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15. August 2012

Unterm Strich

David McAllister: Total präsent und hellwach

Warum ein Politiker antwortet, auch wenn ihn keiner fragt / Von Stefan Hupka.

Selbstbefragung ist lobenswert – gerade wenn der Politiker es tut. Tauge ich überhaupt zum Politiker? Wie weit will ich nach oben? Mit welchen Mitteln? Und schmeckt mir die kritische Begleitung durch die Presse? Das wären Fragen, die man sich mal wieder stellen kann, gerade im ruhigen Sommerloch. Just da aber haben der CDU-Politiker David McAllister und sein Stab sich bei einem nicht ganz so überzeugenden Modell der Selbstbefragung erwischen lassen: Man schickte fertige "Sommerinterviews" mit dem Ministerpräsidenten von Niedersachsen an 150 Anzeigenblätter, "zum Abdruck in einer der kommenden Ausgaben Ihrer Zeitung". Begründung: Gerade zur Sommerzeit seien die Blätter ja oft schlecht besetzt. Das Komplettangebot samt Fotos las sich so, als habe ein Journalist dem Unionsmann, der im Januar wiedergewählt werden will, Fragen gestellt – wenn auch nicht gerade beinhart-zudringliche.

So sei McAllister ja mit fast hundert Prozent der Stimmen wieder zum Landtagskandidaten gewählt worden, "wie machen Sie das?", wundert sich der Interviewer. Antwort: "Das hängt mit Sicherheit auch damit zusammen, dass ich in meinem Wahlkreis sehr stark verwurzelt bin." Oder wie kommt es, dass Landespolitiker McAllister in Berlin so durchsetzungsfähig ist? Des Rätsels Lösung: "Ich bin dort total präsent und hellwach."

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Doch nun kam heraus: Den Interviewer gibt es nicht; McAllisters Pressesprecher – "ich nehme das voll auf meine Kappe" – räumte ein, Redepassagen seines Chefs mit erfundenen Fragen montiert und verschickt zu haben, eine "vielleicht etwas naive Idee". McAllister, beteuerte er noch, habe keine Freigabe erteilt.

Aber warum so zerknirscht? Das ist doch ausbaufähig! Auch Tageskommentare aus der Staatskanzlei kann man sich denken, in denen der Chef gut abschneidet, und Homestorys, die ihn mit Frau und Hund in mild-menschlichem Lichte zeigen. Man muss ja nicht darauf hereinfallen. Oder – Selbstbefragung, Redakteure – würde es Ihnen gar nicht auffallen?

Autor: hup


5 Kommentare

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Bernardo di Francia

Registriert seit: 19.07.2010

Kommentare: 25

15. August 2012 - 13:50 Uhr

Durchsichtig, dumm und dreist. Zumal ich dem Pressesprecher niemals glaube, dass er ohne Kenntnis des Ministerpräsidenten so eine Kampagne (150 Blätter sind schon einige) wohl nicht fahren würde.

Leider fallen aber solche getürkten Propagandamassnahmen fast nicht mehr auf, weil in den Zeitungen auch nur noch wenige Redakteure mit Riesenpensum sitzen und aus Eigenschutz mit ihrer Energie haushalten müssen...

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Egon Mayer

Registriert seit: 30.06.2010

Kommentare: 1485

15. August 2012 - 19:01 Uhr

Am Ende gefährdet der CDU-Politiker noch Arbeitsplätze, weil die Chefredakteure merken, dass sie keine Journalisten brauchen, die stereotype Fragen stellen... Wenn das Komplettangebot Schule macht, ließen sich bei den Zeitungsverlagen enorm Personalkosten einsparen. ;)

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Dominik Heesig

Registriert seit: 10.07.2012

Kommentare: 111

15. August 2012 - 19:33 Uhr

Herr Hupka bei seiner Lieblingsbeschäftigung: dem CDU-Bashing. Ich kann mich ad hoc an keinen Kommentar von ihm erinnern, in dem er sich nicht einen Politiker der Union vorgeknöpft hätte. Ob dieser Einseitig- und Berechenbarkeit hätte ich persönlich denn auch lieber das komplette "Interview" mit McAllister gelesen. Wäre wohl ähnlich einseitig, aber mal was Neues.

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Marc A. Willmann

Registriert seit: 04.07.2012

Kommentare: 262

15. August 2012 - 19:43 Uhr

@ Heesig

Herr Heesig, auch wenn Sie, aus welchen Gründen auch immer, der CDU nahe stehen...was haben Sie an alledem nicht verstanden?

Ein fertiges Interview mit sehr zuvorkommenden Fragen, ohne jede Kritik oder konkrete Nachfragen, an sehr viele Redaktion zu verschicken ist...um es mal freundlich auszudrücken...sehr einfältig.

Um es jetzt mal überspitzt zu formulieren, diese Praxis kenne ich eigentlich nur aus waschechten Diktaturen - ohne der niedersächsischen CDU derartige Tendenzen nachsagen zu wollen.

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Dominik Heesig

Registriert seit: 10.07.2012

Kommentare: 111

15. August 2012 - 20:25 Uhr

Herr Willmann, das fertige Interview wollte ich nicht verteidigen - und habe es auch nicht. Ich habe lediglich den Eindruck gewonnen, dass Kommentare von Herrn Hupka stets dasselbe Thema zum Inhalt haben. Und das finde ich schlicht schade. Nicht mehr, nicht weniger.
Ich für meinen Teil lasse mich von Kommentaren gerne überraschen. Wenn man aber schon bei Durchsicht des Titelblatts der heutigen BZ bei sich denkt "Eigentlich musst du diesen einen Beitrag gar nicht mehr lesen, um zu wissen, was er zum Gegenstand hat", dann darf man doch auch seine Enttäuschung hierüber äußern. Zugegeben: Meine Kritik hätte etwas weniger barsch ausfallen können. Aber ich bin mir sicher: Das kann Herr Hupka ab ;-)

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