Einblicke in die regionale Erzeugung

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Sa, 11. August 2018

Efringen-Kirchen

Zwei Dutzend Bürger besichtigten mit Landrätin Marion Dammann zwei Betriebe mit Gemüse- und Obstanbau sowie Weinbau.

EFRINGEN-KIRCHEN. 24 Bürger, die regelmäßig auf den Wochenmärkten einkaufen und teilweise auch selbst im eigenen Garten Gemüse züchten oder Obstbäume gepflanzt haben, waren mit dabei, als Landrätin Marion Dammann zur Bürgerfahrt in zwei Betriebe nac

h Efringen-Kirchen einlud, die sich auf den Gemüse- oder Obstanbau plus Weinanbau spezialisiert haben.

Bei Familie Lang in Wintersweiler und bei Familie Bahlinger in Blansingen erfuhren die Gäste viele Details zu Anbaufragen, nahmen aber auch die Sorgen der Direktvermarkter und Marktbeschicker zur Kenntnis – nicht nur wegen der seit Wochen andauernden Trockenperiode. Die Gelegenheit, den Anbauprofis und den mitfahrenden Fachleuten Fragen zu stellen, wurde lebhaft wahrgenommen. Neben der Landrätin mit dabei waren Kreisobstbauberater Klaus Nasilowski, Getraud Lohrmann, Fachbereichsleiterin Landwirtschaft im Landratsamt, Gert Willmann, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauverbandes, sowie Werner Kuttler für den BLHV und Gerda Müller als Vorsitzende der Direktvermarkter "Bestes aus Südwest" im Landkreis.

Dammann nutzte die Busfahrt, um für die Vorzüge des regionalen Einkaufs bei den Direktvermarktern und auf den Wochenmärkten zu werben. "Die Erzeugung von Lebensmitteln von Produzenten vor Ort muss besser wertgeschätzt werden, denn die Produzenten sorgen mit dafür, dass die Kulturlandschaft und ihre Diversität im Landkreis erhalten werden", gab sie weiter. Der Trend "Wachsen oder weichen" bei den Erzeugern halte an, da man mehr Fläche braucht, um auskömmlich zu produzieren, schilderte Lohrmann.

Der Betrieb Lang in Wintersweiler etwa gab vor 16 Jahren die Viehhaltung auf und spezialisierte sich auf den Gemüse- und Obstanbau sowie den Weinbau. Der Betrieb hat einen Hofladen und ist auf Wochenmärkten präsent, beliefert zudem den Obst- und Gemüsevertrieb Südbaden. Michael Lang beschrieb die Vorzüge von Folientunneln, die etwa Tomaten und Paprika Schutz vor Witterungseinflüssen bieten. Schädlinge werden vorwiegend mit Nützlingen in Schach gehalten. So räumen Schlupfwespen bei den Paprikakulturen auf. "Wir arbeiten so naturnah wie möglich und es ist nur unwesentlich teurer, als wenn man Insektizide kaufen müsste." Die Familie beschäftigt 14 Saisonarbeitskräfte, für die gerade ein Haus für die Unterbringung gebaut wurde. Dass die Große Koalition plant, dass Saisonarbeiter statt nach 70 bereits nach 50 Tagen Sozialabgaben zahlen sollen, macht Lang Sorgen, denn dann würden die Kosten für die Betriebe weiter steigen.

Bei Gerd Bahlinger, der mit seinem Sohn Jochen durch die Anlagen führte, liegt der Schwerpunkt auf der Obsterzeugung: Der Tafelkirschenanbau ebenso wie der Anbau von Industriekirschen, Zwetschgen, Äpfel, Birnen, Mirabellen sind die Standbeine. Der Betrieb ist auch für Weine und Edelbrände bekannt. Bahlinger führte vor, wie eine Kirschrüttelanlage für Hochstämme arbeitet, die von ihm selbst mitentwickelt wurde. "Für die Bäume ist es genauso schonend, wie wenn wir von Hand ernten würden", entgegnete er auf Fragen. Momentan ist die Zwetschgenernte in vollem Gange. "Die Käufer wollen die kleinen wohlschmeckenden aber eher weichen Früchte nicht mehr, deshalb haben wir umgestellt auf größere Zwetschgen, die härter und saftig sind." Dass der Verbraucher anders als in Frankreich nicht bereit ist, für gute Ware mehr zu zahlen, war auch bei Bahlinger Thema, nicht zuletzt mit Blick auf die gestiegenen Mindestlöhne. Bahlingers sind mit einem weiteren Betrieb der einzige noch verbliebene Obsterzeuger vor Ort. Der Strukturwandel sei auch hier in vollem Gange, bemerkte Klaus Nasilowski.

Zu den begeisterten Teilnehmern der Bürgerfahrt gehörte Saskia Schicha aus Lörrach. Stellvertretend für die Mitfahrer hielt sie fest, dass sie neugierig gewesen sei, woher das Obst und Gemüse, das sie auf dem Wochenmarkt kauft, kommt. "Es war ein toller Einblick in die regionale Erzeugung, viele Fragen kann ich jetzt für mich beantworten – und ich habe auch Tipps mitgenommen", sagte sie.