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18. August 2012

Die Headhunter sind hinter ihm her

Für Helmut Reif sieht Ruhestand noch wie Urlaub aus / Für die Zukunft hat der Projektleiter aber auch ehrenamtliche Pläne.

  1. Helmut Reif verabschiedet sich Schritt für Schritt vom Kraftwerk. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. 1. August war Stichtag. Aber das bewährte Duo Helmut Reif und Energiedienst besteht in lockerer Form weiter. Der Projektleiter fühlt sich in die ungewohnt neue Rolle als Jungpensionär schrittweise ein. "Es ist momentan wie Urlauben", meint der gebürtige Franke lächelnd und gibt zu verstehen, dass er die neue persönliche Freiheit "noch nicht ganz realisiert" hat. Das ist auch nicht verwunderlich.

Vor wenigen Tagen hat der Maschinenbauingenieur noch und unter Hochdruck seine Arbeitskraft verwendet, um das neue Kraftwerk und die Rheinufergestaltung als Meisterwerk zu vollenden. Der Pavillon als Glanzstück am Ufer ist der Öffentlichkeit übergeben und ein Erfolg. Doch der 64-Jährige, der seit 1988 bei KWR und danach bei Energiedienst die Verantwortung für die Neubauprojekte trug, gehört nicht zu denen, die aus dem Beruf gehen, weil die Zeit für den Ruhestand reif ist. Ein paar "Restpunkte" meint er, will er in den nächsten Wochen noch abarbeiten. Da spricht einer, der für Perfektion steht, aber auch Verantwortung für die "Mannschaft" und das Projekt empfindet.

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Während der Planung nach 1988 und später in der Bauphase der Wehranlagen und nach 2005 des neuen Wasserkraftwerks sind Helmut Reif und das Projekt in der Öffentlichkeit eins geworden. Der joviale Franke, der mit seiner Frau Isa-Ruth seit 1988 am Hochrhein lebt, hat es in unzähligen Führungen und Sitzungen stets verstanden, Besuchern Technik und Technologie des 350 Millionen Projekts begeisternd zu vermitteln. Im Rückblick zeigt er sich dankbar für das "wahnsinnige Vertrauen" seiner Vorgesetzten in seine Arbeit. Mit der Strategie, alle Probleme auf den Tisch zu bringen, sei er stets gut gefahren. Reif hat sich in der Führungsrolle des Projektleiters als Teamplayer verstanden.

Er strebte Konsenslösungen an und konnte sich für Millimeterarbeit engagieren, etwa beim Einbau der gewaltigen Turbinen. Dass der Lenkungsausschuss auf einer Wellenlänge agierte, passte da. Keine Frage: Einer wie er macht keine halben Sachen und betreibt sein Lebenswerk voll und ganz. Die Chance für den Maschinenbauingenieur kam zum richtigen Zeitpunkt: Reif war damals 39 Jahre alt. Im Rückblick sagt er aber auch: "Man muss die Aufgabe auch erfüllen können". Diese Herausforderung hat er angenommen und keinen Einsatz gescheut. Lachend meint er: "Man sieht schon, dass das Projekt mich alt gemacht hat". Denn: "Mit 50 Stunden in der Woche kommen Sie nicht raus".

In der heißen Phase war er ständig im Dienst oder in Bereitschaft, der Sonntag selbstverständlich Arbeitstag. Auf sein Team hält der Pragmatiker große Stücke und von klaren Leitzielen viel. Das gilt auch für das Aufstieg- und Laichgewässer, das als ökologische Ausgleichsmaßnahme für den tiefgreifenden Eingriff in die Felslandschaft des Flusses beim Kraftwerkbau entstand. "Mit wenigen Ideen viel Erreichen" für die Natur hat er sich zum Handlungsprinzip gemacht. Jetzt freut er sich übers Ergebnis. Schon 1988 war ihm klar: "Wir müssen größer bauen, damit der Lachs eine Chance hat." Dass die ersten aufgestiegen sind, bestätigt die Theorie in der Praxis. "So viel Glück kann man im Leben gar nicht haben", freut er sich.

Der Hochrhein wird Reifs Heimat bleiben. Als Leistungsträger eines Vorzeigeprojekts für saubere Energie und Ökologie fand er in den vergangenen Jahren keine Zeit für Extras. Weder für das Motorradfahren noch für ehrenamtliche Engagements. Beides kann er im Ruhestand nachholen. Denn seine BMW hat er in diesem Jahr "erst zwei Mal bewegt". Weil er in der öffentlichen Wahrnehmung immer der "Reif von Energiedienst" war, konnte er eine "persönliche Meinung" nicht äußern, meint er rückblickend. Das kann sich ändern. Nach 24 Jahren im Unternehmen wird er zwar noch ab und an Vorträge halten. Einer ist im September in Berlin, es geht um ökologische Maßnahmen beim Kraftwerksbau. Auch Vorlesungen im Wasserbauinstitut der Uni Stuttgart einmal im Jahr sind geplant. Wenn er wollte, könnte er seine berufliche Erfahrung noch weiter nutzen. Die erfolgreiche Arbeit beschert ihm "viele Headhunter-Anfragen". Aber das ist kein Thema für ihn. Er lacht, wenn er sich überlegt, dass er jetzt morgens schon sagen kann: "Ich habe mein Geld schon verdient für heute".

Ehrenamtlich wird mit ihm aber weiter zu rechnen sein. Wenn die Bürgerstiftung die Adelbergkirche übernimmt, steht Helmut Reif schon gedanklich als Bauleiter bereit.

HELMUT REIF (64)

in Pegnitz/Oberfranken geboren.

Nach Maschinenbaustudium Planer für Chemieanlagen, danach bei ABB Mannheim für Planung Großdampfturbinen, Projektleiter verschiedener Großkraftwerke, seit 1998 bei KWR/Energiedienst.  

Autor: ibö

Autor: Ingrid Böhm-Jacob


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