Beschädigte Bilder

Das Augustinermuseum rüstet nach Vandalismus bei der Sicherheit nach

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Di, 13. März 2018 um 10:33 Uhr

Freiburg

Nach der Attacke auf vier Bilder im Freiburger Augustinermuseum sollen mehr Kunstwerke hinter Glas geschützt werden. Auch der Einbau einer Videoüberwachung wird geprüft

Im Augustinermuseum wird die Installation einer Videoüberwachung geprüft. Auch sollen mehr Bilder hinter ein Schutzglas kommen – als Schutz vor Vandalismus. Das kündigte Tilman von Stockhausen, der Leiter der städtischen Museen, als Reaktion auf einen schweren Zwischenfall im Museum an.

"Es hat an dem Tag ein paar Auffälligkeiten gegeben"Museumschef Tilman von Stockhausen
Dort hatte ein unbekannter Täter am Donnerstag vier Kunstwerke zerkratztund teils schwer beschädigt. Die Polizei ermittelt. "Es hat an dem Tag ein paar Auffälligkeiten gegeben", sagt Museumschef von Stockhausen, will aber öffentlich keine näheren Angaben machen. Das Polizeirevier Freiburg-Nord arbeitet daran, diesen Fall von Sachbeschädigung aufzuklären. Der Täter muss während der Öffnungszeiten zwischen 10 und 17 Uhr zugeschlagen haben. Er hat mit einem stumpfen Gegenstand drei Kunstwerke im Dachgeschoss und eines im ersten Obergeschoss beschädigt. Tatwerkzeug könnte ein Schlüssel gewesen sein. Das ist aber laut Polizei noch nicht sicher. Der Schaden war erst in der folgenden Nacht durch den Sicherheitsdienst bemerkt worden.

Das Museum hat die Auffälligkeiten jenes Öffnungstages an die Polizei weitergegeben. Es sei auch mit allen Aufsichten gesprochen worden. Museumsleiter von Stockhausen hofft, dass der Täter gefunden werden kann – auch wenn der Nachweis der Tat nicht einfach werden dürfte.

Beim Umbau entschied man sich gegen Videoüberwachung

Das Augustinermuseum besitzt keine Videoüberwachung. Aus datenschutzrechtlichen Gründen habe man sich vor sieben Jahren bei den Umbauplänen dagegen entschieden. Von Stockhausen plädiert für ein Aufrüsten des Sicherheitssystems. "Seit damals ist einiges passiert, auch die Richtlinien haben sich geändert", sagt er. Er hofft auf grünes Licht von den Datenschutzbeauftragten. Technisch ist das Nachrüsten offenbar kein Problem, weil die entsprechenden Leitungen bereits verlegt worden sind.

Bislang gibt es im Augustinermuseum Annäherungssensoren. Diese lösen einen Warnton aus, wenn jemand einem Bild zu nahe kommt. Das System habe eher erzieherische Wirkung, so von Stockhausen. Es arbeite auch nicht ganz zuverlässig und erzeuge Warntöne, ohne dass jemand vor einem Bild steht. In der neuen Graphischen Sammlung gibt es eine modernere Anlage: einen so genannten Laservorhang, der einwandfrei funktioniere und auf den man umsatteln könne.

"Der Winterhalter wird künftig nur noch hinter Glas zu sehen sein"Tilman von Stockhausen
Wirksamster Schutz vor Vandalismus sei aber ein Schutzglas: "Wir haben viele wertvolle Kunstwerke im Augustinermuseum bereits so gesichert, etwa die Werke von Baldung Grien oder Cranach", so Tilman von Stockhausen. Das Spezialglas sei allerdings teuer. Und es sei eine ästhetische Frage, weil es den Blick auf die Werke verändere. Die Verglasung sei vor allem schwierig und aufwändig bei Sonderausstellungen, die nur für wenige Monate gezeigt werden.

Das Museum hatte noch Glück im Unglück: Kunsthistoriker von Stockhausen geht davon, dass alle vier betroffenen Kunstwerke restauriert werden können. Betroffen waren drei Leihgaben externer Eigentümer und ein Werk, das dem Museum selbst gehört. Dabei handelt es sich um Franz Xaver Winterhalters Porträt des Freiherrn von Eichthal aus dem Jahr 1834. Eine Entscheidung steht dabei schon fest: "Der Winterhalter wird künftig nur noch hinter Glas zu sehen sein", so Tilman von Stockhausen.

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