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14. Juni 2012

Der Schall der Hörner ist allgegenwärtig

Staufener Hornsignal gab den Startschuss für Workshops, Einzelunterricht und Meisterkurse bei den Schwarzwälder Horntagen 2012.

  1. Zum Eröffnungskonzert, dem traditionellen Auftakt der Schwarzwälder Horntage, fanden sich alle Dozenten sowie die beiden Leiter des Festivals, Peter Arnold und Philipp Ahner, in diesem Jahr erstmals auf der Bühne im großen Orchestersaal der BDB-Musikakademie in Staufen ein. Foto: Martina Faller

STAUFEN. Rund 100 Teilnehmer, 400 Einzelunterrichtsstunden, 25 Dozenten und vier Tage – das waren die Schwarzwälder Horntage 2012 in Zahlen. Im Ergebnis ergeben sie jedoch immer nur eins: Musik, Musik, Musik. Ob im Einzelunterricht, im Meisterkurs, im Ensemblespiel oder im Hornorchester – der Schall der Hörner war allgegenwärtig und schwebte manchmal sogar über den Dächern der Fauststadt. Traditionell gehört das Hornspielen auf der Burgruine nämlich genauso zum Programm wie das Eröffnungskonzert der Dozenten.

Das fand in diesem Jahr erstmals in der Musikakademie selbst statt. Doch auch wenn die Bühne eine andere war und anstelle eines Streicherensembles Pianisten am Flügel die Begleitung übernahmen, an Klasse hat das Eröffnungskonzert auch bei seiner siebten Auflage in Staufen nicht eingebüßt. Denn im großen Orchestersaal der Musikakademie reihte sich ein Konzertjuwel an das nächste, darunter anspruchsvolle Werke wie die Sonate op. 7 von Jane Vignery, die Christian Lampert, Professor an der Musikhochschule Stuttgart, höchst virtuos intonierte, aber auch selten gehörte Perlen der Hornliteratur. Hier konnte das Publikum alle Dozenten der Horntage, allesamt renommierte Solisten und angesehene Professoren deutscher Hochschulen, live erleben, bis das von Peter Arnold, dem künstlerischen Leiter der Horntage, komponierte Staufener Hornsignal den Startschuss gab für Workshops, Einzelunterricht und Meisterkurse. Vier Tage lang wurde dann in Räumen der Akademie und der Jugendmusikschule den großen Vorbildern und Lehrern nachgeeifert, im Stillen für sich geübt und im Ensemble geprobt.

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"Das ist der beste Hornspieler der Welt", flüsterte der zehnjährige Jona Stiehler aus Karlsruhe in einer Mischung aus Ehrfurcht und Aufgeregtheit. Im Konzert hat er Hermann Baumann bereits einmal erleben können, aber ihm so hautnah zu begegnen, war dann doch etwas Besonderes für den Nachwuchshornisten des Badischen Konservatoriums.

Lorenz Stegemeyer (13) aus Stuttgart und Julius Lehmann (11) sind in dieser Beziehung schon "alte Hasen". Bei ihrer fünften beziehungsweise dritten Teilnahme an den Horntagen fühlten sie sich in der "großen Hornfamilie" aus Amateuren, Studenten und Profis richtig wohl und genossen es, von verschiedenen Lehrern zu profitieren. "Man kann hier von jedem etwas mitnehmen und immer was dazu lernen", freute sich Lorenz Stegemeyer. Während die einen die Fortbildung, andere einfach nur den Spaß am gemeinsamen Musizieren suchten, nutzten wiederum andere das Festival, um sich Konzertliteratur zu erarbeiten und sich auf dem Horn fit zu machen für ein Probespiel zur Bewerbung an einer Musikhochschule oder um eine Orchesterstelle. "Fit for Horn" das bedeutete bei den Horntagen aber auch über die richtige Atemlehre, über Alexandertechnik und Qi Gong die körperlichen Voraussetzungen für das Hornspiel zu schaffen.

Neben der Rundumbetreuung für Hornisten, die vom Einblasen bis zur Instrumentenpflege reichte, boten die Horntage immer auch Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszublicken. Alphornexperte Franz Schüssele machte es möglich. Bei ihm konnten Hornisten das lange Naturhorn ausprobieren, bei dem es gilt, ganz ohne Ventile, nur mit Lippenspannung unterschiedliche Naturtöne zu erzeugen.

"Da hilft nur eine Pause"

Damit hatte Sophie Schreiber, Hornistin beim Jugendblasorchester Baden-Württemberg, keine Probleme. Sie wollte das Alphorn einfach mal ausprobieren und hatte gleich ein Erfolgserlebnis. "Das war ganz gut und gar nicht schwer zu spielen", meint sie. Nur dass der Ansatz viel schneller und ganz plötzlich weg ist, überraschte sie. "Da hilft nur eine Pause", riet Schüssele. Oder der Umstieg aufs Didgeridoo. Mit Hilfe eines speziellen Mundstücks lässt sich das Alphorn nämlich blitzschnell zum Instrument der australischen Ureinwohner umbauen und dafür ist nicht Lippenspannung, sondern genau das Gegenteil gefordert. "Das ist ein toller Sound", fand Schüssele, "und dabei macht ihr gleichzeitig eure Lippen locker und trainiert Ansatz und Atmung fürs Horn". Also doch: einmal Horn, immer Horn? Ja, bei den Schwarzwälder Horntagen schon, aber in allen Facetten.

Autor: Martina Faller