Rückhaltebecken helfen beim Pestizidabbau

Horst David und Manfred Frietsch

Von Horst David & Manfred Frietsch

Mo, 25. Juni 2018

Eichstetten

Nach dreijähriger Forschung in Eichstetten gibt es Ergebnisse zum Verhalten von Pflanzenschutzmitteln in angelegten Feuchtgebieten.

EICHSTETTEN. Seit 2014 werden in den beiden Eichstetter Regenrückhaltebecken "Steinenweg" und "Breitenweg" Forschungen angestellt, ob und wie sich eingeschwemmte Pflanzenschutzmittel in Rückhaltebecken abbauen. Das Ergebnis zeigt, dass Feuchtflächen, in denen einfließendes Oberflächenwasser eine Zeitlang zurückgehalten wird, tatsächlich zum Abbau von Pestiziden beitragen könne. Die Forschungen, an denen das hydrologische Institut der Universität Freiburg mit Professor Jens Lange sowie Umweltchemiker der Universität Lüneburg und weitere Institute und Einrichtungen beteiligt sind, gehören zum vom Bund geförderten Projekt "Maßnahmen für einen nachhaltigeren Umgang mit Pestiziden und deren Transformationsprodukten im Regionalen Wassermanagement" (MUT ReWa).

Unter die Lupe genommen wurde speziell das durch den Weinbau geprägte Tal des Löchernbachs oberhalb des Rückhaltebeckens Breitenweg. Untersucht wurden der Eintrag von Pestiziden in das Gewässer und die Abbauwirkung in der eigens bis 2014 angelegten Feuchtfläche im Rückhaltebecken. Konkret wurde in einem Monitoring von 2015 bis 2017 ermittelt, was dort mit den Fungiziden Boscalid und Penconazol und den Herbiziden Metazachlor und Flufenacet sowie deren Umwandlungsprodukten (TP) geschieht. Um die Ausbreitung der Stoffe zu untersuchen, wurden auch Fluoreszenztracer eingesetzt. Diese Stoffe setzen Markierungen, mit denen Fließbewegungen und die Stoffausbreitung gemessen werden können. 150 Winzer im Einzugsgebiet des Rückhaltebeckens machten dabei mit.

Die Ergebnisse zeigten, dass in Proben aus Oberflächenwasser Pflanzenschutzmittel und zehn TP nachweisbar sind. Im Basisabfluss lagen die Konzentrationen mit 0,01 bis 0,06 Nanogramm je Liter sehr niedrig. Von Metazachlor wurden als TP Sulfonsäure und Oxalsäure festgestellt. Es wurde nachgewiesen, dass im Feuchtflächensystem bei sechs von elf sogenannten Ereignisfällen, in denen nach stärkeren Regen große Wassermengen ins Rückhaltebecken strömten, bei allen Substanzen eine Reduktion der Frachten stattfand. Auch wurde festgestellt, dass die Abschwemmungen über asphaltierte Wege für einen Großteil der Auswaschung von Pflanzenschutzmitteln sorgten. Deren Umwandlungsprodukte (TP) hingegen kamen vor allem aus den landwirtschaftlichen Flächen. Ein kleiner Rückhalteteich mit offener Wasserfläche erwies sich als besonders wirksames Feuchtflächenelement. Und ein solcher Teich war im Becken Breitenweg auch angelegt worden.

Der Bau von Feuchtflächen könne daher im Hinblick auf den Stoffrückhalt empfohlen werden, so wird in einem Fazit aus den Forschungen in Eichstetten gefolgert. Kombiniert mit Empfehlungen zum Einsatz von Pestiziden könnten Feuchtflächen dazu beitragen, den Eintrag von Pestiziden und TP in angrenzende Gewässer zu verringern. Da solche Flächen natürlich Platz beanspruchen, böten sich existierende Hochwasserrückhaltebecken dafür gut an. Gerade hier stünden geeignete Flächen zur Verfügung, deren landwirtschaftliche Nutzung durch periodische Überflutung ohnehin eingeschränkt sei. Deutlich wurde auch, wie wichtig begrünte Randstreifen an Wirtschaftswegen sind, um Erosion und Abdrift von Pestiziden über diese Wege zu verringern. Besonders wirksam war, dass die beteiligten 150 Winter den Spitzmitteleinsatz sorgfältiger dosierten. Das verringerte vor allem die Maximalkonzentrationen der Pestizide im Vergleich zu den Vorjahren.

Eine Broschüre beschreibt die wichtigsten Erkenntnisse und gibt Tipps für die Praxis in Weinbau und Landwirtschaft. Erhältlich ist sie an der Infotheke im Eichstetter Rathaus.