Studie

Mehr Gewalttaten durch Asylbewerber

KNA/dpa

Von KNA & dpa

Mi, 03. Januar 2018 um 21:29 Uhr

Deutschland

Vor allem durch junge, männliche Asylbewerber ist es nach einer Studie zwischen 2014 und 2016 zu einem spürbaren Anstieg von Gewalttaten gekommen. Was kann der Staat tun?

Die vom Kriminologen Christian Pfeiffer geleitete Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hat dazu die Lage in Niedersachsen analysiert.

Laut Kriminalstatistik stieg die Zahl der polizeilich registrierten Gewalttaten in dem Bundesland zwischen 2014 und 2016 um 10,4 Prozent. Zu 92,1 Prozent sei diese Zunahme Asylbewerbern zuzurechnen, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie "Flüchtlinge in Niedersachsen als Täter und Opfer von Gewalt". Insgesamt fast jede achte Gewalttat rechnet die Polizei Migranten zu, die entweder Asyl beantragt, Schutz erhalten haben, als Schutzsuchende abgelehnt wurden oder zur Gruppe mit "unerlaubtem Aufenthalt" zählen. Diese Gruppen fallen damit deutlich häufiger als Verdächtige einer Gewalttat auf, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.

Allerdings weisen die Autoren Vorwürfe einer pauschal höheren Kriminalitätsneigung von Asylbewerbern zurück. Der höhere Anteil sei auch damit zu erklären, dass es sich zu einem großen Teil um junge Männer in der Altersspanne handele, in der Menschen verstärkt straffällig würden. Auch die Unterbringung von Asylbewerbern unterschiedlicher Herkunft und Religion in beengten Unterkünften begünstige Gewalt. Zudem würden Delikte dieser Tätergruppen verstärkt angezeigt.

Als weitere Faktoren, die Gewaltkriminalität fördern, werden "Männlichkeitsnormen", die Gewalt legitimieren, genannt sowie eine fehlende "zivilisierende Wirkung", die von Frauen ausgehe. Pfeiffer hält die Idee des Familiennachzugs deshalb für "nicht dumm".

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) plädierte als eine Konsequenz für eine zügige und menschliche Regelung beim Familiennachzug. Die Studie mache deutlich, wie wichtig Frauen für eine gelingende Integration seien.

Die Unterschiede zwischen den Herkunftsländern sind laut Studie groß. So fielen Syrer, Iraker und Afghanen deutlich seltener auf; Menschen aus den nordafrikanischen Ländern Marokko, Algerien und Tunesien hingegen besonders oft. Letztere stellten 2016 nur 0,9 Prozent der in Niedersachsen registrierten Asylbewerber, aber 17,1 Prozent der Tatverdächtigen. Die Kriminologen sehen einen der Gründe in der Perspektivlosigkeit in dieser Gruppe, die überwiegend aus Männern zwischen 14 und 30 Jahren bestehe. Demgegenüber verhielten sich Kriegsflüchtlinge relativ angepasst: "Wer als Kriegsflüchtling für sich gute Chancen sieht, in Deutschland bleiben zu dürfen, wird bemüht sein, diese Aussichten nicht durch Straftaten zu gefährden."

Nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) macht die Studie die Dringlichkeit einer gezielten Prävention deutlich. Es sei wichtig, für junge Flüchtlinge mehr verpflichtende Sprachkurse, Praktika oder Betreuungskonzepte aufzulegen, sagte GdP-Chef Oliver Malchow.

Bei den vorsätzlichen Tötungsdelikten der tatverdächtigen Asylbewerber wurden in Niedersachsen nur zu 8,9 Prozent deutsche Opfer registriert, bei gefährlichen und schweren Körperverletzungen zu 25,8 Prozent. Die übrigen Opfer waren meist ebenfalls Asylbewerber, diese Taten hätten vermutlich mit den beengten Wohnverhältnissen in Heimen und ethnischen und religiösen Spannungen dort zu tun, heißt es. Bei Raubdelikten waren es zu 70,3 Prozent deutsche Opfer, bei Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen zu 58,6 Prozent.

Gleichzeitig verzeichnet die Studie zwischen 1998 und 2015 einen starken Rückgang der Jugendkriminalität. Bei den 18- bis 21-Jährigen zum Beispiel ging die Zahl der Tatverdächtigen pro 100 000 Personen der jeweiligen Altersgruppe von 2008 bis 2015 um 31 Prozent zurück.