Friebolin: "Den Gemeinsinn stärken"

Marco Schopferer

Von Marco Schopferer

Di, 09. Januar 2018

Eimeldingen

Eimeldingens Bürgermeister wartet bei Neujahrsempfangspremiere mit einigen Neuerungen auf und bietet Multimedia-Show.

EIMELDINGEN. Über 300 Besucher erlebten beim Neujahrsempfang in Eimeldingen die Premiere für Bürgermeister Oliver Friebolin, der gleich mehrere Neuerungen im Ablauf umsetzte. Flotte Bluesrhythmen, eine multimediale Aufarbeitung des letzten Jahres und leckeres Gebäck gab es für die Gäste.

Rainer Stickelberger ist als Landtagsabgeordneter ein Profi, wenn es um Neujahrsempfänge geht. Rund 15 stehen bei ihm im Januar im Terminkalender, noch viel mehr Anfragen gibt es, die er dann absagen muss. Aber Eimeldingen passte in die engen Terminabsprachen – und Stickelberger genoss sichtlich den Anlass. Auf ganz neuem Terrain bewegte sich Daniela Meier. Rümmingens Bürgermeisterin war als Vorsitzende des Gemeindeverwaltungsverbandes Vorderes Kandertal da, eine Art Antrittsbesuch zu Ehren des neuen Bürgermeisters. In den ersten Reihen saßen auch Märkts Ortsvorsteher Stefan Hofmann, Fischingens Dorfoberhaupt Axel Moik, Weils Bürgermeister Christoph Huber, Pfarrer Jochen Debus und Pfarrer in Rente Willi Schneider nebst Gattin.

Verwundert konnten sie und die Besucher sein, wie Friebolin dem Neujahrsempfang einen frischen Wind gab. Seine Rede wurde per Beamer mit Bildern aus dem vergangenen Jahr auf Großleinwand unterlegt (übrigens dank Unterstützung von Sohnemann Dominik) – und die Band "Blues Seven" gab dem Anlass eine ganz persönliche Note mit ihrem Swing. Im Anschluss gab es neben der traditionellen Scharwaie und Gugelhupf auch mit Gemüse gefüllte Calzone oder Pizzabaguette mit Schinken, Oliven und Mozzarella zum Naschen.

Zuvor ging Friebolin in seiner Rede ausführlich auf das abgelaufene Jubiläumsjahr ein, sprach auch aktuelle Aufgaben an. Die Integration von Flüchtlingen gehe alle an, sie sei "eine gemeinsame Aufgabe. Ich möchte sie an dieser Stelle ermutigen, auch in Zukunft die Integration tatkräftig zu unterstützen, indem Sie mit offenem Herzen und unvoreingenommen auf die geflüchteten Menschen zugehen", sage Friebolin. Bedauerlich sei es gewesen, dass "wir die zugewiesenen Flüchtlinge nicht privat in der Gemeinde unterbringen konnten. Die Gemeinde muss deshalb für die rund 30 zugewiesenen Menschen eine Containeranlage aufstellen und im ehemaligen Ochsenareal fünf Wohnungen anmieten. Fazit des Bürgermeisters: "Für eine Integration wären andere Lösungen besser gewesen". Wichtigste kommunalpolitische Entscheidung im letzten Jahr sei der Kauf des neuen Rathauses (Markworth-Areal) gewesen, und auch der Ochsengarten ist nun in Gemeindebesitz, kann so für den geplanten Kreisverkehr B 3/Kreisstraße nach Märkt genutzt werden. "So schnell wie möglich" starte hier dann auch das Bürgerbeteiligungsverfahren "Neue Ortsmitte/An der Kander".

Weitere offene Fragen sind: Wo soll ein neues Baugebiet, wo sollen Entwicklungsflächen für Gewerbe entstehen? Was passiert mit dem "alten" Rathaus, und wie kann man den Kreisverkehr B 3/ Kreisstraße Märkt umsetzen?

Er wisse, dass bei Bürgern Zweifel wachsen, ob "alles Machbare auch richtig und sinnvoll ist, ob alles Wünschenswerte auch tatsächlich geleistet werden kann". Und doch gelte es, den Gemeinsinn zu stärken. Auf sinnstiftende Werte müsse man sich zurückbesinnen, denn: "Weniger Eigensinn und mehr Verantwortung zur Stärkung der Gemeinschaft ist der Weg". Solidarität und Verantwortungsbereitschaft dürften keine Fremdworte sein, Nachbarschaftshilfe sollte aktiv gelebt werden, wünschte er sich.

Im Anschluss an die Worte des Bürgermeisters richtete Armin Ruser im Namen des Flüchtlingskreises einen eindringlichen Appell an die rund 300 Gäste. Von einer Flüchtlingswelle könne kaum die Rede sein, wenn bis Ende des Jahres 30 Flüchtlinge in Eimeldingen untergebracht würden. "Das ist ist mehr ein ’Gutsch’ oder ein Schwank", denn eine bedrohliche Welle. "Tolle und wunderbare Menschen" würden nach Eimeldingen ziehen, er selbst habe Weihnachten mit Irakern, Silvester mit Afghanen gefeiert. Ruser forderte dazu auf, dass sich noch mehr Eimeldinger den Flüchtlingen annehmen. 100 Helfer für 30 Flüchtlinge wären optimal, aktuell sind es rund 20.