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25. Mai 2016

Leipzig

30.000 Besucher zum Katholikentag erwartet

Der 100. Katholikentag widmet sich vor allem den Themen Rechtsextremismus und Flüchtlinge / Keine AfD-Vertreter auf Podien geladen.

  1. Pavillon auf dem Leuschner-Platz in Leipzig Foto: dpa

LEIPZIG (kna/AFP/kai). Das weitgehend säkulare Leipzig wird von Mittwoch an für fünf Tage zum Zentrum der katholischen Christen in Deutschland. Mehr als 30 000 Besucher werden bis Sonntag zum 100. Deutschen Katholikentag in der Stadt erwartet. Eröffnet wird das Treffen der katholischen Laien am Mittwochabend von Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Fest auf dem Leipziger Markt. Dabei wird sich auch Papst Franziskus zum ersten Mal mit einer Videobotschaft an die Teilnehmer wenden. Bisher war das päpstliche Grußwort nur verlesen worden.

Unter dem Leitwort "Seht, da ist der Mensch" stehen mehr als 1000 Diskussionen, Workshops, Konzerte und Gottesdienste auf dem Programm. Inhaltlich steht den Teilnehmern ein sehr politischer Katholikentag bevor. Innerkirchlichen Reizthemen werden eher eine Nebenrolle spielen, im Fokus stehen aktuelle Themen wie Rechtsextremismus und Flüchtlinge. Auch ein von den Organisatoren, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), für aktuelle Entwicklungen reservierter Termin wurde nun mit einem Podium zu Nationalismus und Rechtspopulismus in Europa belegt.

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Etliche Politiker haben sich zum Katholikentag angekündigt, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD). Abgesagt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie ist beim G-7-Gipfel in Japan. Auch die leitenden Bischöfe der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland werden erwartet. In der sogenannten Leipziger Disputation, einem Streitgespräch in der Tradition Martin Luthers (1483 bis 1546), werden der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, über globale Gerechtigkeit diskutieren.

Für Diskussionen und Streit sorgt indes der Umstand, dass keine Spitzenvertreter der AfD bei den Diskussionsveranstaltungen des Katholikentags vertreten sind. Während es in einigen Medien hieß, dass AfD-Politiker von den Veranstaltungen ausgeladen wurden, sagte ein Sprecher des ZdK auf Anfrage der Badischen Zeitung, dass diese gar nicht erst eingeladen waren.

"Ausgrenzungen haben uns immer nur stärker gemacht", sagte AfD-Vize Alexander Gauland der Zeit-Beilage Christ & Welt in einem Streitgespräch mit Thomas Sternberg, dem Präsidenten des ZdK. Das ZdK veranstaltet den Katholikentag gemeinsam mit dem Bistum Dresden-Meißen. "So einen simplen Fehler hätte ich dem Katholikentag nicht zugetraut", sagte Gauland in dem am Dienstag vorab veröffentlichten Gespräch. Er bekräftigte die Ablehnung der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und kritisierte die Haltung der Kirchen dazu: "Wenn diese Flüchtlingspolitik das Programm der Kirchen ist – dann gebe ich offen zu: Ich bekämpfe das Programm der Kirchen." Die AfD sei keine christliche Partei – "wir sind eine deutsche Partei, die sich bemüht, deutsche Interessen wahrzunehmen", sagte Gauland. Sternberg warf der AfD dagegen vor, es sei unchristlich, Menschen auf ihre nationale Zugehörigkeit zu reduzieren. Er lese das AfD-Programm und finde Ressentiments an jeder Ecke. Menschenverachtende Positionen hätten auf dem Katholikentag keinen Platz.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) forderte dagegen, mit der AfD zu reden und zu streiten. "Problematisches Gedankengut muss man als solches entlarven, im Gespräch und auch auf offener Bühne", sagte Grütters der Zeit. Auf dem Katholikentag werde es darum gehen, "zu zeigen, dass eine Gesellschaft, die sich ihrer Wurzeln und ihrer Identität sicher ist, auch dem Anderen, dem Fremden, Raum geben kann, ohne sich bedroht zu fühlen".

Autor: afp