BZ-Interview

Darum bleiben die kirchlichen Bildungswerke so wichtig

Sophia Hesser

Von Sophia Hesser

Do, 24. Januar 2019 um 08:55 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Seit 50 Jahren gibt es kirchliche Erwachsenenbildung im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Im Interview erklärt der Vorsitzende, warum sie nötig sind – und was Erwachsene noch lernen können.

BZ: Warum braucht es eine kirchliche Erwachsenenbildung?
Dierenbach: Wie der Name schon sagt, dient sie der Weiterbildung und des Sich-Kundig-Machens, aber auch der Unterhaltung der Leute im Ort. Und das auf eine Art, wie es die öffentlichen Medien nicht können. Man kann Rückfragen stellen, kritisieren, sich einklinken. Davon nehmen die Teilnehmer auch rege Gebrauch. Außerdem verstehen wir uns auch als Vermittler von Werten. Die Themen der Vorträge, Seminare, Kurse, Exkursionen und Studienfahrten sind breit gestreut. Wir haben selbstverständlich kirchliche Themen, um die Kirchengemeinde und deren Leben zu unterstützten und zu bereichern. Aber auch Politik, Gesundheit oder Psychologie werden thematisiert. Die Besucher schätzen aber auch sehr die Möglichkeit der regelmäßigen Begegnung mit anderen Menschen und die Ortsnähe.

BZ: Wie ist die Kreis-AG organisiert?

Dierenbach: Das Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg ist Träger von 45 Bildungswerken. Die meisten sind ökumenisch. Es gibt sie von Vogtsburg bis rauf nach Lenzkirch, Schliengen bis Heuweiler – im ganzen Landkreis. Wir tauschen uns innerhalb der Kreis-AG Breisgau-Hochschwarzwald regelmäßig aus. Denn meist organisieren Einzelpersonen die örtlichen Bildungswerke, es bilden sich aber immer mehr Teams. Wir besprechen die Programmgestaltung, tauschen uns aus über Trends oder erfolgreiche Veranstaltungen. Einmal im Jahr machen wir einen kulturellen Ausflug, das soll Mut machen. Denn natürlich ist unsere Arbeit ein Auf und Ab. Es gibt auch mal Veranstaltungen, die nicht so gut laufen.
Benno Dierenbach (68) aus Pfaffenweiler ist Realschullehrer im Ruhestand und leitet seit 39 Jahren das dortige Bildungswerk. Er ist Vorsitzender der Kreis-AG Breisgau-Hochschwarzwald der Bildungswerke.

BZ: Warum gibt es nicht in allen Orten eine kirchliche Erwachsenenbildung?

Dierenbach: Das hängt davon ab, ob jemand bereit ist, diese Arbeit zu übernehmen. Alle Verantwortlichen arbeiten ehrenamtlich. In Pfaffenweiler haben wir 2018 etwa 600 Unterrichtseinheiten angeboten. Für den Leiter bedeutet das die gleiche Zahl an Arbeitsstunden für das Erstellen des Programms, Werbung, das Organisieren der Referenten, die Finanzierung und vieles mehr.

BZ: Und wie finanziert sich die ganze Arbeit?

Dierenbach: Wir haben drei Stützen. Die Teilnehmerbeiträge, die aber immer moderat sind, ein Landeszuschuss und dann noch ein Zuschuss von der Pfarr- oder der politischen Gemeinde.

BZ: Sie machen das Ganze seit 38 Jahren – hat sich in der Zeit etwas geändert?

Dierenbach: Früher hatten wir eine Stammkundschaft. Es kamen fast immer die gleichen Leute. Heute kommen die Leute, weil sie am Thema interessiert sind oder weil der Referent lukrativ erscheint. Es sind immer andere Teilnehmer. Außerdem kommen auch immer mehr Teilnehmer aus der Nachbarschaft oder von weiter her. Der Anspruch hat sich zudem geändert. Doch wenn wir zeitgemäße Themen, wie etwa über Fakenews oder auch Gesundheitliches anbieten, ist der Besuch gut. Eine gute Resonanz finden natürlich auch Veranstaltungen zu Ortsthemen.

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