sicher, ist eine Lüge." Ronja von Wurm-Seibel
Als es dunkel wird und Explosionen zu hören sind, kann das Publikum im "Kandelhof"-Kino ansatzweise nachempfinden, wie es den Menschen im IFA ging: Wie manche dachten, alles gehöre zu einer sehr realistischen Inszenierung, während andere verletzt waren und nach Hilfe schrien. Sehr berührend und eindringlich erzählen die Künstler, wie sie diese Momente erlebten – und wie sie danach mit dem Verlust eines Kollegen und ihrer Angst umgingen. Wie sich manche zunächst komplett zurückzogen, sich veränderten. Wie einige wenige aus Afghanistan flohen. Und wie die meisten beschlossen, erst recht weiterzumachen und der Gewalt ihre Kunst entgegenzusetzen.



Sechs von ihnen sind bis Ende Januar auf Einladung der Berliner Ernst-Busch-Akademie – die dafür zwei Jahre bei den deutschen Behörden kämpfen musste – für sechs Monate in Deutschland, erzählt Niklas Schenck. Sie geben Gastspiele und begleiten die Aufführungen des Films von Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck. Nach Freiburg kamen die Filmemacher allein, doch sie suchen Kinos, die nach der Sonderaufführung am Montag die Schauspieltruppe zu weiteren Vorführungen einladen. Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck haben bis Dezember 2014 ein Jahr in Kabul gelebt. Ronja von Wurmb-Seibel war davor als Politik-Redakteurin der "Zeit" mehrmals in Afghanistan unterwegs, sie kündigte, weil beide das Gefühl hatten, dass es nötig wäre, dauerhaft vom Alltag der afghanischen Bevölkerung zu berichten.

Sie versuchten, "vorsichtig" zu leben, waren wenig draußen und mit dem Taxi statt zu Fuß unterwegs. Dass es trotzdem gefährlich blieb, war ihnen klar – und sie kritisieren scharf, dass Deutschland nach Afghanistan abschiebt: "Wenn das geschieht, dann sollte man zumindest dazu sagen, dass wir das tun, obwohl es gefährlich ist, obwohl die Lage immer schlechter wurde und obwohl viele sterben", fordert Ronja von Wurmb-Seibel. "Zu behaupten, Afghanistan sei sicher, ist eine Lüge", betont sie – "das weiß auch unser Innenminister." Zumindest einen Menschen versuchen sie vor dieser Gefahr zu bewahren: Die beiden haben einen afghanischen Pflegesohn, den sie selbst aus Ungarn nach Deutschland brachten und darüber im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" berichteten. Er lebt bei ihnen in Hamburg und besucht ein Gymnasium.

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