Das rote Telefon steht bereit

Angela Köhler

Von Angela Köhler

Do, 04. Januar 2018

Ausland

Nord- und Südkorea nehmen Kommunikation wieder auf / Trump prahlt mit "größerem Atomknopf".

TOKIO/SEOUL.       Was ist im Korea-Konflikt hilfreicher: leise oder laute Töne? Südkorea hat sich eindeutig zu einem besonnenen Umgang mit der Diktatur in Pjöngjang entschieden – anders als US-Präsident Donald Trump.

Seoul aktivierte am Mittwoch das rote Telefon an der Grenze zwischen beiden verfeindeten Bruderstaaten – bemerkenswerterweise war der Anstoß dafür aus Nordkorea gekommen: Kim Jong-un ließ per Rundfunk verkünden, den seit Jahren abgeschalteten Kanal wieder zu öffnen. Nordkoreas Vorsitzender des staatlichen Ausschusses für eine friedliche Wiedervereinigung, Ri Son Gwon, teilte mit, man werde versuchen, sich auf eine "ernste und vorsichtige" Art und Weise mit Südkorea einzulassen.

Die Regierung in Seoul wertete den Vorstoß als "sehr bedeutsam" und als wichtigen Schritt, den auf Eis liegenden Dialog wiederaufzunehmen. Präsidentensprecher Yoon Young Chan erklärte: "Dies schafft ein Umfeld, in dem jeder Zeit direkte Kommunikation möglich ist." Südkorea wolle nun versuchen, die Telefonleitung zu nutzen, um über eine gewisse Kooperation während der im Februar bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Pyeongchang zu reden.

Doch ein Durchbruch zum friedlichen Dialog ist das noch nicht, Skepsis ist weiter angebracht. Bisher hat Nordkorea noch nicht offiziell auf das am Dienstag verkündete Gesprächsangebot aus dem Süden reagiert. Seoul hatte schon für den 9. Januar diplomatische Kontakte auf hoher Ebene offeriert. Aber Südkoreas Staatschef hatte gleichzeitig allzu hohe Erwartungen daran gedämpft. Eine Verbesserung der Beziehungen könne nicht von der Lösung des Atomstreits getrennt werden. Sein Außenamt soll sich über weitere Schritte eng mit den Alliierten – also den USA und Japan – abstimmen.

Zweifel an der Redlichkeit nordkoreanischer Absichten kommen vor allem aus Washington. UN-Botschafterin Nikki Haley sagte, die USA werden keine Gespräche ernst nehmen, wenn nicht dabei zugleich etwas für ein Atomwaffenverbot in Nordkorea herauskäme. Derweil heizt US-Präsident Donald Trumpf die Debatte weiter an. Der Chef des Weißen Hauses schrieb auf Twitter, er habe einen "viel größeren und mächtigeren" Atomknopf als der nordkoreanische Führer Kim Jong-un. "Und mein Knopf funktioniert." Trump konterte damit Kims Säbelrasseln aus dessen Neujahrsansprache, auf seinem Schreibtisch läge stets der Atomknopf bereit.

Diktator Kim Jong-un hat erkannt, dass die Olympischen Winterspiele in Südkorea die Chance bieten, einen Keil in die Weltgemeinschaft zu treiben und vor allem Trump wie einen Kriegstreiber aussehen zu lassen. Sein Angebot, die Spiele nicht zu boykottieren oder gar zu stören, ist ein geschickter Schachzug. Allerdings ist kaum davon auszugehen, dass Kim Jong-un nun plötzlich vom olympischen Geist beseelt wurde.

Sein Einlenken könnte als erste Reaktion auf die internationalen Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat gewertet werden. Ab 1. Januar gelten erneut verschärfte Bedingungen für den Handel mit Nordkorea. Die offiziell erlaubte Importmenge an Öl soll auf ein Fünftel reduziert werden. Auch der Import von Industriegütern, Fahrzeugen und Rohstoffen wird stark limitiert. Dies trifft das Regime empfindlich so wie auch die Verschärfung der Exportregeln auf Holz und Fischereiprodukte – die bislang wichtigsten Devisenquellen Nordkoreas. Selbst wenn das Embargo auch dieses Mal wieder von skrupellosen Geschäftsleuten in China und Russland unterwandert wird, steter Tropfen höhlt den Stein.