Ein Rhapsode der Schöpfung

Michael Braun

Von Michael Braun

Mo, 10. Dezember 2018

Literatur & Vorträge

Der Peter-Huchel-Preisträger Paulus Böhmer ist gestorben.

Die Gedichte dieses Poeten sprengten alle Grenzen, die man der konventionellen Lyrik auferlegt hat. Paulus Böhmer, 1936 in Berlin geboren, war ein Rhapsode der Schöpfung, seine großflächigen, barock ausschweifenden Poeme sind Lobgesänge auf das Leben, die tief in die Natur- und Erdgeschichte hinabsteigen. 1943 kam der Siebenjährige mit seiner Familie nach Oberhessen, nach dem Abitur begann er in Frankfurt Rechtswissenschaften zu studieren. In Berlin traf Böhmer in den 1960er Jahren auf Walter Höllerer, den Impresario des Berliner Literaturbetriebs. Dort begeisterte er sich für das offene Gedicht der amerikanischen Beat Generation, das nur den Gesetzen des eigenen Atems folgt. Von 1983 bis 2003 leitete er das Hessische Literaturforum im Mousonturm in Frankfurt.

Der Erfolg kam spät. Für sein langes Poem "Zum Wasser will alles Wasser will weg", diesen nach allen Seiten mäandernden Strom poetischer Bilder, wurde Böhmer er 2015 mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet. Am 5. Dezember ist Paulus Böhmer, der Meister des langen Gedichts, im Alter von 82 Jahren in Frankfurt gestorben.