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22. Januar 2017 14:59 Uhr

Neujahrsempfang Efringen-Kirchen

Selbstbewusst und besonnen ins neue Jahr

In seiner Rede beim Neujahrsempfang am Freitagabend forderte Bürgermeister Philipp Schmid die gut 300 Besucher dazu auf, selbstbewusst und zuversichtlich ins neue Jahr zu starten

  1. Gut besucht war der Neujahrsempfang Efringen-Kirchen. Foto: Herbert Frey

  2. Auch junge Gäste waren vertreten. Foto: Herbert Frey

  3. Bürgermeister Philipp Schmidt bei seiner Rede. Foto: Herbert Frey

  4. Sänger und Sängerinnen gestalteten das Rahmenprogramm. Foto: Herbert Frey

In seiner Rede beim Neujahrsempfang am Freitagabend forderte Bürgermeister Philipp Schmid die gut 300 Besucher dazu auf, selbstbewusst und zuversichtlich, aber immer auch mit einer gebührenden Portion Selbstreflexion, ins neue Jahr zu starten, in dem er große Herausforderungen auf das Gemeinwesen zukommen sieht. Für seine starke, pointierte Rede, in der er auch klare Worte der Kritik an Bund und Land fand, erhielt das Gemeindeoberhaupt viel zustimmenden Beifall.

Natürlich diente die Rede dazu, Bilanz zu ziehen und Ausschau zu halten. Dabei kehrte Philipp Schmid die übliche Gewichtung aber um.

Die Rede
Seines Erachtens sei "die Beschäftigung mit der Zukunft derzeit drängender als ein längerer Jahresrückblick", so Schmid, denn die globalen Veränderungen würden 2017 auch das Zusammenleben vor Ort verändern. Da ist zum einen der Klimawandel, der am 25. Juni 2016 zu einem verheerenden Starkregen geführt hat. Mehr als 100 Einsätze habe die Feuerwehr autark abgearbeitet, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen sei – eine bewundernswerte Leistung, wie nicht nur Schmid fand. In der Folge habe der Gemeinderat ein Konzept auf den Weg gebracht, das aufzeigen soll, wie solchen Wetterphänomenen, die auch Bauprojekte wie etwa die Errichtung des neuen Sportheimes lahmlegen können, künftig zu begegnen sei. Schmid freute sich über viele positiv abgeschlossene Projekte, die er kurz streifte und darüber, dass hinsichtlich der Flüchtlingsaufnahme "die anfängliche Aufgeregtheit und Erregungsbereitschaft Einzelner" einer "angemessenen Ruhe und Besonnenheit" gewichen sei.

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Er verhehlte nicht, dass sich die unter hohem Zeit- und Erwartungsdruck initiierte Gemeindebuslinie 14 "als echter Flop" erwiesen habe, aus dem man aber Lehren gezogen und das Modell eines flexibleren Bürgerbusses entwickelt habe.

Beim Ausblick auf 2017 betonte Schmid die Komplexität und Verzahntheit von Aufgaben wie der Schaffung von zusätzlichem Wohnraum und sozialer Infrastruktur. Weitere Flüchtlingszuweisungen und die Tatsache, dass die hiesige Grenzecke eine Zuzugsregion sei, würden gewaltige Anstrengungen verlangen, so Schmid. Dabei plädierte er dafür, die Schaffung von Wohnraum nicht ausschließlich dem freien Markt zu überlassen, denn dann entstünden vor allem Wohnungen im gehobenen Preissegment. Deshalb habe der Gemeinderat weitblickend entschieden, gemeinsam mit Wohnbaugesellschaften und Projektentwicklern Möglichkeiten für sozialen Wohnungsbau auszuloten und eigene Gebäude so zu planen, dass sie sich zur Mehrfachnutzung als Flüchtlingsunterkunft und Wohnraum für sozial Benachteiligte eignen. In diesem Zusammenhang strich er heraus, "dass es uns gelungen ist, die Zuweisungen für 2016 erst einmal komplett über private Anmietungen unterzubringen". Nur dadurch habe man eine Belegung von gemeindeeigenen Gebäuden und Mehrzweckhallen vermieden. Dafür dankte er den Vermietern.

Sowohl, was die Schaffung von Wohnraum anbelangt, also auch bei der Bereitstellung weiterer Betreuungs- und Unterrichtsplätze sah Schmid die Tendenz, dass Land und Bund sich nicht nur finanziell aus der Verantwortung stehlen, sondern die Kommunen zusätzlich mit "völlig überzogenen Anforderungen an die Bauausführung" oder mit "aus Ideologiegründen durchgepeitschten Pädagogikreformen" gängeln. Er hoffte, dass die Politiker im Wahljahr 2017 der Versuchung, lieber "Bundes- und Landeshaushalte schwarz zu rechnen", anstatt den Kommunen zu helfen, nicht nachgeben.

Auch die flächendeckende Breitbandversorgung sah der Rathauschef nicht unbedingt als kommunale Aufgabe an. Gleichwohl sei die Reblandgemeinde hier sehr gut aufgestellt, so dass es 2017 mit dem Anschluss an die Datenautobahn losgehen könne.

Mit zwei persönlichen Anmerkungen schloss Schmid seine Rede: Er wünschte sich, dass man sich in Efringen-Kirchen in der politischen Auseinandersetzung vom unwürdigen Umgang miteinander, wie er sich in den sogenannten sozialen Medien immer stärker manifestiere, niemals anstecken lassen möge. Außerdem dankte er dafür, dass seine Familie vor Ort so offen und freundlich aufgenommen wurde.

Der Rahmen
Mit weißem Tuch umhüllte Stehtische, atmosphärisch ansprechende Lampions anstelle des grellen Hallenlichtes, aufmerksam mit Gugelhupf, Speckwaie und Getränken von Tisch zu Tisch gehende Aktive der Trachten- und Volkstanzgruppe Egringen und ein bestens aufgelegter Sängerbund mit Dirigent Erhard Zeh an der Spitze (am Klavier begleitet von Sylke Mehnert) sorgten dafür, dass sich die Gäste rundum wohl fühlten. Selbst die Spitze des Turn- und Sportvereines zog es zum Anpfiff des Bundesligaspiels Freiburg gegen Bayern nicht aus der Halle.

Die Gäste
Lang war die Liste der Ehrengäste, die Bürgermeister Schmid begrüßen konnte. Neben Bundespolitiker Armin Schuster (CDU), dem Landtagsabgeordneten Josha Frey (Grüne) und Landrätin Marion Dammann waren dies zahlreiche Behördenvertreter. Einige waren erstmals in ihrer aktuellen Funktion dabei: So etwa die neuen Geschäftsführer der beiden größten Arbeitgeber in der Gemeinde, Hagen Rüdlin (Bezirkskellerei) und Oliver Arts (Kalkwerk) sowie der Direktor des Euroairports Basel-Mulhouse, Matthias Suhr. Natürlich machten auch viele Gemeindeoberhäupter der Umgebung Schmid ihre Aufwartung.

Die Ehrungen
Er freue sich, dass es in der Reblandgemeinde so viele Talente und ehrenamtlich stark Engagierte gebe, sagte Schmid. Unter den Geehrten ragten Helga Sieglin, Michael Schittenhelm und Dr. Reinhard Knorr heraus, die die Landesehrennadel verliehen bekamen (wir berichten noch).

Autor: Herbert Frey