Veranstaltungen werden zum Konfliktstoff

Marco Schopferer

Von Marco Schopferer

Mi, 05. April 2017

Efringen-Kirchen

Die Muettersproch-Gsellschaft Dreiländereck ist verärgert über die rigide Linie des Dachverbands.

WINTERSWEILER (mfs). Die Muettersproch-Gsellschaft Dreiländereck pflegt einen regen gesellschaftlichen Austausch, organisiert monatliche Treffs, Ausflüge, doch nun droht der Ortsgruppe, dass ihr aus Freiburg der Geldhahn zugedreht wird. Bei der Ortsgruppe ist man verärgert über eine Vorgabe der Mutterorganisation. Wer nicht mindestens eine größere Veranstaltung jährlich für ein breiteres Publikum organisiert, beispielsweise eine alemannische Nacht, muss mindestens drei kleinere Veranstaltungen wie einen Mundarttreff organisieren. Wer nicht bis zum 28. Februar den Veranstaltungsbericht des Vorjahres an die Verbandskassiererin geschickt hat, läuft Gefahr, dass die Regionalgruppe ohne finanzielle Zuweisungen ausgeht.

Pro Mitglied stehen der Ortsgruppe eigentlich drei Euro pro Jahr für ihre Arbeit zu. Bei ihrer Generalversammlung zeigte man sich verschnupft über den als autoritär empfundenen Ton aus Freiburg. In den letzten fünf Jahren wurden bereits die Gruppen "Dreisamtal" , Schimberg-Batzenberg" und "Nonnenhorn" aufgelöst und mit Nachbargruppen verschmolzen. Verschmelzungen soll es künftig nicht mehr geben, nur noch fünf Bereiche soll es zwischen Offenburg, dem Schwarzwald und dem Bodensee geben. Die Ortsgruppe "Dreiländereck" soll mit dem Namenszusatz "Markgräflerland" und "Hochrhein" organisiert werden, so zumindest die Perspektive. Die größeren Einheiten sollen sich besser bei Stadtfesten oder Ortsjubiläen präsentieren können. Ortsgruppenleiter Hanspeter Kilchling machte im Gasthaus "Engemühle" in Wintersweiler deutlich, dass er vor allem mit der Androhung aus Freiburg, den Geldhahn zuzudrehen, "nicht einverstanden" ist und stellte klar: "Dann ist Schluss mit lustig, dann gebe ich mein Amt ab". Kassierer Manfred Wagner kündigte an, es ihm gleichzutun.

Dabei hat die Dreiländereckgruppe ein durchaus aktives Leben, auch wenn man die Vorgabe aus Freiburg nicht erfüllt. Nahezu monatliche Gruppentreffen gibt es, dabei wird auch mal Alemannisches gelesen, Mitglieder von Schwörstadt bis Schliengen, aber auch aus der Schweiz und dem Elsass kommen. Immerhin ist man sich sicher, dass man eine Kernsprache im Herzen Europas spricht, die es zu bewahren gilt. Und als Sprachbewahrer will man auch künftig aktiv bleiben. Bei der Versammlung zeigte sich, mit wieviel Herzblut die Mitglieder bei der Sache sind. Hebels "Mann im Mond" konnte Edith Kummerer im spontanen Dialog rezitieren und überhaupt will man das Andenken an Hebel bewahren. Peter Gablitzka möchte beim nächsten Treffen aus dem Werk des Dichters lesen. Auch moderne Mundartpoeten sind gern gesehene Gäste. Und am Wochenende wird sich bei der Gesamtgeneralversammlung der Muetterspröchler in Freiburg zeigen, wie man das Werben um den Dialekt auf Verbandsebene aufgleisen will.

Mitglieder: 272

Termine: Am 2. Juli geht es mit dem "Chanderli" zum Stadtfest nach Kandern, Ende August nach Südtirol.

Kontakt: Gruppenleiter Hanspeter Kilchling, 07628/2326, hapekilch@ gmx.ch, Internet: http://www.alemannisch.de