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03. April 2010
LESETIPPS
Bücher über Helmut Kohl? Wer viel Zeit hat und wem vor allem an der Sicht des Altkanzlers selbst gelegen ist, der kann sich bekanntlich inzwischen durch ein paar tausend Seiten Kohlscher Erinnerungen kämpfen. Wer es lieber knapper und vor allem objektiver mag, für den gibt es pünktlich zum runden Geburtstag
zwei neue Biographien. "Helmut Kohl" heißen alle beide. Wobei das Buch des Fernsehjournalisten Heribert Schwan und seines Co-Autors Rolf Steininger noch mit dem Zusatz "Virtuose der Macht" versehen ist. Und diese Ergänzung ist Programm. Wer das Buch liest, bemerkt rasch, wie sehr beide Autoren fasziniert sind vom Gegenstand ihrer Betrachtung. Darunter leidet zuweilen der kritische Blick. Aber dafür erfährt der Leser einiges über den Menschen Helmut Kohl. Außerdem wird gründlich herausgearbeitet, wie Kohl als Bundeskanzler die deutsche Einheit vorangetrieben hat. Ein (lohnender) Schwerpunkt des Buches.
Beim anderen Autoren-Duo wird schon anhand der Viten klar, dass hier eine größere Distanz zu Kohl zu erwarten ist. Sowohl Hans-Joachim Noack als auch Wolfram Bickerich arbeiteten viele Jahre lang für den Spiegel. Dass das Hamburger Nachrichtenmagazin Kohls Karriere eher kritisch begleitete, ist genauso bekannt wie der Umstand, dass Kohl selbst das Blatt und seine Macher zumindest phasenweise verachtet hat.
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Im Rückblick kann bei Noack/Bickerich von Verachtung für Kohl keine Rede sein. Gleichwohl zeichnen sie Kohls Lebensweg vom jungen Parteirabauken bis zum politischen Denkmal, das sich dann allerdings selbst zertrümmert, anschaulich und spannend nach. Beweihräucherung ist ihre Sache nicht, Abrechnung auch nicht. Recht respektlos nehmen die Autoren manchen Lapsus des oft Unterschätzten aufs Korn; etwa die unsägliche Bitburg-Zeremonie mit US-Präsident Ronald Reagan. Aber sie würdigen auch Kohls Erfolge als Staatsmann, die bekanntlich durch sein Agieren in der CDU-Spendenaffäre zeitweise verdunkelt wurden. Das Nicht-Loslassen-Können von der Macht, die von Kohl mit erzwungene Demontage Wolfgang Schäubles, all das sind eindringliche Schilderungen aus dem Leben eines Großen mit Licht und Schatten.
– Hans-Joachim Noack, Wolfram Bickerich: Helmut Kohl. Die Biographie. Rowohlt Berlin, 304 Seiten, 19,95 Euro.
– Rolf Steininger, Heribert Schwan: Helmut Kohl. Virtuose der Macht. Artemis & Winkler, 336 Seiten,
19,90 Euro.
Autor: thf


