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30. November 2015

Üben, damit es im Ernstfall klappt

Beim Katzenbergtunnel fand die zweite große Rettungsübung statt, fast 500 Menschen waren daran beteiligt.

  1. Der Winzerfestplatz wurde zum Behandlungsplatz. Die Zelte, in die die „Verletzten“ gebracht wurden, wurden beheizt. Foto: Langelott

  2. Alle beteiligten Kräfte nahmen die Rettungsübung im Katzenbergtunnel sehr ernst. Daher durften auch Medienvertreter nicht in die Röhre mit dem „brennenden“ Zug gehen. Steffen Lampe von der Firma Gruner, die die Übung vorbereitet hatte, stellte der BZ sein Foto (links) zur Verfügung. Zuggäste wurden über den nächsten Querschlag in die „gesunde“ Röhre gebracht. Drucklüfter sorgten dafür, dass durch die Schleusen kein Rauch in die gesunde Röhre zog. Foto: Steffen Lampe

  3. Foto: Langelott

EFRINGEN-KIRCHEN. Fast 500 Menschen waren am Samstag an der großen Rettungsübung im Katzenbergtunnel beteiligt: 173 Feuerwehrleute und 126 Rettungsdienstkräfte aus den Landkreisen Lörrach und Müllheim, 149 Freiwillige, die im Übungszug mitfuhren, der um 12.30 Uhr in Basel startete und kurz später im Tunnel steckenblieb, zudem Mitarbeiter der Bahn und Beobachter von Behörden und Rettungsdiensten aus dem benachbarten Ausland. Zwischen 12.30 Uhr und 16 Uhr war der Zugverkehr durch den Tunnel komplett gesperrt.

Vorbereitet worden war die Übung im Auftrag der Bahn von der Schweizer Firma Gruner. Sie hatte die Beteiligten eingeladen und das Übungsszenario ausgearbeitet, und sie wird auch die Übung auswerten, damit die Rettungsdienste daraus ihre Schlüsse ziehen können. Bei der Übung selbst freilich war die Firma Gruner ausschließlich Beobachterin.

In einem waren sich alle einig, die schon bei der ersten großen Tunnelrettungsübung 2012 dabei waren, ob als Retter oder Statist: Die Abläufe waren diesmal wesentlich reibungsloser, vieles lief runder, Fehler von damals wurden vermieden. "Keine Frage, aus der letzten Übung wurde gelernt", meinte auch eine DRK-Mitarbeiterin. Freilich gab es nun wieder neue Unwägbarkeiten. Das erste Unvorhergesehene kam gleich zu Anfang. Die Übermittlung der Nachricht von der Bahn an die Rettungsleitstelle, dass der Strom im Tunnel abgeschaltet und die Leitungen geerdet sind, dauerte ein paar Minuten länger als gedacht. Die Rettungskräfte mussten warten. Die zweite Verzögerung entstand laut Hildolf Schwald von der Feuerwehr, der die Betreuung der beobachtenden Gäste übernommen hatte, weil der Übungs-ICE nicht genau dort hielt, wo er laut Szenario hätte halten sollen. Viele "Kleinigkeiten" sollten folgen. Einer Statistin fiel etwa auf, dass es doch etwas dauerte, bis sich jemand um die mit dem Bus aus dem Tunnel geholten, unverletzten Fahrgäste kümmerte. Ein DRK-Helfer bemängelte, dass die für die "Verletzten" ausgefüllten Zettel alle nach unterschiedlichem System ausgefüllt wurden.

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Für alle beteiligten Rettungskräfte stand fest, dass derlei Übungen wichtig sind, um Abläufe zu üben, aber auch, um Kontakte zu pflegen. Bezirksbrandmeister Thomas Finis erinnerte im Gespräch an die Rettungsdienstweisheit von den drei "K": "In Krisen muss man Köpfe kennen." Die Übung diente nicht zuletzt auch dem Kennenlernen Verantwortlicher "Köpfe".

Die Bahn selbst war mit mehreren Mitarbeitern vertreten, allen voran die Notfallmanager, die in 30 Minuten an jedem Notfallort sein müssen. Hildolf Schwald merkte indes an, dass "wer sich nicht selbst retten kann, im Brandfall im Tunnel wohl schlechte Karten hat". Schwald betonte aber, dass ein Stehenbleiben eines brennenden Zugs im Tunnel all der Sicherheitsvorkehrungen wegen unwahrscheinlich ist. Mit vor Ort am Rettungsplatz war auch Bürgermeister Philipp Schmid. Zu sehen war auch ein Vertreter des Kreisverbindungskommandos Lörrach der Bundeswehr, Joachim Stoye. Im echten Katastrophenfall müsse die Bundeswehr auch vor Ort sein, um abzuschätzen, ob die Hilfe der Bundeswehr nötig sei, erklärte er.

Autor: Victoria Langelott