Eine tolle Erfahrung für alle

Jutta Geiger

Von Jutta Geiger

Mi, 12. September 2018

Neuenburg

Im Baseballpark der Atomics fand erstmalig ein Baseballtag für Menschen mit Behinderung statt .

NEUENBURG AM RHEIN. So viel gelacht und gejubelt, wie am letzten Samstag der Sommerferien, wurde im Baseballpark der Atomics selten. Grund dafür war der erste Baseballtag für Menschen mit Behinderung, den die Atomics in Kooperation mit der Neuenburg International Church durchführten.

Initiiert wurde der besondere Sporttag von Stephen Spanjer, Leiter der Neuenburg International Church und gleichzeitig Trainer der Jugendmannschaft der Atomics. Freunde von ihm in den USA haben eine Adoptivtochter mit geistiger Behinderung, die an einem Behinderten-Baseballtag in den USA große Freude hatte. Kurzerhand überlegte sich der engagierte Pfarrer, diese Idee auch in Neuenburg in die Tat umzusetzen. Und nachdem der Vorstand des Baseballvereins diese mittrug, ging er schon Anfang des Jahres damit in die Vorbereitung.

Eingeladen worden waren Menschen mit Behinderung aus den Gruppen der Lebenshilfe, der Christophorus-Gemeinschaft und aus dem Sankt Josefshaus. Wie viele tatsächlich kommen würden, war bis zu Beginn der Veranstaltung unklar, denn nach ursprünglicher Euphorie hatte die Skepsis Einzug gehalten. Was würde die Menschen erwarten? Michael, Kevin, Emma, Tobias, Alvaro, Alexander und Markus trauten sich, es herauszufinden. Von den Atomics waren neben sämtlichen Trainern auch unzählige Spieler der verschiedenen Mannschaften sowie Helfer aller Art auf dem Platz. Sie wollten sich das Ereignis nicht entgehen zu lassen und tatkräftig mit anpacken, wann immer es nötig werden sollte.

Ausgestattet mit Namensschildern ging es zuerst an ein paar Stationen, um Fanghandschuh, Ball, Schläger und natürlich ein paar Regeln kennen zu lernen. Erste Schlagversuche mit großen, eher weichen, neongelben Bällen wurden unternommen. Den Ball zu treffen war dabei das Ziel, egal wie. Schnell war klar, dass Kevin ein Naturtalent ist, denn er traf zielsicher jeden Ball. Danach ging es aufs Feld, um ein richtiges Baseballspiel zu erleben. Wie das in der zweiten Bundesliga läuft, wie schnell dort die Bälle geworfen und wie weit geschlagen werden, demonstrierten Joshua Steigert, Luca Mayer und Colin Holzwarth für die Gäste.

Danach wurden die Menschen mit Behinderung unter großem Jubel in zwei Mannschaften aufgeteilt, die mit einigen Jugendlichen aufgestockt werden mussten, um zu ermöglichen, dass auch alle besonderen Teilnehmer einmal über alle drei Bases bis hin zum Homeplate laufen konnten. Und was wäre eine Baseballmannschaft ohne Basecap? Blaue Caps gab es für das Team um Coach Ralf, rote für die Spieler von Coach Rob. Per Münzwurf wurde entschieden, welche Mannschaft zuerst an den Schlag durfte. Da ein richtiges Pitchen, also ein Wurf aus größerer Distanz viel zu schnell gewesen wäre, wurden die Bälle von Coach Rob aus nächster Nähe geworfen. Waren diese nicht treffbar, wurde kurzerhand das T, mit dem auch die Kindergartenkinder das Bälleschlagen üben, zu Hilfe genommen. Unter großem Applaus für jeden getroffenen Ball hieß es dann, ans erste Base zu rennen, was manch ein Teilnehmer mit, mancher auch ohne Begleiter tat.

Schön zu beobachten war, mit wie viel Freude sowohl die behinderten Gäste, als auch die Trainer und Spieler auf dem Feld bei der Sache waren. Jeder Treffer wurde bejubelt, jedes Ankommen am Base beklatscht. Vor allem Alvaro hüpfte und jauchzte vor Glück, wenn er ein Base erreichte. Und wie es sich gehört, wurde die ganze Mannschaft abgeklatscht, wenn ein Spieler am Ende seines Laufs die Homeplate erreichte und dadurch einen Punkt für die Mannschaft holte. "Ich habe schon mindestens zehn Punkte geholt!", freute sich Michael, als er zum dritten Mal seinen Lauf beendete und alle abklatschte. Kevin überraschte Spieler wie Trainer, da er die Bälle sehr zielsicher traf und gleich bis ins Outfield schlug. "Ich konzentriere mich voll auf den Ball – dann treffe ich ihn", erklärte Kevin seine Schlagsicherheit. Markus, noch völlig außer Atem, äußerte sich sehr positiv: "Ich habe Baseball bisher nur auf der Playstation gespielt, aber hier macht das noch viel mehr Spaß!" Nach Spielende gab es für jeden Spieler mit Handikap eine Medaille und ein T-Shirt, die Basecaps durften sie ebenfalls behalten. "Das war eine tolle Erfahrung für uns alle, denn wenn wir sonst auf den Platz gehen, steht die Leistung im Vordergrund, heute einfach nur der Spaß am Sport!", so das Resümee von Stephen Spanjer, der gar nicht traurig war, dass nur sieben Menschen mit Behinderung mit ihren Betreuern zur Veranstaltung gekommen waren. "Im Gegenteil. Wir konnten mit dieser kleinen Gruppe erste Erfahrungen sammeln, die total positiv waren – für jeden von uns!" Im nächsten Jahr soll es daher auf jeden Fall eine Wiederholung geben, die hoffentlich auf noch mehr Resonanz stoßen wird.