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01. April 2017

Psychotherapie

Therapeuten müssen Sprechstunden anbieten

Verband: Wartezeiten bleiben.

BERLIN. Von April an müssen Psychotherapeuten mindestens 200 Minuten in der Woche direkt telefonisch erreichbar sein und zudem eine allgemeine Sprechstunde von mindestens 100 Minuten anbieten. Damit soll erreicht werden, dass Menschen mit psychischen Beschwerden kurzfristig therapeutische Beratung bekommen. Weil aber die Zahl der Therapeuten nicht steigt, werden viele Patienten nach Einschätzung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) im Anschluss an die Sprechstunde weiter lange auf den Beginn einer Behandlung warten.

In der Sprechstunde soll der Patient beispielsweise erfahren, wie stark seine Beschwerden einzuschätzen sind, ob er eine Akuthilfe oder eine Überweisung ins Krankenhaus braucht, ob Einzel- oder Gruppentherapie für ihn ratsam sind. Die BPtK begrüßt die Einführung von Sprechstunden ausdrücklich: "Wer künftig zu uns kommt, weiß dann rascher als bisher, ob er an einer psychischen Erkrankung leidet und ob er eine Psychotherapie oder andere Hilfen benötigt.

Kurzfristige Hilfe in akuten Krisen

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"Menschen in akuten Krisen können wir kurzfristig mit der neuen Akutbehandlung Hilfe anbieten", heißt es in einem Schreiben von Kammerpräsident Dietrich Munz an die Mitglieder. Die Akutbehandlung, die als mindestens 25-minütige Einzeltherapie angelegt ist, soll Patienten dienen, die andernfalls vielleicht schwerer erkranken oder arbeitsunfähig würden. Auch soll sie vermeiden, dass ein psychisches Leiden chronisch wird. An die Akutbehandlung kann sich eine Kurzzeit- oder Langzeittherapie anschließen. Die Kurztherapie umfasst in zwei Abschnitten je zwölf Stunden. Für die Langzeittherapie gelten – je nachdem, ob es sich dabei um Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie oder analytische Therapie handelt – Stundenkontingente von 60 bis 160 Stunden (Erwachsene in Einzeltherapien).

Die BPtK betont, das neue Verfahren verkürze nur die Wartezeit auf den ersten Kontakt mit einem Therapeuten. Damit erhöhe sich aber deren Zahl nicht: "Viele Patienten werden im Anschluss an die Sprechstunde weiterhin lange warten müssen, bis sie eine ambulante Psychotherapie beginnen können." Die Ursache: Die räumliche Verteilung der Therapeuten im Bundesgebiet ist sehr ungleichmäßig, neben dicht besetzten Gebieten gibt es Regionen mit nur wenigen Praxen.

Von April an können sich Kassenversicherte auch an die so genannte Terminservicestelle wenden, wenn sie in die Sprechstunde gehen wollen oder wenn ihnen dort eine Akutbehandlung empfohlen worden war. Diese Stelle soll für sie binnen vier Wochen einen Termin beim Psychotherapeuten finden.

Autor: Bernhard Walker