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16. April 2011

Münstertal

Käsemuseum soll neue Attraktion in den Vogesen werden

Ein Museum für den Münsterkäse: Im elsässischen Münstertal wird Besuchern zweimal täglich vorgeführt, wie der Münsterkäse aus der geronnenen Milch geschöpft wird. Das Museum soll zum Rettungsanker einer ganzen Regioon werden.

  1. Käsemuseum Foto: Hervè Kielwasser

GUNSBACH. Am Eingang verbreiten Duft- und Klangsäulen das Glockengeläut der Vogesenkühe, die Geräusche des Almauftriebs und den Geruch von Fenchel- und Kümmelsamen. Drinnen, im "Menschtertàlerkashüs", empfängt den Besucher ein weitläufiger heller Raum. Alles hier im Käsehaus dreht sich um Tradition, Handwerk und Landwirtschaft; das Museum nutzt sämtliche moderne Techniken, um sein Thema aufzubereiten. Nach einem stimmungsvollen Film mit Impressionen aus dem Leben im Münstertal mit seinen 16 Städtchen und Dörfern von Breitenbach bis Wihr-au-Val muhen echte Kühe in einem nachgebauten Stall. Zweimal täglich wird den Besuchern praktisch vorgeführt, wie der frische Münsterkäse aus der geronnenen Milch geschöpft wird. Wer möchte, darf den "Siaskas", mit einem Schuss Kirsch und mit Zucker verfeinert, probieren. Vor allem an den Wochenenden und für Gruppen mit Reservierung zeigt ein "marcaire" in dem Raum, der nach "Martin, dem Melker" benannt ist, sein Handwerk. Eine Käseschule erklärt die verschiedenen cremigen und festen Käsesorten Ostfrankreichs und gleich daneben darf erneut Käse probiert werden.

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Das neue Käsehaus in Gunsbach im Münstertal soll für das Tal mehr sein als ein touristisches Spielzeug: ein Rettungsanker für eine krisengeschüttelte Region. Landwirtschaft, Tourismusgewerbe, Handwerk und Politik sehen in ihm ein Schaufenster für alles, was das Tal seinen Besuchern zu bieten hat. Norbert Schickel, Präsident des Gemeindeverbandes Münstertal und einer der Väter des Projekts, erhofft sich auf lange Sicht 70 000 Besucher pro Jahr. Betrieben wird das Käsemuseum von einer Gesellschaft, die etwa je zur Hälfte aus privatem und öffentlichem Kapital finanziert wird. In Zusammenarbeit mit einem starken Dutzend Landwirten soll von 2012 an eine eigene Käseproduktion angeschlossen werden.

Sechs Millionen Euro wurden in dieses Haus investiert, dessen Pläne 2008 sogar von der Regierung ausgezeichnet wurden. Sie sollen sich für die Region auszahlen, die seit langem unter einem wirtschaftlichen Niedergang leidet. Im 19. und 20. Jahrhundert sorgten die Textilfabriken des Münstertals für Lohn und Brot. Nach 2005 verwandelte die Wirtschaftskrise das noch vergleichsweise wohlhabende Tal endgültig in ein strukturschwaches Gebiet. Eine Fabrik nach der anderen machte dicht. Hunderte Bewohner aus dem Tal verloren ihre Arbeit. Wer Glück hatte, pendelte aus dem Tal ins Umland. Als 2009 sogar die seit dem 19. Jahrhundert in Munster ansässige Manufaktur Hartmann schloss, war das sicher einer der schwersten Schläge.

20 Jobs in dem neuen Museum mit Ausstellungsräumen, Käseproduktion, Souvenirshop und Restaurant auf 2000 Quadratmeter Fläche erscheinen da wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Dafür hat das elsässische Münstertal etwas, was andere Vogesentäler nicht besitzen – einen Käse, dessen Name aufs lateinische Wort für Kloster zurückgeht und den man als Marke in der Welt kennt.

Beworben wurde das Käsehaus, das sich wegen eines Rechtsstreits mit der Organisation der Münsterkäsehersteller nicht nach dem Münsterkäse nennen darf, bislang nur im Elsass selbst. "Busreiseveranstalter planen ein bis zwei Jahre im Voraus", sagt die Leiterin des Office de Tourisme, Nicole Bézu. "Zu früh für uns." Bestehende Gruppenreservierungen für 5000 Personen – Schulklassen und Vereine – klingen allerdings vielversprechend.

La Maison du Fromage: Vallée de Munster, 23 route de Munster, Gunsbach, täglich geöffnet von 9 bis 19 Uhr, Tel.Tel. 00 33 3 89 77 90 00, http://www.maisondufromage-munster.com

Autor: Bärbel Nückles