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23. November 2014 14:52 Uhr

Glosse

Die Genderforschung ist erneut erschreckend produktiv

Wieder gibt es Neues aus der Genderforschung! Eine Professorin macht sich dafür stark, statt von Studenten und Studentinnen von Studierx zu sprechen. Was kommt als nächstes?

  1. Wer nicht als Sexistenschwein gelten will, sollte sich an die neusten Sprachtrends anpassen. Foto: dpa

Gerade erst hatten sich Schreibende mühsam antrainiert, nicht mehr gedankenlos über Sexisten zu schreiben, sondern über Sexisten und Sexistinnen, Sexist*innen, Sexist/innen, Sexist/-innen, SexistInnen oder Sexist_innen. Ist alles überholt! Aufgeklärte Schreibkräfte denken erneut um.

Heutzutage soll sich ja immer und überall in der Sprache ausdrücken, dass es Menschen gibt, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen. Die als Antje Hornscheidt geborene Linguistin Lann Hornscheidt von der Humboldt-Universität in Berlin zum Beispiel macht sich nun dafür stark, statt von Studenten und Studentinnen von Studierx zu schreiben. Ausgesprochen wird das wie die alten Gallier – also wie Asterix. Der Plural von Studierx heißt Studierxs. Ist doch ganz einfach!

Hornscheidt empfiehlt in dem von einem Autorenkollektiv namens "AG Feministisch Sprachhandeln" verfassten Ratgeber mit dem Titel "Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit": Es dürfe auch von Studier* (Plural: Studier**) geschrieben werden. In Ordnung sei es auch, wenn man Menschen, die in der Mensa der Uni arbeiten, als Mitarbeita und Mitarbeitas tituliert.

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Solch eine Sprache kannte man vorher nur von Gangsta-Rappern aus Neukölln. Jetzt hält sie Einzug in den elaborierten Code der Akademiker. So geht Integration! Lann Hornscheidt lässt sich übrigens nach eigenem Bekunden nicht als Mann oder Frau, aber mit dem Titel Professx ansprechen.

Wem das alles zu verkopft ist, kann es auch einfach halten, ohne gleich als Sexistenschwein beschimpft zu werden. In letzter Zeit liest man vorwiegend im Internet so etwas: "Hat 1 meinen entlaufenen Kater gesehen?" Die Enttäuschung ist zwar groß, wenn 0 den Kater gesehen hat, aber wenigstens ist in diesem Schriftwechsel niemandem eine Diskriminierung vorzuwerfen. 1 und 0 – das kann jede Person sein. Nicht nur Google und die NSA wissen, dass eine Gesellschaft ohnehin nur aus Einsen und Nullen besteht.

Autor: bür