Ein neuer Kessel oder Nahwärme?

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Do, 23. August 2018

Steinen

Gemeinde Steinen will in Höllstein kommunales Wärmenetz schaffen / Am Anfang steht die Datenerhebung unter Hausbesitzern.

STEINEN. Steinen hat eines, Hägelberg ebenfalls. Nun will die Gemeinde herausfinden, wie die Chancen für eine Nahwärmeversorgung der Haushalte im Teilort Höllstein stehen. Am Dienstag stellten Bürgermeister Gunther Braun, Bauamtsmitarbeiter Simon Prunu und Planer Rolf Pfeifer von der Firma Endura Kommunal die Überlegungen für ein sogenanntes Quartierskonzept vor, in dem die Themen Nahwärme, schnelles Internet und moderne Wasserleitungen gemeinsam angegangen werden sollen.

Die zentrale Wärmeversorgung von Haushalten über ein – beispielsweise mit Hackschnitzeln betriebenes – Heizkraftwerk sei vor allem für Hausbesitzer attraktiv, die in der nächsten Zeit ihren in die Jahre gekommenen Öl- oder Gaskessel ersetzen müssen, stellte Planer Rolf Pfeifer heraus. Ihnen hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren bei der Neuanschaffung gewisse Kröten zu schlucken gegeben, etwa dass 15 Prozent der künftig produzierten Wärmeenergie aus alternativen Heizquellen stammen muss. Doch wie viele Höllsteiner stehen vor diesem Problem? Wer käme als potentieller kommunaler (Nah)Wärmekunde in Betracht? Wie steht es um die aktuelle Nutzung alternativer Energiequellen? Lässt sich ein solches Projekt auch wirtschaftlich darstellen? Diese und weitere Themen will das Planungsbüro zunächst mit einer gründlichen Befragung der Höllsteiner auf den Grund gehen. Pfeifers Hoffnung ist, dass sich möglichst viele Häuslebesitzer an einem solchen Monitoring beteiligen – die daraus gewonnene Datengrundlage sei unerlässlich, um das Projekt voranbringen zu können.

Beim Pressegespräch am Dienstag hob Bürgermeister Gunther Braun hervor, dass die Gemeinde sich in der Verantwortung sehe, nun auch im größten Teilort der Gesamtgemeinde ein Nahwärmekonzept anzubieten, nachdem es erfolgreiche Vorbilder in Hägelberg und in Steinen, aber auch in anderen Gemeinden des Landkreises bereits gebe. Später, so Braun, könne man dann auch in den weiteren Teilorten weitermachen. Planer Rolf Pfeifer hob hervor, dass die Gemeinden im Zuge der Energiewende immer stärker gefordert seien, die Wärmeversorgung ihrer Bewohner als einen Teil der staatlichen Daseinsfürsorge zu betrachten, weil die großen Energiekonzerne mit dem Aus von Kohle- und Atomkraft an Bedeutung verlieren. Pfeifer hob hervor, dass nicht daran gedacht sei, Höllsteins Wärmeversorgung in kürzester Zeit auf Nahwärme umzustellen. Pfeifer: "Ein solches Netz wächst normalerweise wie ein Baum." Gedacht sei auch an den Bau verschiedener Blockheizkraftwerke – zum Beispiel im Gewerbegebiet, wo diverse Firmen dann vom dabei neben der Wärmeenergie produzierten günstigen Strom profitieren könnten. Sinn mache es, im Zuge des Breitbandausbaus mit dem Einbau der Wärmeleitungen in Höllsteins Straßen zu beginnen – der Synergieeffekt spare Kosten, was sich dann auch günstig auf den Wärmepreis auswirken werde. Als eine künftige Wärmezentrale für Höllstein käme beispielsweise die Wiesentalhalle in Betracht, die heute schon mit Hilfe von Hackschnitzeln beheizt wird.



Info: Zum geplanten Höllsteiner Quartierskonzept gibt es am Donnerstag, 13. September, ab 18 Uhr eine Infoveranstaltung in der Wiesentalhalle. Dabei will die Firma Endura Kommunal über Inhalte und den Zeitplan informieren. Die Hägelberger Initiative Energie aus Bürgerhand berichtet von eigenen Erfahrungen mit Nahwärme. Außerdem informiert der Zweckverband Breitband über den Stand der Dinge in Sachen "Schnelles Internet".