Große Bedeutung

Der Bad Säckinger Bergsee bietet einen Rückblick auf 50.000 Jahre

Hans Christof Wagner

Von Hans Christof Wagner

Fr, 18. Januar 2019 um 12:01 Uhr

Bad Säckingen

Kleiner See – große Bedeutung: Wissenschaftler aus Basel und Dresden haben das Gewässer des Bad Säckinger Bergsees untersucht. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf Taten unserer Vorfahren ziehen.

Er ist das Gedächtnis der Region, das Gedächtnis der Natur. Aus ihm lassen sich Rückschlüsse ziehen, was unsere Vorfahren taten oder ließen, bevor es Urkunden und Geschichtsschreiber gab: der Bad Säckinger Bergsee. Das nahmen rund 100 Zuhörer bei der Auftaktveranstaltung zur Wintervortragsreihe 2019 der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde (FBVH) im Trompeterschloss in Bad Säckingen mit.

Seit 2013 haben sich Forscher mit dem See befasst

Kleiner See – große Bedeutung. Denn entlang des Hochrheins, auf beiden Uferseiten, haben die vergangenen Eiszeiten fast keine Gewässer hinterlassen, deren Sedimente Aufschluss über die Vergangenheit liefern könnten. Denn nur in stehenden Gewässern, so Lucia Wick vom Departement für Umweltwissenschaften der Universität Basel, blieben Pflanzenpollen, die es zur Bestimmung von Klima-, Vegetations- und Kulturgeschichte brauche, weitgehend erhalten.

Rund 50 000 Jahre schon besteht der Bergsee. Alles, was seitdem an Pflanzenpollen hineingefallen ist, hat sich am Grund abgelagert. Und hat ein rund 28 Meter mächtiges Seesediment hinterlassen, das französische Wissenschaftler 2013 angebohrt und als mächtigen Strang nach oben befördert haben. Seitdem haben sich Lucia Wick und Lucas Kämpf von der Technischen Universität (TU) Dresden, der am Mittwochabend ebenso in Bad Säckingen referierte, damit befasst.

Pollen geben Rückschlüsse auf Rodungen und Ackerbau

"Man muss sich das Bohren aber mehr als Stechen vorstellen", sagte Kämpf. Und berichtete über die zur Verfügung stehenden Analysemethoden, die laut dem Wissenschaftler indes nur grobe Datierungen erlauben – kein Wunder, bei schon "nur" rund 10 000 Jahren, die bei der Auswertung der Daten durch die beiden Forscher im Vordergrund standen.

Und erst richtig interessant, nahmen die Vortragsbesucher mit, wird es mit dem Auftauchen der ersten Menschen vor etwa 4000 Jahren. Fasziniert hörten sie zu, wie es der Palynologie, der Pollenanalyse, möglich ist, Erkenntnisse zu gewinnen. Gehen die Pollen der Weißtanne zurück, lässt das auf Rodungen durch den Menschen schließen – um Holz zu gewinnen für den Bau von Häusern, um diese zu beheizen oder um Raum zu gewinnen für Ackerbau und Viehhaltung.

"Die Walnuss wiederum ist ein sicheres Indiz für die Römerzeit", Lucia Wick, Umweltwissenschaftlerin
Auch zwischen den Eichen und den Kelten gibt es eine Verbindung: Die Baumart verbreitete sich, weil die Kelten Schweine hielten, denen die Eicheln als Nahrung dienten. "Die Walnuss wiederum ist ein sicheres Indiz für die Römerzeit", so Lucia Wick. Und auch für die Neuzeit sind die Sedimente des Bergsees der Spiegel: Verbreitung von Baumarten und Kulturpflanzen aus Übersee seit dem 17. Jahrhundert – mit Rosskastanie, Robinie und Mais.

Der Mensch hat schon früh sein Spuren in der Umwelt hinterlassen. Zu diesem Fazit kam auch FBVH-Präsident David Wälchli am Ende der Veranstaltung. Die Besucher erfuhren, dass sich viel aus dem Bergsee herauslesen lässt. Aber auch, dass manche geschichtliche Ereignisse wie der Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 oder das Basler Erdbeben von 1356 darin keine Spuren hinterlassen haben.