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07. April 2011

Ermahnungen eines rastlosen Wohltäters

Multimilliardär Bill Gates wirbt bei der Bundesregierung für mehr Engagement in der Entwicklungshilfe – und verzeichnet einen kleinen Erfolg.

  1. Gruppenbild mit Milliardär: Bill Gates mit Aktivisten für Entwicklungshilfe vor dem Brandenburger Tor Foto: DPA

So sehen eigentlich Programme für Staatsbesuche aus: Morgens Empfang beim Bundespräsidenten, Gang zum Brandenburger Tor, dann Gespräch mit der Kanzlerin. Aber der Gast, den Christian Wulff am Mittwoch früh in Schloss Bellevue empfängt, ist kein Staatenlenker, nicht einmal ein Geschäftsmann, sondern genau genommen Privatier. Bill Gates, Gründer einer Softwarefirma und Multimilliardär, hat schon vor einiger Zeit eine weitreichende Entscheidung getroffen: Er hat sich aus dem Business zurückgezogen um etwas anderes zu tun – Gutes.

"Mein Fulltimejob ist jetzt diese Stiftung", sagt er am Mittag in Berlin. Die Bill & Melinda-Gates-Stiftung ist mit einem Kapital von derzeit 36,7 Milliarden Dollar die weltweit größte private Einrichtung dieser Art, und ihr Vermögen wächst und wächst, obwohl jährlich vier Milliarden Dollar investiert werden – vor allem in Entwicklungshilfeprojekte, in den Kampf gegen Aids und in Impfprogramme. Gates verfügt somit über mehr finanzielle Mittel als das Rote Kreuz oder die Weltgesundheitsorganisation.

Das ruft natürlich Kritiker auf den Plan, weil, wer so viel Geld zur Verfügung stellt, auch Einfluss reklamiert und Entscheidungen von großer Tragweite für viele Menschen trifft – eigentlich ist das das Geschäft der Politik. Und genau deshalb öffnen sich für Gates die Türen von Staatsmännern und Regierungschefs – am Tag zuvor war er in Brüssel, ganz früh am Tag hat er mit dem pakistanischen Präsidenten wegen eines Impfprogramms gegen Polio telefoniert. Jetzt ist er in Deutschland.

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Er will hier zweierlei demonstrieren: dass Staaten mehr tun können als bisher. Und dass große Werke auch im Kleinen beginnen können. In Bellevue begrüßt er mit Wulff 20 junge Leute aus der ganzen Republik – sie haben es sich zum Ziel gemacht, gegen Vorurteile über Entwicklungshilfe zu kämpfen. "Living Proof"-Botschafter nennen sie sich, und Miray Erinc (27) gehört dazu. Erinc kommt aus Stuttgart und hat in London Entwicklungswirtschaft studiert. Sie kennt die Klischees: Entwicklungshilfe bringe nichts, das Geld versickere in korrupte Staaten. "Dagegen wollte ich was tun, und erzählen, wie welche Hilfe wirken kann."

Sie ist beeindruckt von Bill Gates. Sie hätte ihm gerne ein paar Fragen gestellt und vielleicht auch ihr persönliches Projekt genauer erläutert – bis Juni will Erinc Menschen in Stuttgart zu ihren Vorstellungen über Entwicklungshilfe befragen. "Und dann knöpf’ ich mir den Nils Schmid vor und berichte ihm darüber, was die Bürger wollen und denken. Wenn er dazu Zeit hat – was ich hoffe."

Doch da ist Gates längst beim nächsten Termin – im Ballsaal eines Luxushotels wollen 500 Geschäftsleute ihm zuhören. Eigentlich soll der Gast hier einen renommierten Preis der amerikanischen Handelskammer entgegennehmen. Das tut er dann auch, schnappt das Plexiglasviereck und lächelt freundlich in die Kameras. Aber eigentlich ist er hier in seiner Mission: Bevor die Damen und Herren im Publikum zu Hummer und Bisonfilet gelangen, sollen sie sich anhören, wie es so ist in der Welt: Dass alle Kinder gegen tödliche Krankheiten geimpft werden könnten, wenn Länder wie Deutschland wirklich 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts in Entwicklungshilfe stecken würden. Dann gäbe es auch Moskitoschutz und sauberes Wasser für alle.

Man kann annehmen, dass er auch im Gespräch mit Angela Merkel genau über diese 0,7 Prozent redet. Derzeit liegt Deutschland bei etwas mehr als der Hälfte dieser Quote und damit weit hinter diesem für 2015 selbst gesteckten Ziel zurück. Doch eine Zusage sowie einen Scheck nimmt Gates mit aus Deutschland: Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) unterzeichnet eine Vereinbarung über eine engere Zusammenarbeit – und verspricht 14 Millionen Euro für die internationale Impfinitiative GAVI (Global Alliance for Vaccination and Immunization). Gates, der in solchen Fällen die Summe verdoppelt, würde vielleicht sagen: Das ist doch mal ein Anfang.

Autor: Katja Bauer