Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. Juni 2012

Ein Hauch Zimt wirkt Wunder

KOMÖDIE: Daniel Cohens köstliche französische Komödie "Kochen ist Chefsache".

  1. Jean Reno (Mitte) als Spitzenkoch Alexandre Lagard Foto: dapd

Wer einer Aubergine nicht in die empfindlichen Augen schauen und mit Karotten nicht Süßholz raspeln kann, der taugt nicht zum Spitzenkoch. Jacky Bonnot ist einer, der das Gemüse versteht, der weiß, was schlanke Lauchzwiebeln wollen: Und trotzdem hat er in seinem Leben seinen Platz in der Haute Cuisine noch nicht gefunden. Im Gegenteil: Der junge Mann mit den wie von Kajal umrandeten traurigschwarzen Augen, der es einfach nicht ertragen kann, wenn Gäste zu einem zarten Kalbsragout einen holzigen Roten bestellen, hat sich durch seine Intoleranz gegenüber schlechtem Geschmack und Ignoranz im Restaurant so unbeliebt gemacht, dass ihm – um seine sehr hübsche schwangere Freundin nicht zu vergraulen – nur eins bleibt: Er verdingt sich als Anstreicher in alten Schloss, in dem es allerdings auch eine Küche gibt: für die Bewohner des dort angesiedelten Altenstifts…

So nimmt ein Filmmärchen seinen Lauf, das schon in seinem auf Küchentätigkeiten (Rühren, Mixen, Schneiden) getrimmten Vorspann jene luftig heitere Stimmung verbreitet, die Regisseur Daniel Cohen und sein bestens aufgelegtes Schauspielensemble in keiner der 84 Minuten von "Kochen ist Chefsache" verlässt. Ein solcher Film, der das Essen zu seiner eigenen Hauptsache erklärt, konnte womöglich nur in Frankreich entstehen: der Heimat von Spitzenköchen à la Paul Bocuse oder, wie er im Film heißt, Alexandre Lagard, luxuriösen Pariser Gourmettempeln und Landgasthöfen, in deren Gärten bezaubernde Chefinnen inmitten durch dämmeriges Grün blitzenden Tischdecken aufs schönste erblühen. Nur hier kann vermutlich das Ringen um das beste Rezept der kommenden Saison zum Glaubenskampf zwischen Modernisten und Traditionalisten um die Küche der Zukunft ausarten: Die Propheten der aus Spanien auf den Nachbarn niedergekommenen molekularen Küche gegen die Verteidiger von Jakobsmuscheln und Entrecote double.

Werbung


Zimt und Lotosblüten können in diesem Krieg mitunter vermittelnde Wunder wirken: Das muss der zum unkreativen Monument seiner selbst erstarrte Grandseigneur der französischen Kochkunst Alexandre Lagarde – eine Paraderolle für Jean Reno – , im Lauf der zahlreichen Menüs, die vor den Augen der Zuschauer angerichtet werden, schließlich auch selbst erkennen. Beschleunigt wird dieser Prozess durch die an Niedertracht nicht zu überbietenden intriganten Machenschaften eines Heuschrecken-Jungunternehmers, der den bärbeißigen und widerborstigen Altmeister durch Verlust eines Sterns zur Aufgabe zwingen will. Diese Rechnung hat er allerdings ohne Jacky, Lagardes glühenden Verehrer, den genauesten Interpreten seiner Rezepte gemacht: Und Michael Youn, in Frankreich als Anarcho-Komiker sehr erfolgreich, zieht alle Register zwischen hundsäugig zerknirschtem Schuldbewusstsein und vom Wissen um das eigene Genie genährtem, liebenswürdigem Größenwahn.

Dem Kochduell der ungleichen Giganten schaut man gern zu – und nimmt dafür manche slapstickhafte Übertreibungsnummer (mit Jackys drei berufsfremden Hilfsköchen und einem spanischen Experten für die in giftigem Gelb und knalligem Rot brodelnde Molekularküche) in Kauf. Damit dieser im wahrsten Sinn köstliche Film aber nicht doch noch zu Qual wird, sollte man vorher gut gegessen haben – oder für nachher einen Tisch bestellen.
– "Kochen ist Chefsache" (Regie: Daniel Cohen) läuft in Freiburg und Offenburg.

Autor: Bettina Schulte


1 Kommentar

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

Reiner Arnold

Registriert seit: 29.07.2010

Kommentare: 374

08. Juni 2012 - 08:58 Uhr

..Es lebe der französische Film! Holllywood ist eh abgewirtschaftet und versuchst sich noch mit 3D Firlefanz über Wasser zu halten.

Verstoß gegen Netiquette melden



Weitere Artikel: Kino