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16. April 2010

Neuer Knast weckt Unmut

In Lutterbach soll das neue Gefängnis für das Elsass entstehen.

MULHOUSE. Das französische Justizministerium hat Lutterbach am Westrand von Mulhouse als Standort für ein neues Gefängnis für 600 bis 700 Häftlinge ausgemacht. Zwar regt sich Widerstand unter den 6000 Einwohnern, doch Bürgermeister André Clad ist überzeugt: "Der Standort erfüllt zwei zentrale Kriterien. Es liegt weit genug von den Wohngebieten entfernt und dennoch verkehrsgünstig in der Nähe der Autobahn." Außerdem könne das Gefängnis über eine regionale S-Bahn angeschlossen werden.

Seit Jahren ist von einem Gefängnisneubau für das Südelsass die Rede. Nachdem sich die Pläne für den Standort Issenheim (deutsch Isenheim) bei Guebwiller vergangenes Jahr zerschlagen hatten, brauchte es schnell eine Alternative. Die Gefängnisse in Colmar und Mulhouse sind überaltert, in Mulhouse liegt die Vollzugsanstalt zudem im Stadtzentrum. Anwohner klagen seit Jahren über die Lärmbelästigung durch die Insassen. Außerdem erhielt es unlängst schlechte Noten in einem Bericht über die französischen Gefängnisse. Die Zustände der Haftanstalt aus dem Jahr 1870 gehören demnach zum Schlimmsten, was Personal und Gefangenen in Frankreich zugemutet wird. Der Bericht prangerte eine menschenunwürdige Unterbringung an.

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"Bis in fünf Jahren wird das neue Gefängnis gebaut sein", versuchte Jean-Marie Bockel, Oberbürgermeister von Mulhouse und Staatssekretär im Verteidigungsministerium, die Wogen zu glätten. In Lutterbach lehnen die Kritiker den Neubau vor allem deshalb ab, weil erneut Ackerland bebaut werden soll. Das Hauptargument des Bürgermeisters, dass ein Gefängnis Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bringe, lassen sie nicht gelten. Zumal die Pläne noch sehr unkonkret sind und alles von der Umsetzung des landesweiten Konzeptes abhängt. Denn was für das Südelsass gilt – veraltete und überfüllte Gefängnisse –, trifft auch auf das ganze Land zu. Die Selbstmordrate in den französischen Gefängnissen gehört zu den höchsten in Europa. Deshalb sollen auch in anderen Teilen des Landes neue Strafanstalten gebaut werden.

Autor: Bärbel Nückles