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31. Oktober 2008

Die Drei-Millionen-Marke ist unterboten

Der Arbeitsmarkt trotzt noch allen Krisen, aber viele Firmen kündigen einen Jobabbau an / Die Politik reagiert und will ein Schutzschirm für Arbeit spannen

NÜRNBERG/BERLIN (dpa/ddp/bür). Es ist eine Superzahl, von der frühere Bundesregierungen nicht einmal zu träumen wagten – dennoch bleibt die Freude an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit verhalten: Auch wenn die Arbeitslosenzahl mit 2,997 Millionen Erinnerungen an den Wiedervereinigungsboom weckt, droht der Arbeitsmarkt bald von der konjunkturellen Talfahrt und den Turbulenzen an den Finanzmärkten eingeholt zu werden.

Allein der Umstand, dass der Stellenmarkt stets träge auf das Auf und Ab der Konjunktur reagiert, hat ihn laut Experten bisher vor einem Abschwung bewahrt. Fachleute geben den Zahlen wegen der durch die Finanzkrise verschärften Wirtschaftsflaute eine Halbwertszeit von wenigen Monaten. Zuerst werde der Winter die Arbeitslosigkeit nach oben treiben, bevor die Konjunkturflaute den Jobboom im Frühjahr abwürgen werde.

Dennoch räumen selbst Skeptiker mehrere Besonderheiten des zu Ende gehenden Jobbooms ein. Zum einen dauerte er mit fast vier Jahren so lange wie kaum ein anderer Aufschwung in den zurückliegenden Jahrzehnten. Zum anderen brach er mit einer besorgniserregenden Serie: Hatte in allen Aufschwungphasen der niedrigste Stand der Arbeitslosigkeit stets über dem entsprechenden Niveau des vorangegangenen Aufschwungs gelegen, fiel die Arbeitslosigkeit in der aktuellen Boomphase deutlich unter den Tiefststand des Aufschwungs von 2001. Arbeitsminister Olaf Scholz sieht darin – gegen alle Schwarzmalerei – "ein trotziges Signal der Zuversicht". Der Sozialdemokrat selbst will von Pessimismus nichts wissen. Dennoch kündigte er im Rahmen des geplanten Konjunkturpakets einen von ihm sogenannten Schutzschirm für Arbeit an. Wer Kurzarbeiter wird, soll 18 statt wie bisher zwölf Monate lang staatliches Geld bekommen. Den Arbeitgebern solle so in der Flaute die Möglichkeit gegeben werden, ihre Belegschaften zu halten statt zu entlassen. Vom Koalitionspartner, der Union, kommt Zustimmung.

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Auch soll laut SPD die Arbeitsvermittlung gestärkt werden. Bundesweit sollen 2900 zusätzliche Arbeitsvermittler tätig werden. Mittelständische Betriebe sollen flächendeckend bei der Qualifizierung ihrer Beschäftigten unterstützt werden, indem Kosten der Weiterbildung übernommen und ausgefallene Arbeitszeit ersetzt werden. Die Kosten für Haushaltshilfen und Handwerker sollen zudem stärker von der Steuer abgesetzt werden können.

Welche Probleme auf den Arbeitsmarkt zukommen, deuten viele schlechte Meldungen aus den Firmen an. Der Autozulieferer Continental will sich nach einem Gewinneinbruch laut FAZ bis zum Jahresende von 5000 Leiharbeitern trennen und 1000 offene Stellen in Deutschland nicht mehr besetzen. 2009 sollen Werke geschlossen werden. Dem Münchner Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN gehen die Aufträge aus. Der Großteil der 3400 Leiharbeiter muss deshalb gehen. Der Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck will 2500 der 20 000 Stellen streichen, die meisten an den nordbadischen Standorten Heidelberg und Walldorf-Wiesloch. Es soll Kündigungen geben. Der weltgrößte Chemiekonzern BASF stellt sich auf weniger Gewinn ein. Bis 2012 sollen weltweit mehr als 1000 Jobs gestrichen werden.

Autor: ddp