Wärmeverkauf wächst

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Fr, 29. Juni 2018

Elzach

Hauptversammlung der Nahwärmegenossenschaft Elzach / Hoher Fremdkapitalbedarf in Investitionsphase / Stoffkreislauf.

ELZACH (ban). Bei der Hauptversammlung der Nahwärmegenossenschaft Elzach (NWE), die 2015 gegründet wurde, berichteten die vier Vorstände und der leitende Ingenieur über den Ausbaustand der Nahwärmeversorgung, technische Neuerungen und die Finanzlage. Aufsichtsratsvorsitzender Roland Tibi lobte die immense ehrenamtliche Vorstandstätigkeit. Die Genossenschaft hat aktuell 220 Mitglieder.

Vorstand Peter Haiß hob zu Beginn positiv hervor, "dass der Zuspruch für das Nahwärmeprojekt wächst". Von anfangs 59 war man Ende 2017 bei 193 Genossen angelangt. Für den Bauabschnitt 2 gab es drei Anwohner-Infoabende. Im Dezember wurden in der Heizzentrale der 2-Megawatt-Hackschnitzelofen mit Elektrofilter sowie der Pufferspeicher in Betrieb genommen. Langfristige Lieferverträge wurden geschlossen. Im ersten Halbjahr 2018 folgte das Blockheizkraftwerk mit Pelletsvergaser sowie die Fertigstellung der Heizzentrale. Das Wärmenetz dehnte sich stetig aus. Der Bauabschnitt 1 mit Einbeziehung von Schulzentrum, Kirchen und Großabnehmern wurde 2017 abgeschlossen. Mit Bauabschnitt 2 ist derzeit die Stadtmitte erreicht. Zuletzt waren 170 Vollanschlüsse installiert.

Die wirtschaftliche Situation der NWE ist weiter durch die Investitionsphase mit hohem Kapitalbedarf bestimmt. Vorstand Martin Wisser stellte dazu ein ausführliches Zahlenwerk vor. In der Gewinn- und Verlustrechnung über den laufenden Betrieb vermeldete er Einnahmen aus Wärmeverkauf von 157450 Euro. Weit höher waren aber die Aufwände für Roh- und Betriebsstoffe, Abschreibungen und Verwaltungskosten. Insgesamt resultierte hieraus ein Fehlbetrag von 100 880 Euro, der – per Versammlungsbeschluss – auf die neue Jahresrechnung vorgetragen wurde. In ihrer Jahresbilanz wies die NWE zum Jahresende 2017 ein Vermögen von 5,473 Millionen Euro aus. Das Anlagevermögen an fertiggestellten Bauten und Technik lag bei 2,157 Millionen Euro. Dem stand auf der Passivseite jedoch noch Fremdkapital aus Bankverbindlichkeiten von 4,672 Millionen Euro gegenüber.

Der Aufsichtsrat hatte im Interesse der Genossen den Abschluss geprüft. Vorsitzender Roland Tibi hob hervor, dass mit wachsender Realisierung des Netzes die Erträge steigen und der Investitionsbedarf sinken werden. 2018 werde schon mit einem positiven Jahresergebnis gerechnet. Tibi zitierte auch aus dem Prüfungsbericht des Genossenschaftsverbandes, der keine Beanstandungen aufgeführt habe.

Auf Zwischenfragen zum Fortgang der Arbeiten teilte Peter Haiß mit, dass im Bereich Graben/Wörthplatz erst 2019 mit einem Wärmebezug zu rechnen sei. Für die Eckstraße gab es noch keine Akquise, deren Anschluss werde aber über die Hauptstraße erfolgen. Arnold Berghoff, der technische Leiter des Projekts, referierte über einige Leistungsdaten. So werden allein über das Gasheizungssystem von Pelletsvergaser und Blockheizkraftwerk mit 110 Kilogramm Pellets pro Stunde aktuell alle Anschlüsse mit Wärme versorgt und der Strom für 360 Haushalte erzeugt. Die beiden Pufferspeicher haben die Kapazität, den Bedarf der Kernstadt einen vollen Tag zu decken. Zudem wird bis Jahresende – als weitere Reserve – noch der geplante Ölheizkessel mit 3500 Kilowatt Leistung installiert. Damit, so Berghoff, bestehe selbst bei Ausfall des Hackschnitzelofens "höchste Versorgungssicherheit". Das komplette Leitungsnetz werde künftig an jedem Abnahmepunkt mit einer Temperatur von 75 Grad Celsius bedient werden; dafür muss die Wärme in der Zentrale mit 85 Grad ins Netz geschickt werden.

Holzhackschnitzel und Pellets bezieht die NWE künftig von der Waldgenossenschaft Schwarzwald-Breisgau. Mit ihr wurde – nach Ausschreibung – ein langfristiger Liefervertrag geschlossen. Die Bestellung erfolgt jeweils gemeinsam mit der Nahwärme St. Peter, was günstige Abnahmepreise ermöglicht. Vorstand Karl Weber berichtete, dass – ohne Beschaffungsrisiko – auch nur nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet wird. Die erzeugte Asche werde zurückgenommen und nach Kalkbeimischung erneut im Wald ausgebracht – ein vollständiger Stoffkreislauf.

Abschließend stimmte die Versammlung noch einem Änderungsantrag aus dem Vorjahr zu den Wärmelieferungsverträgen zu. Die Wartung und Instandhaltung der Übergabestationen bleibt danach "unbefristet" in der Verantwortung des Versorgers und geht nicht nach zehn Jahren auf den Eigentümer über.